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«Ich will arbeiten»: Ostschweizerin überlebt eine Hirnblutung – jetzt findet sie keinen Job

Vor über zwei Jahren wäre Daniela Sutter-Posthumus aus Steinach fast an einer Hirnblutung gestorben. Die Musiklehrerin kämpft sich zurück und ist dankbar, dass sie überlebt hat. Aber jetzt sind ihre Ersparnisse aufgebraucht und sie hat kein Einkommen mehr.
von Christa Kamm-Sager
Die Musiklehrerin Daniela Sutter-Posthumus aus Steinach hat eine Hirnblutung überlebt und möchte wieder arbeiten. (Bild: Christa Kamm-Sager)
Die Musik und der Glaube geben ihr Halt in schwierigen Zeiten. (Bild: Christa Kamm-Sager)

«In diesem Monat habe ich meine letzten Ersparnisse aufgebraucht. Ich bin jetzt auf null Franken und habe kein Einkommen», das sagt die 55-jährige Daniela Sutter-Posthumus ganz ohne Bitterkeit. Denn hauptsächlich empfindet sie Dankbarkeit. Dankbarkeit, ihre Hirnblutung überlebt zu haben.

Am 23. Mai 2024 wird sie mitten in der Nacht bewusstlos ins Spital eingeliefert. Ihr Partner erwacht, weil er einen Schrei hört, sie am ganzen Körper zittert, schwer atmet und ihre Augen weit offenstehen. Auf der Intensivstation wird klar, dass sie eine Hirnblutung erlitten hat. Es ist ein Ereignis mit gravierenden Folgen: Viele überleben eine Hirnblutung nicht, bei einigen bleiben schwerwiegende Behinderungen zurück. Über diese traumatische Erfahrung, ihr Nahtoderlebnis und wie sie wieder ins Leben gefunden hat, hat sie in 20-Minuten-Intervallen ein Buch geschrieben. Es soll Menschen helfen, die das Gleiche erleben.

Rückzug in den Arbeitspausen

Die Musikpädagogin, die einen ausgefüllten Alltag mit zwei Anstellungen an zwei Schulen hatte, lernt wieder sprechen und gehen, kämpft sich Schritt für Schritt zurück. Ihr tiefer Glaube, ihre Familie und ihre Dankbarkeit helfen dabei. Die ehemals energiegeladene, aktive und lebensfrohe Frau muss nun haushälterisch mit ihren Kräften umgehen. «In meinem Befinden hat sich vieles verändert, ich ertrage etwa Stress und zu viele Reize nicht mehr gut.»

Mit Unterstützung eines Jobcoaches der Organisation Viv., die sich für Menschen mit Hirnverletzungen und Körperbehinderungen einsetzt, ergibt sich für Daniela Sutter ein idealer Wiedereinstieg ins Berufsleben: Im Sommer 2025 startet sie an einer Musikschule und unterrichtet an zwei Vormittagen jüngere Kinder. Die Schulleiterin und sie kennen sich von einer früheren Stelle. Der Vertrag ist auf ein halbes Jahr befristet. Das kleine Einkommen hilft, das Haushaltsbudget zu entlasten. Ihr Partner und sie ziehen vom Haus mit den vielen Treppen in Rorschacherberg in eine Wohnung mit Lift in Steinach.

Die 55-Jährige setzt sich voll ein an ihrer neuen Stelle, erklärt dem Team, dass sie die Pausen in der ruhigen Aula verbringen werde, da sie zwischen den Lektionen Entspannung benötige. «Ich kann nicht mehr vier Stunden am Stück arbeiten.» Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit und immer wieder auch Ängste plagen sie bis heute.

Die Musik und der Glaube geben ihr Halt in schwierigen Zeiten. (Bild: Christa Kamm-Sager)

IV-Abklärungen ziehen sich in die Länge

Dann kommt es zu einem Wechsel in der Schulleitung und nach Beendigung ihrer befristeten Anstellung wird ihr erneut ein befristeter Vertrag vorgelegt. Zur Wahl steht auch, sich auf ihre bereits ausgeschriebene Stelle neu zu bewerben, was sie stutzig macht. Sutter fühlt sich unter Druck gesetzt, möchte in Ruhe entscheiden und eine Nacht darüber schlafen. Noch bevor sie den neuen befristeten Vertrag unterzeichnet hat, wird ihr gekündigt. «Für mich entstand der Eindruck, dass der Schulleiter mich wegen meiner Einschränkungen loshaben wollte», sagt sie.

Daniela Sutter wird der Boden unter den Füssen weggezogen und sie erleidet einen Schwindel-Zusammenbruch während einer Lektion. Ihre Neurologin schreibt sie zu 100 Prozent krank.

«Ich will arbeiten und möchte so gerne ein normales Leben.» Eine Stelle zu finden in ihrer Situation sei schwierig, obwohl sie diverse Aus- und Weiterbildungen absolviert habe.

Gang zum Sozialamt als letzter Ausweg

Da ihr Lohn wegfällt, suchen ihr Partner und sie eine günstigere Wohnung in Steinach und ziehen nochmals um. Die Taggeldversicherung sei aufgebraucht, ihre Ersparnisse ebenfalls und die IV-Abklärungen noch nicht abgeschlossen. Während der IV-Abklärungen dürfe man nicht arbeiten und nicht in die Ferien, sagt sie. Viel lieber als eine IV-Rente hätte sie eine Arbeitsstelle, die zu ihren Fähigkeiten passe. Seit dem 1. August sollte sie Arbeitslosengeld erhalten, doch ihr Fall sei beim RAV immer noch in Bearbeitung. Was ihr jetzt noch bleibe, sei der Gang zum Sozialamt: «Doch das will ich nicht.»

Sie fühle sich vom System im Stich gelassen, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet und vier Kinder grossgezogen habe. Im Frühling haben Daniela Sutter und ihr langjähriger Partner geheiratet. Sein Einkommen muss jetzt für beide reichen.

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/ostschweizerin-kaempft-sich-nach-hirnblutung-zurueck-und-ist-nun-mittellos-art-763575

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