St.Galler Ombudsstelle Alter und Behinderung: Eine neue Petition fordert barrierefreien Zugang
«Es ist widersprüchlich, wenn eine Stelle die Interessen und Anliegen von Menschen mit Behinderungen vertritt, gleichzeitig aber selbst nicht vollständig barrierefrei zugänglich ist», schreibt Cem Kirmizitoprak, Inklusionsagent der St.Galler Beratungsstelle für Inklusion, in einer Medienmitteilung vom Donnerstagmorgen. In einer neuen Petition fordert er, dass die Ombudsstelle Alter und Behinderung der Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden (OSAB) vollständig barrierefrei zugänglich wird.
Die OSAB erfülle eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, heisst es in der Petition. Die Stelle soll älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen ermöglichen, ihre Anliegen, Beschwerden und Rechte unabhängig und niederschwellig einzubringen. Damit dies gewährleistet werden könne, brauche es jedoch zeitgemässe und verbindliche Rahmenbedingungen, so die Beratungsstelle Inklusion. So zum Beispiel, dass die Barrierefreiheit verbindlich geregelt wird.
Kirmizitoprak fordert deshalb eine Überarbeitung der Leistungsvereinbarung zwischen dem Verein Ombudsstelle Alter und Behinderung und der öffentlichen Hand - konkret: dem Kanton St. Gallen.
Barrierefreiheit müsse eine Voraussetzung sein, keine Zusatzleistung. Denn für Menschen mit Behinderungen bedeute fehlende Zugänglichkeit eine konkrete zusätzliche Hürde. Kirmizitoprak möchte mit der Petition einen öffentlichen Dialog anstossen und die Verantwortlichen dazu bewegen, die bauliche Barrierefreiheit verbindlich sicherzustellen.

Das Anliegen von Kirmizitoprak ist nicht neu: Bereits Ende 2022 lancierte er eine ähnliche Petition. Schon damals forderte er, dass die Infrastruktur der Ombudsstelle Alter und Behinderung angepasst und barrierefrei gestaltet werden müsse. Kirmizitoprak, der seit Geburt auf den Rollstuhl angewiesen ist, führt seit 2018 die Beratungsstelle Inklusion in der Stadt. Er berät Einzelpersonen, Ämter und Schulen rund um das Thema Inklusion, hält Referate und organisiert Workshops.
Auf die Forderungen in den Jahren 2022 und 2023 reagierten sowohl die Ombudsfrau der OSAB, die St.Galler Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher, als auch deren Präsident, Urs Widmer. Er bezeichnete die Kritik damals als nicht gerechtfertigt: «Für die Besprechungen können die Ratssuchenden unter verschiedenen Optionen wählen: In der Geschäftsstelle, in einem barrierefreien Sitzungszimmer der Stadt St.Gallen oder auch ausserhalb im ganzen Einzugsgebiet oder in der Institution, wo die ratsuchende Person lebt», sagte Widmer dieser Zeitung. Barrierefreiheit sei mit diesem bewährten Vorgehen immer gewährt.
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