Ein paar Tropfen auf den heissen Stein: Die Rückkehr des Regens und die Folgen für die Ostschweiz
Wie viel Regen ist am Montag in der Ostschweiz gefallen?
Am Montag fielen im Westen des Kantons Thurgau sowie vom Fürstenland bis Bregenz 10 bis 30 Millimeter Regen. In den übrigen Teilen der Kantone Thurgau und St.Gallen sowie im Appenzellerland waren es 5 bis 15 Millimeter. «Kleine Pflanzen und Kulturen in Bodennähe sind dafür dankbar und nehmen das Wasser schnell auf», sagt Marco Stoll, Meteorologe bei Meteo Schweiz.
Der Niederschlag lasse zwar das Gras grüner werden, doch die Bäume bräuchten dafür länger: «Dafür reichen einzelne Tage Regen nicht aus.» Da in den kommenden Tagen im Bündnerland Niederschläge erwartet werden, dürfte über den Rhein wieder mehr Wasser in den Bodensee gelangen. Am längsten dauert die Erholung beim Grundwasser: Bis genügend Regen in die tieferen Bodenschichten sickert, können laut Stoll Monate bis sogar Jahre vergehen.

Was sagen die Wetterprognosen für die kommenden 14 Tage?
Meteorologe Stoll sagt: «Ab Donnerstag wird das Wetter instabil und unbeständig.» In der Ostschweiz sei regelmässig mit gewittrigen Niederschlägen zu rechnen. Diese hätten immer ein gewisses Überraschungspotenzial: Manche brächten grosse Regenmengen mit sich, andere deutlich weniger. Wie ein Gewitter letztlich ausfalle, könne höchstens drei Tage – oft sogar nur wenige Stunden – im Voraus prognostiziert werden.
Der Wetterumschwung ist auf die labile, feuchte Luft zurückzuführen, die vom Südwesten in die Schweiz gelangt. »Diese Südwestluft hat diesen Sommer völlig gefehlt, daher war es sehr trocken», sagt Stoll.

Was bringt der jetzige Regen den Ostschweizer Gewässern – insbesondere dem Bodensee?
Niederschläge wie in den letzten Tagen können Oberflächengewässer kurzfristig erhöhen, schreibt der Kanton St.Gallen auf Anfrage. Heisst: Kleine Bäche können schnell ansteigen, grössere Flüsse brauchen aber eine höhere Niederschlagsmenge. Damit sich die Pegel der St.Galler Gewässer nachhaltig anheben, braucht es flächendeckende und lang anhaltende Niederschläge über mehrere Tage bis Wochen.
Auch am Bodensee hinterliess die Trockenheit Spuren. Am 16. August sank der Pegel laut dem Kanton Thurgau auf den bisherigen Jahrestiefststand von 434,90 Metern über Meer. Die Niederschläge liessen ihn um vier Zentimeter ansteigen.
Damit sich der Pegel des Bodensees normalisiert, braucht es laut dem Kanton St.Gallen deutlich mehr Regen. Dafür wären rund 100 Millimeter Niederschlag oder ein Hochwasserereignis im Alpenrhein nötig.
Besteht weiterhin die Gefahr von Fischsterben?
Sowohl im Kanton St.Gallen als auch im Thurgau kam es diesen Sommer zu Fischsterben. In den St.Galler Gewässern hat sich die Lage dank tieferer Lufttemperaturen und geringerer Sonneneinstrahlung etwas entspannt: «Die meisten Gewässer weisen momentan eine unbedenkliche Temperatur auf.» Entwarnung in Sachen Fischsterben könne jedoch nicht gegeben werden. Dafür seien flächendeckende und lang anhaltende Regenfälle nötig.
Der Thurgau schreibt, dass kaltwasserliebende Fische in Fliessgewässern nach wie vor von hohen Wassertemperaturen betroffen seien. Er nennt als Beispiel den Hochrhein, der in den Bodensee fliesst. Dort lägen die Temperaturen derzeit bei rund 25 Grad und stellten für Fischarten wie Äschen und Forellen weiterhin eine erhebliche Belastung dar.
Weniger kritisch sei die Situation hingegen im tieferen Bodensee: «Fischarten, die auf kühles und sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind, können in tiefere und kühlere Wasserschichten ausweichen.»
Kann das Feuerverbot aufgehoben werden?
Im Juni haben die Kantone St.Gallen und Thurgau ein Feuerverbot verhängt. Beide haben es trotz des Regens bisher nicht aufgehoben. Sie beobachten die Situation laufend.
Der Kanton Thurgau schreibt, dass eine Aufhebung erst möglich sei, wenn sich die Waldbrandgefahr dauerhaft verringert habe. «Dabei werden unter anderem die Regenmenge, die Feuchtigkeit im Wald sowie die Wetterentwicklung der nächsten Tage berücksichtigt.» Trotz des Regens könnten Waldboden, Holz und brennbares Material nach langer Trockenheit weiterhin trocken sein.
Kommt der Regen für die Ostschweizer Landwirtschaft noch rechtzeitig?
Für die St.Galler Bauern bedeutet der Regen etwas Erleichterung. «Die Naturwiese hat den Regen dankend angenommen», sagt Hansruedi Thoma, Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbands. Die angekündigten Niederschläge dürften die Wiesen wieder ergrünen lassen. Bis das Rindvieh genügend Futter findet, könne es allerdings zwei, drei Wochen dauern.
Für Betriebe, die Silage an ihre Kühe verfüttern, kommt der Regen laut Thoma nicht zu spät. Sie können auch im Herbst nochmals Gras mähen und Silage produzieren. Dazu gehören etwa Betriebe, die Konsummilch oder Fleisch produzieren. Anders sieht es bei Bauern aus, die auf Silage verzichten. Eine Dürrfutterproduktion ab Mitte September sei kaum mehr möglich. Wegen fehlendem Gras greifen die Bauern auf Futtervorräte zurück, welche für den Winter konserviert wurden. Diese müssten durch Zukäufe ersetzt werden.
Wie gross sind die Ernteausfälle nach der Trockenheit?
Diese fallen laut Thoma je nach Region unterschiedlich aus. Bei Bauern aus dem mittleren und oberen Toggenburg und dem St.Galler Rheintal bis Umgebung St.Gallen fällt dieses Jahr ein Fünftel der Jahresproduktion aus. Im unteren Toggenburg und im Fürstenland seien die Ausfälle mit rund einem Drittel noch grösser. Dort gebe es besonders viele silofrei produzierende Betriebe.
Droht bereits die nächste Hitzeperiode?
Meteorologe Marco Stoll rechnet im September nicht mehr mit einer längeren Hitzewelle. Der Grund dafür sei die Jahreszeit. Ob der Sommer 2026 damit als heissester seit Messbeginn in die Schweizer Geschichte eingeht, lässt sich noch nicht sagen. Besonders auf der Alpennordseite sei man auf Rekordkurs, die bisherigen Messwerte lägen über dem Jahrhundertsommer 2003. Der meteorologische Sommer endet jedoch erst Ende August, das heisst: Die kommenden Niederschläge fliessen noch in die Bilanz ein.
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