Paul Rechsteiner: Die AHV lohnt sich auch für die Jungen
Eine kleine Szene kürzlich im Zug zwischen St.Gallen und Winterthur. Im Abteil gegenüber eine vitale, lebensfrohe Grossmutter in angeregter Unterhaltung mit ihrer quirligen Enkelin. Plötzlich sagt die Grossmutter, dass sie sich auf die 13. AHV-Rente im Dezember freut.
Wie ihr geht es gerade vielen der gut zweieinhalb Millionen Altersrentnerinnen und -rentner. Die 13. AHV-Rente ist die erste reale Rentenverbesserung der AHV seit 50 Jahren. Einer Zeit, in der die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und der Wohlstand in der Schweiz enorm zugenommen haben. Die 13. AHV-Rente sorgt dafür, dass alle etwas davon haben. Vielen wird das Erleichterung verschaffen, auch angesichts steigender Mieten und Gesundheitskosten.
Aber nicht nur für die Grossmutter, auch für die Enkelin ist die 13. AHV-Rente eine gute Nachricht. Ihr und ihren Eltern kommt zugute, dass die Grossmutter finanziell gesichert ist und auf eigenen Beinen steht. Die 13. AHV-Rente stärkt die Altersvorsorge. Das ist auch deshalb dringend nötig, weil die Renten der Pensionskassen schlechter geworden sind.
Und gäbe es die AHV als Basis der Altersvorsorge nicht, müsste die Enkelin dereinst gewaltige Beträge für ihr Alter auf die Seite legen. Summen, die für die meisten ausserhalb der Reichweite liegen.
Das Parlament hat entschieden, die Mehrwertsteuer für die 13. AHV-Rente um 0.4 Prozent zu erhöhen, von 8.1 auf 8.5 Prozente. Im Gegenzug zu einer substanziellen Verbesserung ist das eine sehr kostengünstige Lösung. Zumal Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Medikamente, Mieten und Prämien von jeder Erhöhung ausgenommen sind.
Leute mit tieferen Einkommen, die ihr Geld vor allem für den täglichen Bedarf ausgeben, werden deshalb auch wenig bezahlen. Bei Einkommen bis zu 4600 Franken machen die 0.4 Prozentpunkte gerade einmal 7 Franken pro Monat aus. Bei Einkommen bis 9400 Franken sind es 13 Franken. Die meisten Jungen gehören zu diesen Einkommensgruppen.
Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt der Volksmund. Das stimmt auch für die AHV, die Grundlage der Altersvorsorge der breiten Bevölkerung. Gratis ist sie nicht, aber finanziell so günstig wie keine andere Form der Altersvorsorge.
Älteren muss man nicht lange erklären, weshalb sich die 0.4 Prozent mehr schwer rechnen. Was sie ab Dezember bekommen oder nach der Pensionierung bekommen werden, übersteigt das, was es sie kostet, um ein Vielfaches. Es ist nicht mehr als gerecht, dass auch die Rentnerinnen und Rentner via Mehrwertsteuer etwas zur AHV-Finanzierung beitragen. Und nicht nur die Erwerbstätigen, die mit ihren Lohnbeiträgen schon den allergrössten Teil davon tragen.
Bekämpft wird die Zusatzfinanzierung der AHV von exakt den Parteien, die schon die 13. AHV-Rente abgelehnt hatten. Ihre Sorge gilt nicht den wenig Begüterten. Ihre Agenda ist die Heraufsetzung des Rentenalters, womit sie bisher gescheitert sind. Eine solche aber würde in erster Linie die Jüngeren strafen.
Und was die Höhe der Mehrwertsteuersätze betrifft: In der EU liegen sie zwischen 17 und 27 Prozent, in unseren Nachbarländern bei rund 20 Prozent. Auch nach der Annahme der Zusatzfinanzierung wird unsere Mehrwertsteuer im europäischen Vergleich rekordtief bleiben.
Paul Rechsteiner stammt aus St.Gallen und ist ehemaliger SP-Ständerat. Er schreibt diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Toni Brunner, Carla Maurer und Jérôme Müggler, sowie Reena Krishnaraja und Marta Ulreich, die ihre Kolumnen gemeinsam verfassen.
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