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Lernen vom Bösesten: Jungschwinger trainieren mit den Schwingerkönigen Nöldi Forrer und Matthias Sempach

Schwingen boomt. Das sieht man auch daran, dass das traditionelle «Königscamp» für Nachwuchsschwinger, dieses Jahr erstmals zwei-, statt nur einmal geführt wird. Beim Auftakt am Montag warteten wahre Legenden auf die Jungen.
von Christof Lampart
Die Schwingerkönige Arnold Forrer, links, und Matthias Sempach trainieren mit Kindern im Königscamp in Wildhaus. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)
Schwingerkönig Nöldi Forrer leitet den jungen Toggenburger Gian-Andri Huser (Mitte) an. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)
Die Kinder sind mit vollem Einsatz mit dabei. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Es ist 12.33 Uhr. Es geht eine Bise im Wildhauser Oberdorf. Das Sägemehl, das für einmal nicht als Kreis angeordnet ist, sondern eine geometrisch kaum zu beschreibende Form aufweist, liegt ruhig und verlassen da. Es herrscht die grosse Ruhe vor dem Sturm.

Zeitgleich werden im Berggasthaus Oberdorf 80 Kinder und Jugendliche instruiert, wie in der nächsten Woche das Leben im und ausserhalb des Sägemehls ablaufen wird. «Wer in Adiletten erscheint, muss erst die normalen Turnschuhe holen, bevor er mit dem Training anfangen kann», lauten die Vorgaben. Und eine Ansage fürs Sozialverhalten gibt’s auch, bevor die Tische abgeräumt werden: «Die Gläser gehören nicht gestapelt, weil sie brechen können, die Teller hingegen schon». Ordnung muss sein.

Einmal so wie die Legenden werden

Für die Jung-Schwinger ist das Befolgen von diesen und anderen Instruktionen kein Problem. Denn sie alle eint ein Traum. Einmal so zu werden, wie die Legenden ihres Sports. So einer wie der Forrer Nöldi oder der Sempach Matthias halt. Ersterer bodigte nicht nur am Eidgenössischen 2001 in Nyon die ganze Konkurrenz, sondern ist mit 151 Kränzen der erfolgreichste Schwinger der Geschichte. Und der Sempach Matthias, der sich 2013 in Burgdorf zum Schwingerkönig emporschwang, sagte einmal, dass er immer so trainiert habe, dass er sich, auch im Falle einer Niederlage, nichts vorzuwerfen habe.

Und dieser Mix aus Siegeswillen und Trainingseifer, den bekommen die rund 40 zehn- bis 15-Jährigen von den ehemaligen Spitzencracks eingeimpft, derweil eine nochmals so grosse Gruppe an älteren Nachwuchsschwingern gleichzeitig einen Fitnessparcours in der Turnhalle absolviert.

Die Jungen merken schnell: Lob gibt es hier nicht, weil man lustig ist, sondern erst, wenn man eine saubere Leistung bringt. Liefere statt lafere. Und das heisst: nochmals eine «Brücke» durchhalten, einen Schwung zum x-ten Mal ansetzen oder einfach eine andere Trainingsform sauber durchzuführen. «Nöldi» ist geduldig, zeigt, wenn es nötig ist, jeden Griff drei, vier, fünf Mal. Sie sollen zuschauen und dann nachmachen, dann komme es schon gut, lässt er den Nachwuchs wissen.

Fans ist man nicht unbedingt von Legenden

Und dieser ist Feuer und Flamme. Wie beispielsweise der elfjährige Gian-Andri Huser, der gleich um die Ecke, nämlich in Alt St. Johann, wohnt und für den Schwingklub Wattwil in die Schwingerhosen steigt. Wie einst der Forrer Nöldi. Doch wer denkt, dass die beiden prominenten Trainer auch die Vorbilder der womöglichen Cracks von morgen seien, irrt. Ja, ja, man kennt sie, wie man halt Legenden kennt, die als TV-Experten einem ein Begriff sind. Aber Fans sind sie von den heutigen Aktiven.

Schwingerkönig Nöldi Forrer leitet den jungen Toggenburger Gian-Andri Huser (Mitte) an. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

«Ich finde es toll, wie Martin Roth schwingt», erklärt der elfjährige Gian-Andri Huser. Selbst einer der Schmächtigsten im «Königscamp», hat es ihm der wendige-vielseitig Schwingstil des Herisauers angetan, der auch für echte «Brocken» eine Herausforderung darstellt. Eher von kräftiger Statur ist Loan Schweizer. Für den Athleten aus Basel gibt es nichts Schöneres als im Sägemehl um den Sieg zu kämpfen. «Ich schwinge seit sieben Jahren, denn Schwingen ist einfach cool», erklärt der 13-Jährige vom Schwingklub Liestal. Und er tut dies nicht nur gerne, sondern auch erfolgreich – gewann er doch in diesem Jahr den kantonalen Jungschwingertag in Solothurn.

Forrer: «Etwas dem Schwingsport zurückgeben»

Die Kinder sind mit vollem Einsatz mit dabei. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Mit der Auswahl der Campteilnehmer war es sowieso so eine Sache. «Wir hatten mehr Anmeldungen als Plätze, selbst dann, als wir zum ersten Mal beschlossen, das Camp an zwei statt nur an einer Woche durchzuführen», erklärt Organisator Roger M. Fuchs. Auch habe man darauf achten müssen, dass bei der Platzverteilung alle interessierten Regionen zum Zug kamen. «Wir hätten viele Plätze an einige wenige Schwingklubs vergeben können, aber wir wollten, dass möglichst viele Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Landesteilen mitmachen können und nicht einfach jene, die sich am schnellsten angemeldet hatten», so Roger M. Fuchs.

Umso froher ist Noel Gräni aus Kölliken. Der Jungschwinger des Schwingklub Aarau erfüllt sich mit der Teilnahme am Königscamp einen Traum. «Ich wollte schon vor zwei Jahren mitmachen, wurde dann aber krank. Umso schöner ist es, dass es jetzt funktioniert hat». Es sind denn auch diese Aussagen, welche dem Forrer Nöldi ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Denn wenn man ihn fragt, warum er jetzt schon zum x-ten Mal am «Königscamp» als Trainer teilnimmt, dann sagt er einfach: «Der Schwingsport hat mir viel gegeben, und da ist das ‹Königscamp› jedes Mal eine sehr gute Gelegenheit, um etwas dem Schwingen zurückzugeben.»

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/noeldi-forrer-und-matthias-sempach-praegen-das-koenigscamp-art-747907

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