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«Tiere werden gnadenlos geschreddert»: Ostschweizer Igelstationen sagen Ja zur Nachtruhe

Mähroboter erleichtern die Gartenarbeit – für Igel können sie jedoch zur tödlichen Gefahr werden. Viele verletzte Tiere überleben die Begegnung mit einem Mähroboter nicht. Ostschweizer Igelstationen sprechen sich deshalb für ein Nachtfahrverbot aus, wie es nun auch in St.Gallen diskutiert wird.
von Saskia Ellinger
Diese Igeldame wurde am Hinterbein schwer verletzt. Der Verdacht der zuständigen Tierärztin: Ein Mähroboter war dafür verantwortlich. (Bild: zvg)
Margareta Schlumpf von der Frauenfelder Igelstation mit einem ihrer Schützlinge. (Bild: Benjamin Manser)

Abgetrennte Gliedmassen, Schnittwunden im Gesicht und am Körper, Hautabrisse: Die Opfer sind Igel, die Täter oft Mähroboter. Während die autonomen Geräte vielen Gartenbesitzern die Arbeit abnehmen, bringen sie für Wildtiere erhebliche Risiken mit sich:

Diese Igeldame wurde am Hinterbein schwer verletzt. Der Verdacht der zuständigen Tierärztin: Ein Mähroboter war dafür verantwortlich. (Bild: zvg)

In mehreren deutschen Städten gilt deshalb bereits ein Nachtfahrverbot für Mähroboter. Die Geräte dürfen dort jeweils von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang nicht eingesetzt werden. Auch in Bern und Biel wurden entsprechende Vorstösse eingereicht. Nun ist das Thema auch in St.Gallen angekommen: Die grünen Stadtparlamentarierinnen Cornelia Federer und Veronika Meyer haben die Interpellation «Nachtruhe für Mähroboter» eingereicht.

Nachtfahrverbot findet Zustimmung

Bei Ostschweizer Igelstationen stösst die Forderung auf Zustimmung. Da Igel überwiegend nachtaktiv sind, würde ein Nachtfahrverbot die Zahl der Begegnungen mit Mährobotern und damit das Verletzungsrisiko deutlich reduzieren, sagt Nicole Merz von der Igelpflegestation des Walter Zoos. Vollständig beseitigt wäre die Gefahr damit allerdings nicht. Besonders Jungigel seien auch tagsüber häufig unterwegs und aufgrund ihrer geringen Körpergrösse sowie ihrer Neugier besonders gefährdet.

Gerade deshalb sei ein Verzicht auf nächtliches Mähen im Spätsommer besonders wichtig, sagt Margareta Schlumpf von der Frauenfelder Igelstation. Dann seien viele Jungigel unterwegs. Ein Nachtfahrverbot wäre in dieser Zeit «lebensrettend». «Kaum ein Roboter wird ein 200-Gramm-Tier als Hindernis erkennen – es wird gnadenlos geschreddert.»

Margareta Schlumpf von der Frauenfelder Igelstation mit einem ihrer Schützlinge. (Bild: Benjamin Manser)

Schwere Verletzungen, hohe Dunkelziffer

Die Folgen einer Kollision können gravierend sein. Die Igelstationen berichten von Schnittwunden im Gesicht und am Körper, Hautabrissen und inneren Verletzungen bis hin zu abgetrennten Gliedmassen. «Die meisten Verletzungen sind so gravierend, dass die Igel euthanasiert werden müssen», sagt Schlumpf von der Frauenfelder Igelstation.

Wie viele Igel tatsächlich durch Mähroboter verletzt werden, lässt sich jedoch nur schwer beziffern. Oft könne nicht eindeutig festgestellt werden, wodurch die Verletzungen verursacht worden seien. «Die tatsächlichen Zahlen dürften daher deutlich höher liegen», sagt Nicole Merz vom Walter Zoo. In ihrer Statistik werde ein Rasenmäher nur dann als Ursache erfasst, wenn dies eindeutig nachgewiesen werden könne. Können andere Ursachen nicht ausgeschlossen werden, werde der Fall als «unbekannte Ursache» geführt. Hinzu komme, dass viele verletzte oder getötete Tiere nicht gefunden würden, was die Dunkelziffer zusätzlich erhöhe.

In St.Gallen wurden in den vergangenen Jahren sowohl weniger als «Rasenmäher» deklarierte als auch weniger Fälle mit unbekannter Ursache registriert. Auch die Frauenfelder Igelstation beobachtet keine wesentliche Zunahme der Fälle. Merz vom Walter Zoo betont jedoch, eine Zunahme könne nicht ausgeschlossen werden, weil die Ursachen häufig nicht eindeutig bestimmt werden könnten. In anderen Regionen und Ländern hätten Igelstationen und Forschungsinstitutionen hingegen einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Verbreitung von Mährobotern und steigenden Verletzungszahlen nachweisen können.

Nicht nur Mähroboter sind ein Problem

Die Fachleute weisen zudem darauf hin, dass Mähroboter nicht die einzigen gefährlichen Gartengeräte sind. Mindestens ebenso problematisch seien Fadenmäher, Trimmer oder Tellersensen. Ihre Leistung möge zwar verlockend sein, «ihre Wirkung hingegen ist mörderisch», sagt etwa Lisa Wüthrich-Früh von der Igelstation Heiden. «Das Beinchen eines flüchtenden Igels ist ‹zack› ab.»

Aus Sicht von Wüthrich-Früh haben Mähroboter, Fadenmäher und ähnliche Geräte zudem immense Auswirkungen auf die Biodiversität. «Jedes Hälmchen, jedes Tierchen, das sich in Richtung Licht und Sonne wendet, wird kurzerhand und stetig wieder vom Roboter gekillt.»

Für Lisa Wüthrich-Früh steht fest, dass Mähroboter gezielter eingesetzt werden sollten: «Und das ist für mich dort, wo Kinder spielen, wo sich Menschen aufhalten, wo Begegnungen stattfinden. Überall sonst braucht es keinen getrimmten Rasen. Es ist weder schön noch ordentlich, wenn alles kurz gemäht ist, ohne dass Leben von Menschen darauf stattfindet. Der Igel ist ein Botschafter für ein besseres Miteinander.»

Igel gefunden? Merz vom Walter Zoo rät: Nur kranke, verletzte oder hilfsbedürftige Igel anfassen. Immer Handschuhe tragen und im Zweifel bei einer Igelpflegestation anrufen. Aufnahme in die Pflegestation nur nach telefonischer Voranmeldung.
Tipps zum Umgang mit verletzten Igeln und für eine igelfreundliche Gartenpflege bietet der Walter Zoo auf seiner Website, in seinem Ratgeber sowie auf der Website igelpflegestation.ch.

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/stgallen-diskutiert-nachtruhe-fuer-maehroboter-das-sagen-igelstationen-art-735929

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