Wenn die Kühe kommen, steht Nesslau Kopf
An keinem anderen Tag im Jahr wird Nesslau von so vielen Leuten besucht wie an der Viehschau. Tafeln weisen an der Strasse auf den baldigen Anlass hin. Stau sei zu erwarten. Die Polizei kommt daher zum Einsatz. «An den Viehschauen Wattwil und Nesslau ist unser Dienst als Verkehrsregelung nötig. Touristen wissen nichts von diesem Anlass und sind dann froh, wenn unsere Präsenz beruhigt», sagt Polizist Lenherr.
Zu viert koordinieren sie hier die Auffuhr. Später genüge eine Zweierpatrouille für die Heimkehr der Züchterfamilien. Entstehen Schäden bei Kollisionen von Autos und Tieren, müsse man dies nicht ihnen, sondern zuerst der Gemeinde Nesslau melden.
Für die Viehschau gilt es, früh aufzustehen
Für die Bauern beginnt der Tag früh. Sie müssen ihre Tiere füttern, melken und putzen. Um halb acht Uhr machen sich die ersten Sennten, also zügelnde Viehherden, auf den Weg zum Schauplatz Berstel in Nesslau. Also müssen sich auch die zahlreichen Besucher beizeiten auf den Weg machen, um das Auffahren vor Ort zu erleben.
Weit über dreissig Viehzüchter mit 1099 Tieren nehmen an der grössten Viehschau im Kanton St.Gallen teil. Und sie müssen ein ungünstiges Aufeinandertreffen der Herden beim Eingang zum Schauplatz mit organisierter Auffuhr verhindern. Meistens klappe dies, erzählt ein beteiligter Bauer. Doch die Geissen oder das Vieh hätten auch nicht immer Lust, nach Nesslau zu wandern. Daher könnten Verzögerungen entstehen.
Zudem mischten sich die Tiere im Nu unter die Herde eines anderen Landwirts. Heuer klappte das Ankommen der Tiere. Wie geplant trafen die letzten Tiere um halb zehn Uhr ein. Auf dem Schauplatz wurden sie von 60 Umbindern empfangen und in eine der über 60 Abteilungen gebunden.

Sennschellen, Treicheln und Sonderpreise verzücken
Ein Schauerlebnis boten die Familien der Nesslauer Viehzüchter. Gross und klein zeigten sich stolz in ihrer Tracht. Zahlreiche Sennenhüte waren mit echten Kunstwerken aus Garten und Natur geschmückt. Insgesamt über 50 Geissen der Rassen Toggenburg oder Appenzell begleiteten die Sennten. Sie wurden in ein eingezäuntes Abteil verfrachtet und frassen sich an einem grossen Asthaufen satt. Jauchzen und Jodeln war von nun an den ganzen Tag über zu hören.
«Wir von der Viehschau können uns über eine grossartige Unterstützung der Gemeinde freuen», sagt Schaupräsident und Aussteller Jürg Scherrer. Dies gelte aber auch für die zahlreichen Sponsoren der Spezialpreise. Einen aussergewöhnlichen Preis stiften die Grosstierärzte Obertoggenburg unter der Leitung von Mirjam Scherrer. Die beiden Missen der Rassen Originalbraun und Brown-Swiss geniessen während ihres Amtsjahrs eine kostenlose Behandlung. Wer diesen Preis gewinnt, bestimmen die elf aufgebotenen Schauexperten während der Vorführungen im Schauring.

Volksfest klingt gemütlich aus
Munteres Geplauder und Lachen erfüllen die Festräume. Die Nesslauer Bäuerin Marlene Metzler organisiert seit 2017 das Bewirten der weit über tausend Anwesenden. 32 Personen helfen ihr und haben ihre Aufgaben im Griff. Das ist auch nötig. Das Programm in Nesslau ist eng geplant und die Vorführungen der schönsten und leistungsstärksten Tiere beginnt bereits vor dreizehn Uhr.
Als schönste Kühe wurden bei den Originalbraunen Aurel Aurora von Beat Wickli und bei den Brown-Swiss Julius Chipsy von Andreas Wittenwiler gewählt. Wittenwiler gewann gleich alle drei Podestplätze dieser Rasse.
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