Nachfahren der Grafen von Toggenburg besuchten Lichtensteig
Auf diesen Besuch musste das Toggenburg lange warten. Anfang der 1960er-Jahre lud die Gemeinde Ebnat-Kappel den in der Nähe von Bozen im Südtirol lebenden Grafen von Toggenburg ein, einmal seinen familiären Herkunftsort, das Toggenburg, zu besuchen. Das Tal trage schliesslich seinen Namen.
Der achtzigjährige Graf lehnte höflich ab. Er sei zu alt und könne nicht mehr so weit reisen. Was sich damals nicht aufging, wurde nun am Sonntag nachgeholt. Seine nachgeborene Verwandtschaft pilgerte in grosser Zahl in die Ostschweiz. Und das aus gegebenem Anlass, wurde doch am Wochenende im Benediktinerkloster Fischingen feierlich dem 800. Todestag der Idda von Toggenburg gedacht.

Auf dem Weg nach Fischingen machte die Reisegesellschaft der rund 50 Nachfahren der Grafen am Sonntagvormittag auch in Lichtensteig Halt. Und auch das hatte seine historischen Gründe: Es war einer ihrer Ahnen, Friedrich der Siebte von Toggenburg, der im 14. Jahrhundert das «Alte Rathaus» baute. Grund genug für den Südtiroler Adel, die alte Ratsstube im gotischen Bauwerk zu besichtigen.
Doch Lichtensteig verbindet weit mehr mit den «Toggenburgern» als altes Gemäuer. Bekanntlich stellten die Grafen Friedrich der Siebte und Donat von Lütisburg Lichtensteig im Jahr 1400 erstmals einen Freiheitsbrief aus. Durch diesen und weitere Briefe erlangte Lichtensteig, das damals 400 Einwohner zählte, die Stadtrechte und somit einen eigenen Markt, eine eigene Verwaltung, ein eigenes Gericht und das Münzrecht. Das alles führte zur ersten wirtschaftlichen Blüte Lichtensteigs.
«Wappenwacht» zeigte «Bilderraub»
Angesichts der historischen Verdienste erstaunte es nicht, dass Stadtpräsident Mathias Müller den hohen Besuch am Sonntagvormittag bei Kaffee und Gipfeli empfing. Anschliessend ging es auf einen Stadtrundgang mit Stadtführer René Stäheli.

Einen speziellen Höhepunkt stellte dabei ein Auftritt der Mittelaltergruppe «Wappenwacht zu Toggenburg» dar. Dieser hätte zwar ursprünglich auf dem «Goldenen Boden» gezeigt werden sollen. Wegen des garstigen Wetters fand die Aufführung der fiktiven Szene «Der Bilderraub von Lichtensteig» unter den Arkaden der Hauptgasse und im gedeckten Durchgang bei der Gall’schen Offizin statt.
Unter den interessierten Blicken der Südtiroler Toggenburgerinnen und Toggenburger wurde vorgespielt, wie vor vielen hundert Jahren ein mutiger Kastellan den Raub von wertvollen Illustrationen verhinderte. Das gräfliche Publikum bedachte die Darbietung der Aufführenden mit einem herzlichen Applaus.
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