Die Stimme der Churfirsten: Bei der Einweihung der Kanti Wattwil ging der Blick über den Horizont
Die Schulferien sind vorbei, der Start ins neue Schuljahr ist erfolgt. Nicht so an der Kantonsschule in Wattwil. Statt Unterricht war am Montag visuelles Aufwärmen angesagt: «Die Lernenden konnten die Gänge, Schulzimmer, die Mediathek, Mensa und selbst den Lehrerbereich des neuen Schulhauses besichtigen», sagte Rektor Martin Gauer.
Für ihn war es ein Tag mit zwei Rollen: Erst begrüsste er die Schülerinnen und Schüler, später empfing er die Gäste des offiziellen Festakts – Behördenmitglieder, Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung und Politik, aber auch Bauunternehmer.
Die Brücke über den Ricken
73,5 Millionen Franken hat der Ersatzbau der Kantonsschule Wattwil gekostet. Die St. Gallerinnen und St. Galler sagten 2019 dazu Ja. «Mit deutlicher Mehrheit», wie die Vorsteherin des kantonalen Bau- und Umweltdepartements, Susanne Hartmann, im Gespräch auf der Bühne der Kanti-Aula betonte. Neben viel Anerkennung für den «modernen, wunderschönen Bau» teilte sie auch Persönliches: Ihre familiäre Beziehung zum Werkstoff Holz etwa oder ihre Erinnerung an den Geruch der blauen Vervielfältigungen aus ihrer Zeit am Lehrerseminar in Wattwil. «Geblieben sind über all die Jahrzehnte viele Freundschaften dies- und jenseits des Ricken.»
Den regionalen Brückenschlag der Kantonsschule nahm Bildungsdirektorin Bettina Surber auf. Zugleich richtete sie den Blick auf die Räume, die zum Denken über die Gegenwart hinaus inspirierten: «In einer Zeit, in der KI vieles infrage stellt, ist es wichtig, dass Jugendliche das Selbstbewusstsein entwickeln, den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.»
Berggipfel als Wegweiser
Kritisch denken, hinterfragen – für die Lernenden, die das musikalisch umrahmte Podium moderierten, ist genau das der Grundstein für neue Horizonte. Die Kantonsschule soll ein Ort sein, an dem Antworten nicht vorgegeben, sondern gesucht werden, der das Rüstzeug für Ein- und Ausblicke vermittelt. Das passt zum neuen Gebäude: Wer in den oberen Stockwerken aus dem Fenster blickt, sieht über das Tal – und fast schon über die Berge hinaus.

Letzteren gab eine Schülergruppe eine eigene Stimme. Kostümiert als steinige Churfirsten stellten sie zukunftsgerichtete Fragen: Wie messen wir Werte? Was ist gerecht? Die neue Kantonsschule sei ein Ort, an dem man lerne, Verantwortung zu übernehmen. Berg und Tal würden dabei zum Resonanzraum. «Wir eröffnen hier kein Gebäude», lautete das Fazit. «Wir eröffnen einen Raum für die Zukunft.»
Fliegende Zukunftswünsche
Rundum visionär? Rektor Martin Gauer bleibt auf dem Boden: «Natürlich, das Methodenspektrum ist grösser, aber vieles bleibt wie gehabt.» Der teilweise Frontalunterricht etwa. Nichtsdestotrotz brauche es zunächst Eingewöhnungszeit.» Nicht nur für die Lernenden, auch für die Lehrpersonen, die letzte Woche technische Schulungen gehabt hätten. «Es wird eine Challenge, alles in den Griff zu bekommen.»
Und was geben die beiden Regierungsrätinnen den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg? Susanne Hartmann schreibt «eine gute Lernkultur und lebenslange Freundschaften» auf einen Papierflieger. Bettina Surber notiert «Freude an der Gemeinschaft und Mut zum Wandel, wo nötig» dazu. Der Flieger soll später hängend einen Platz im Foyer bekommen: «Da ist noch genügend Platz», sagte Gauer.
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