Der Vorverkauf fürs Open Air St.Gallen läuft deutlich besser als erwartet
Schwächelnde Billettverkäufe, steigende Gagen, dürftige Line-Ups: Seit Corona bricht die Diskussion über eine Krise der Festivalbranche nicht ab. Doch diese Diskussion wollen Reto Caviezel und Christof Huber nicht mehr führen. Im TVO-Talk «Zur Sache» haben sich die beiden Festivalorganisatoren den Fragen von Moderator und «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid gestellt und ein klares Entspannungssignal ausgesandt.
Caviezel präsentierte mit dem «Lake and Sound» ein brandneues Festival in Rapperswil. Und Huber kündigte an, dass das Open Air St.Gallen möglicherweise erstmals seit der Pandemie ausverkauft werden könnte.
Mehr als eine halbe Million Gage
Natürlich sind die Diskussionen über steigende Kosten für Festivals nicht aus der Luft gegriffen. Das bestätigt Christof Huber mit Blick auf seinen US-Headliner «Twenty One Pilots». Eine halbe Million Franken genüge nicht ganz, um die Chartstürmer ins Sittertobel zu holen. «Wir dürfen uns nichts vormachen, es wird teurer.»
Der Trend zu weniger Gästen setzt sich in St.Gallen hingegen nicht fort: Huber sagt, der Vorverkauf laufe deutlich besser als im Vorjahr. «Wir sind zuversichtlich – ob es ganz für ein ausverkauftes Festival genügt, kann ich noch nicht sagen.» Letztes Jahr war das Wetter gut und der Auftritt von Lewis Capaldi bescherte dem Festival einen magischen Moment. «Es war ein gutes Festival – das hilft im Folgejahr.»
Andere Dimensionen, anderes Publikum
Die Gäste- und Gagenzahlen im Sittertobel spielen in einer anderen Liga als in Rapperswil. Dort findet am kommenden Wochenende erstmals das «Lake and Sound»-Festival statt. Es läuft unter dem Begriff «Boutiquefestival» und richtet sich ganz anders aus. Organisator Reto Caviezel sagt: «Wir haben uns sogar überlegt, das Festival am gleichen Wochenende wie St.Gallen zu machen.» Das Festival setze auf ein erwachseneres Publikum, das den Besuch eher mit einem feinen Abendessen kombiniere, während am Open Air St.Gallen die Jungen vier Tage Freiheit geniessen.
Während im ausverkauften Sittertobel 30'000 Gäste Platz finden, hat Caviezel bislang rund 4000 Tickets pro Abend verkauft. Das genüge nicht für ein ausgeglichenes Budget – was bei einem neuen Festival aber auch nicht die Erwartung sei. Doch der Eventorganisator sieht die ganze Branche im Aufwind. Sein wichtigster Anlass «Art on Ice» habe die beste Saison seit 2018 hinter sich. «Natürlich sind die Kosten gestiegen, aber Live ist noch viel wichtiger geworden.»
Auch Huber sieht in Live-Events einen Wachstumsmarkt, wenn auch einen schwierigen: «Die Marge ist immer knapp.» Anders als in anderen Ländern würden die Schweizer Festivals grösstenteils nicht subventioniert. Sollten etwa im Sponsoring neue Restriktionen beschlossen werden, könnte der Billettpreis weiter steigen. Caviezel schliesst an: «Wir können stolz sein, dass wir kein öffentliches Geld brauchen, und dafür den Kommerz akzeptieren.»
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