Tiefer Wasserstand in Flüssen: Die Überlebenschancen für Bachforellen sinken
Anfang Juli hat der Kanton ein Betretungsverbot für Fliessgewässer verhängt. Das Ziel lautet, die Wasserlebewesen zu schützen. Die Situation für die Fische habe sich deutlich verschärft. «Bereits im Mai und Juni wurden in vielen Flüssen und Bächen im Kanton St.Gallen aussergewöhnlich hohe Wassertemperaturen gemessen», sagt David Frei vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei.
Im anhaltend heissen Sommer sind immer mehr Bäche trocken gefallen. Bei der Situation handelt es sich um einen Teufelskreis: Durch die Trockenheit gehen Abflüsse zurück, wodurch sich die Gewässer schneller erwärmen.
Um die Fische zu schützen, können Notabfischungen vorgenommen werden. «Eine Abfischung erfolgt nur, wenn sie die Überlebenschancen der Fische tatsächlich verbessert und geeignete Gewässer vorhanden sind, in die Fische fachgerecht umgesiedelt werden können», sagt Frei.
Abfischen im Obertoggenburg
In Thurabschnitten im Obertoggenburg sind Abfischungen notwendig. Da die Anforderungen, die der Kanton stellt, gegeben sind, sind sie auch zielführend. «Ab Alt St.Johann bis zu den Thurfällen müssen wir massiv abfischen», sagt Patrik Rutz, Präsident des Fischereivereins Obertoggenburg. Mit elektronischen Hilfsmitteln werden die Fische betäubt und so sichtbar. Die Fische würden beispielsweise im Bereich von Starkenbach wieder ausgesetzt, wo die Umstände für sie besser sind.
«Die Situation wurde je länger, desto schlimmer», sagt Rutz. Abfischen müsse man im Obertoggenburg fast jeden Sommer. Verhältnisse wie dieses Jahr herrschten jedoch noch nie. Auch die Situation in Seitenbächen, die davor noch nie zum Problem geworden seien, werde akut. Deshalb prüfe der Fischerverein fast täglich den Wasserstand und die Wassertemperatur. Am stärksten betroffen, seien Bachforellen. «Wenn ich den Wetterbericht anschaue, denke ich, dass uns noch spannende Wochen bevor liegen», sagt Rutz.
Wasserqualität wird zum Problem
Die Forellen leiden auch in der Glatt, wie Raphael Dudli, der Präsident vom Fischereiverein Glatt/Uzwil, verrät. Neben der hohen Wassertemperatur senken vor allem die Wassermenge und die Wasserqualität die Überlebenschancen der Wasserlebewesen. Dudli spricht auch die Veralgung an – ein weiterer Teufelskreis. Warme Gewässer veralgen schneller. Die Algen benötigen Sauerstoff und das Gewässer verliert so zusätzlich an Sauerstoff.
In der Glatt musste bisher nicht abgefischt werden, da der Wasserstand noch ausreichend hoch sei. Fische aus den Aufzuchtbächen mussten jedoch schon in die Glatt umgesiedelt werden. Grund dafür ist, dass Bäche wie beispielsweise der Hummelbach in Oberuzwil, auszutrocknen drohen.
Das Klima besorge Dudli generell: Bäche trocknen aus, Zuflussquellen versiegen, Wiesen werden braun. «Die Fischbestände im Kanton werden nach diesem Sommer noch weiter zurückgehen», sagt Dudli.
Die Situation wird vom Kanton und den Fischereivereinen aufmerksam beobachtet und wenn nötig ergreift er Massnahmen. «Gleichzeitig müssen wir akzeptieren, dass unsere Möglichkeiten bei einer derart extremen und grossräumigen Trockenheit begrenzt sind», sagt Frei.
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