«Dankbarkeit» und «Solidarität» – darum engagieren sich diese beiden Beirätinnen
Jedes Jahr erreicht die Spendenaktion Ostschweiz hilft Ostschweiz (OhO) mehr Gesuche. Im vergangenen Jahr waren es mit 3393 so viele wie noch nie in der 20‑jährigen OhO‑Geschichte. Auch in diesem Jahr erwartet Geschäftsführerin Astrid Bill eine ähnliche Zahl: «Vermutlich werden es aber noch mehr Gesuche.»
Jedes Gesuch prüft der ehrenamtliche Beirat gründlich. Über Gesuche mit höheren Beiträgen oder über komplexere Fälle beraten die 15 Beiratsmitglieder nur im Plenum. Der Beirat stellt sicher, dass bei den Vergaben eine einheitliche Linie verfolgt wird.
Seine Präsidentin Marianne Koller-Bohl ist ehemalige Ausserrhoder Regierungsrätin und ehemalige Frau Landammann. Dem neutralen Gremium gehören Persönlichkeiten aus allen vier Ostschweizer Kantonen an: aus St.Gallen, dem Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden.
Ehrenamtliche Beirätinnen und Beiräte
OhO-Beirätinnen und -Beiräte engagieren sich stark im sozialen Bereich. «Sie bringen viel Erfahrung mit», sagt Geschäftsführerin Astrid Bill. Zum Beispiel als Stellenleiter von Sozialämtern, Stiftungen und Institutionen, Anwälte, Politikerinnen, Gemeindepräsidenten und Fachleute aus dem Gesundheitsbereich. «Durch ihr ehrenamtliches Engagement können wir die Verwaltungskosten sehr tief halten.»
Die erste Sitzung hat bereits Ende Oktober stattgefunden. Für Franziska Mattes und Brigitte Lüchinger war es die erste Beiratssitzung überhaupt. Seit diesem Jahr ergänzen sie den Beirat und ersetzen Angelo Bont und Edith Wohlfender, die im vergangenen Jahr aus dem Beirat zurückgetreten sind.
«Unbürokratisch unterstützen»
«Ich bin beeindruckt vom Gremium», sagt Franziska Mattes. Im Beirat spüre sie die Verpflichtung, gemeinsam den bestmöglichen Entscheid zu fällen, auch bei schwierigen Themen. «Immer im Sinne der Begünstigten und unter Abwägen mehrerer Faktoren», sagt Mattes. Nach der ersten Sitzung sei sie erfüllt heimgegangen.
Gleichzeitig sei sie berührt von der grossen Not, die in der Ostschweiz vorhanden sei. «Es gibt viele Leute, denen geht es wirklich schlecht. Sie müssen sich mit Begebenheiten zurechtfinden, die man sich fast nicht vorstellen kann», sagt Mattes. Das sei ihr zwar nicht neu, führe ihr die Bedeutung des Themas aber immer wieder erneut vor Augen.
Dass sie als Beirätin einen Beitrag leisten dürfe, mache sie stolz. «Ich bin überzeugt von unserer Arbeit, unseren klaren Richtlinien und sauberen Prozessen und bin in der Verantwortung gegenüber allen, die Geld spenden»
Warum hat sie sich für dieses Ehrenamt entschieden? «Ich bin dankbar für mein gutes Leben. Im Bewusstsein, dass es nicht selbstverständlich ist. Ich möchte etwas beitragen für Menschen, die es nicht gut haben.»
Franziska Mattes wohnt in Altnau und Bergün. Sie ist selbstständig in Gremien und Projekten tätig, mehrheitlich im Gesundheitswesen. In ihren bisherigen Tätigkeiten sammelte sie vielfältige Erfahrungen in der Pflege, in der Betriebswirtschaft und im Finanzbereich.
«Menschen und Familien in schwierigen Lebenssituationen unkompliziert und unbürokratisch zu unterstützen, finde ich wertvoll und wichtig», sagt Mattes.
«Solidarität leben, nicht nur davon reden»
Brigitte Lüchinger betont den offenen und direkten Austausch im OhO-Beirat. Sie lebt in Kriessern und engagiert sich wie Franziska Mattes seit diesem Jahr für «Ostschweiz hilft Ostschweiz». «In der ersten Sitzung ist mir die engagierte, kompetente und professionelle Arbeit des Beirats positiv aufgefallen», sagt sie.
«Ich empfinde es als wichtig, dass wir Solidarität leben und nicht nur davon reden, ‹ma sött›», sagt Lüchinger. Deshalb habe sie sich fürs Engagement bei OhO entschieden. «Engagiert sein und zu helfen, das gehört einfach zu mir», sagt sie.
Die ersten Gesuche hat sie bereits bearbeitet. Die Arbeit sei spannend. «Der Mensch dahinter – oder ein Teil des Menschen – wird sichtbar», sagt Lüchinger. Oft seien es mehrere Themen, die ineinandergreifen: «Das Leben ist generell teurer geworden.» Wenn ein Schicksalsschlag jemanden aus der Bahn wirft und noch ein Umzug ansteht oder Winterschuhe fehlen, sei die Not gross.
Die Themen Armut oder Existenzängste in der Ostschweiz seien ihr aber bereits aus anderen Tätigkeiten präsent. Zum Beispiel im Programm Tandem, bei dem sie Stellensuchenden behilflich ist. Oder als Präsidentin des Vereins Swiss Cross, der sich zum Ziel setzt, Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung zu unterstützen.
«Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen in schwierigen Situationen sich schämen und es oftmals eine grosse Hürde ist, sich Hilfe zu holen», sagt Lüchinger. Sie ermutige diese Personen, sich jemandem anzuvertrauen: «Es gibt viele, die bereit sind, zu helfen.»
So kommt Ihre Spende bei Bedürftigen an
Das St.Galler Tagblatt hat die Weihnachtsspendenaktion «Ostschweiz hilft Ostschweiz» (OhO) im Jahr 2005 ins Leben gerufen: Heute sind die Regionalzeitungen, FM1 und TVO, deren Träger. OhO richtet sich unbürokratisch und gezielt an Menschen in der Region, die finanzielle Unterstützung benötigen. Die Aktion unterstützt sowohl Einzelpersonen als auch Familien aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell. Jedes Gesuch muss begründet sein und die Notsituation genau darlegen. Der ehrenamtliche Beirat mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik entscheidet über die Spendenvergabe. Spenden können alle; auch kleine Beträge helfen.
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