Obertoggenburger Banken warnen vor raffinierten Internetbetrügern
Die drei Obertoggenburger Banken – Clientis Bank Thur, St. Galler Kantonalbank und die Raiffeisenbank – luden am Donnerstagabend zu einer Informationsveranstaltung zum Thema «Wie schütze ich mich vor Online-Betrug» in den Büelensaal Nesslau ein. Gekommen sind über 100 Personen aus dem Obertoggenburg. Urs Bücheler, Leiter Sicherheitsberatung der Kantonspolizei St.Gallen informierte anschaulich über mehrere Themen der Cyber- und Internetkriminalität.
Zu Beginn der Veranstaltung erschien auf der Leinwand ein QR-Code samt Passwort. «Mein Name ist David Kaiser, ich bin Leiter E-Banking bei der St.Galler Kantonalbank», stellte er sich vor. Er informierte das Publikum, dass letzthin mehrere Kundenkonten bei den drei Banken gehackt worden seien – allerdings nur mit kleinen Beträgen. Anschliessend forderte er die Anwesenden auf, den QR-Code mit dem Handy zu scannen und das angezeigte Passwort einzugeben. Auf ihren Bildschirmen öffnete sich eine englischsprachige Seite. Etwa die Hälfte der Personen im Saal staunte nicht schlecht.
Der vermeintliche E-Banking-Leiter, der sich als David Kaiser ausgegeben hatte heisst in Wirklichkeit Christian Schmid und ist Niederlassungsleiter der St. Galler Kantonalbank in Nesslau. Mit seinem Versuch hatte er rund die Hälfte des Publikums auf eine gefälschte Internetseite gelockt. «Sie haben mir vertraut», stellte Schmid fest – obwohl er nicht einmal seinen richtigen Namen genannt hatte. Urs Bücheler mahnte deshalb zur Vorsicht: «Überall, wo man Zugang ins Internet hat, kann man betrügen.» Bücheler informierte anschliessend mit eindrücklichen Beispielen über Kriminalität im Internet.
Soziale Manipulation mit Werbung
Täter wissen um die Bedürfnisse von Menschen und sprechen diese gezielt an um deren Handlungsweisen zu beeinflussen. Sie nutzen Ängste, Gutgläubigkeit und Geldgier aus. Die Täter holen so Informationen ab und nutzen diese für kriminelle Handlungen. Als Beispiel nannte Urs Bücheler eine Person, die eine Mitteilung erhalten hat, dass sie im Lotto gewonnen hat. Hier muss man sich zuerst die Frage stellen - habe ich überhaupt Lotto gespielt?

Weiter informiert Bücheler, dass gegenüber fremden Personen am Telefon ein gesundes Misstrauen sein soll, auch wenn der Anrufer oder die Anruferin vertrauenswürdig erscheinen. Oft sprechen die Personen Englisch mit einem Akzent, «die sitzen überall auf der Welt, wo wir sie nicht fassen können.» Auch darf fremden Personen kein Zugriff auf den eigenen Computer gewährt werden und man soll nie persönliche Daten bekannt geben.
Love Scam und Sextortion
Ein weiteres, häufiges Delikt ist der Love Scam - der digitale Heiratsschwindler. Die Betrüger suchen in Partnerbörsen nach geeigneten Opfer. Diese Männer verwenden falsche Namen, Fotos und Berufsbezeichnungen. Sie erzählen Geschichten, die erfunden sind und umgarnen so die Opfer.
Auch Männer werden bei Sextortion zu Opfern. Denn Frauen erreichen via Videochat Männer und machen diese an. Die Männer befriedigen sich vor laufender Kamera und werden anschliessend von den Frauen erpresst.
Weitere Cyberdelikte sind Vorschuss-Betrugsarten. Hier sagt Bücheler, dass keine Vorschusszahlungen für Waren oder Dienstleistungen gezahlt werden sollen. Der Grundsatz lautet: Ware gegen Geld. Man soll sich auch nicht zu einem Kauf drängen lassen. Ein grosses Thema sind Phishing Mails. Dabei geht es darum, dass man Daten preisgibt. Die Aufforderung kommt per E-Mail oder einem Link. Diese Seiten sehen echten Webseiten sehr ähnlich. Dann sind da noch die Anlagebetrüger. Diese gaukeln grosse Renditen und hohe Zinsen vor und suchen eine schnellen Abschluss. Bei Rückfragen sind sie oft nicht mehr erreichbar.
Zum Schluss der Veranstaltung wies Urs Bücheler darauf hin, dass man sich selbst informieren soll, «eine gute Grundbildung in Medienkompetenz ist wichtig.» Denn wenn die Bevölkerung versteht, wie das Internet funktioniert, wie «getrickst und gefakt» wird, können kriminelle Machenschaften besser durchschaut werden.
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