Zehntausende Papageien bevölkern deutsche Städte – wann brüten die ersten in der Ostschweiz?
«Wer kennt oder vermisst seinen gefiederten Freund?» Auf Instagram und Facebook wurde in diesem Frühling eine Vermisstmeldung für Konstanz gepostet. Auf dem Bild: ein grüner Halsbandsittich. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass dieser Papagei niemandem gehört und er den Weg ganz alleine an den Bodensee gefunden hat. Er könnte ein Vorbote sein von vielen Artgenossen, die noch folgen werden – Papageien sind nicht gerne alleine.
Die Chance für eine Zuwanderung ist so gross, weil in über 20 deutschen Städten grosse Kolonien der exotischen Vögel leben. Auch in England, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Spanien oder Italien haben sie es sich gemütlich gemacht. Sie bevölkern grosse Stadtbäume wie etwa die Platanen in der noblen Düsseldorfer Königsallee. Wer dort flaniert, muss damit rechnen, dass ein «Kackadei», wie die etwa 40 Zentimeter grossen Vögel liebevoll genannt werden, im falschen Moment seine Hinterlassenschaft fallen lässt. Die Geräuschkulisse auf der «Kö» vor allem am Morgen und am Abend lässt Dschungelfeeling aufkommen.
Aus Kölner Zoo entwischt
Seit den 1960er-Jahren ist der Halsbandsittich in Deutschland heimisch. Und er vermehrt sich fleissig. Auf bis zu 7500 Brutpaare und bis zu 20'000 bis 30’000 Vögel wird die Population der grünen Exoten geschätzt. Vermutet wird, dass das erste Paar aus einem Kölner Zoo entwischt ist. In Bonn, Düsseldorf, Köln, über Heidelberg bis Stuttgart wird man dort, wo grosse Bäume stehen, vom Gekreische der Papageien begrüsst.

Der Halsbandsittich habe sich von seinem Ursprungsland Indien nach Südostasien und Südamerika ausgebreitet und sei nun weltweit die häufigste Papageien-Art, heisst es in einem Artikel des Magazins Geo. Halsbandsittiche ernähren sich von verschiedenen Pflanzenteilen wie Knospen, Blüten, Früchten, aber auch Blättern. Sie brüten in Baumhöhlen in Parks, Friedhöfen und grossen Gärten mit altem Baumbestand.
Aus Haustierhaltung entkommen
In der Vogelwarte Sempach kennt man die Thematik der Papageien, die in europäischen Ländern ein neues Habitat gefunden haben. Auch in der Schweiz gebe es freilebende Halsbandsittiche und andere Papageien-Arten. Papageien seien beliebte Haustiervögel, die gelegentlich aus der Haltung entkommen würden. Entsprechend seien die Meldungen über die Schweiz verteilt, sagt Carine Hürbin, Mediensprecherin bei der Vogelwarte Sempach.

Wie wahrscheinlich es ist, dass sich die Papageien von Deutschland herkommend auch in der Ostschweiz niederlassen werden, könne man nicht sagen. «Diese Arten ziehen nicht zielgerichtet weiter. Wenn sie aus der Haltung entkommen, verteilen sie sich höchstens in der Umgebung.»
Aktuell kein Einfluss auf die einheimischen Arten
Artfremde Tiere sind für hiesige Populationen oft ein Problem, da sie Futter und Nistplätze wegnehmen. Ist das auch bei den Halsbandsittichen der Fall? Hürbin beschwichtigt: «Es ist zu unterscheiden, ob sich eine gebietsfremde Art invasiv verhält.»

Aktuell sei nicht viel über den Einfluss der Klimaerwärmung auf diese gebietsfremde Art bekannt. «Bei gewissen Arten wie etwa dem Bienenfresser ist ein Einfluss des Klimas bekannt oder er wird vermutet», so Hürbin. Der Bienenfresser wird oft mit dem Eisvogel verwechselt, weil er ähnlich farbenprächtig ist. Auch diesem Tropenvogel ist es gelungen, sich in Europa niederzulassen. Wenn Arten aus dem europäischen Kontext durch natürliche Prozesse immigrieren, müsse das nicht zwingend nur Nachteile haben. Es ist also gut möglich, dass die fröhlichen «Kackadeien» bald einmal auch im Kreuzlinger oder Rorschacher Seepark für Dschungelfeeling sorgen.
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