Mit dem Kampfjet über der Ostschweiz: «Es ist jedes Mal wie heimkommen»
Ein Grollen am Himmel über der Ostschweiz. Irgendwo am blauen Himmel sind zwei kleine graue Punkte zu sehen: Zwei Kampfjets des Typs F/A-18 der Schweizer Luftwaffe. Nur mit Glück kann man vom Boden einen kurzen Blick auf die Jets erhaschen, dann sind sie bereits wieder weg. Unter dem Jahr trainiert die Luftwaffe immer wieder im Ostschweizer Luftraum. Dabei fliegen die Piloten Trainingsflüge oder auch Einsätze im Luftpolizeidienst. Aktuell sind über unseren Köpfen 30 «Hornets», wie die Flieger heissen, im Einsatz.
Mattle: «Fliegen ist mein Bubentraum»
In einem dieser 30 Kampfflieger sitzt der 29-jährige Maurice Mattle aus Frauenfeld. Der Thurgauer sitzt seit einigen Jahren im Cockpit der F/A-18 und wollte schon immer Pilot werden: «Es ist die Erfüllung meines Bubentraumes. Es ist eine Ehre, diese Flieger zu fliegen und meine Heimat von oben zu bewachen.»
Wir treffen Mattle auf dem Parkplatz vor dem Militärflugplatz Emmen im Kanton Luzern. Ein schöner Sommermorgen, an dessen blauem Himmel nur vereinzelt kleine Wolken zu sehen sind. Mattle strahlt: «Heute ist perfektes Flugwetter.» Direkt vis-a-vis des Parkplatzes stehen die Kampfflieger in den Unterständen und warten auf ihren Einsatz. Mechaniker tummeln sich bei den Maschinen. Mattle bereitet sich auf seinen Flug vor und geht sich umziehen. Aus dem Thurgauer Maurice Mattle wird der Kampfjetpilot «Moe»:
Piloten vertrauen ihren Mechanikern blind
Vor dem Flug treffen sich die Piloten im Briefingraum, um die Koordinaten und die Flugroute zu besprechen. Es werden Karten ausgelegt und die Lage besprochen. Moe ist der Leader der Gruppe und gibt die Anweisungen: «Ein Briefing ist eine mentale Vorbereitung auf den Flug. Man muss ganz genau wissen, wie es am Himmel aussieht. Das Briefing ist wie eine militärische Befehlsausgabe. Am Ende soll es während des Fluges keine Fragen mehr geben», erklärt Hauptmann Mattle. Die Route führt in diesem fiktiven Einsatz über die Ostschweiz. Die Flieger sollen am Bodensee entlang fliegen und ein Jet spielt das «Target», also ein mögliches Ziel. Für die Berufspiloten sind solche Szenarien Alltag.
Nur einige Minuten nach dem Ende des Briefings geht es für die Piloten über das Rollfeld zu den Maschinen. Die Turbinen starten surrend und die Piloten setzen sich in ihre ziemlich engen Cockpits. Einen Kontrollgang um die Maschine machen sie nicht: «Ich vertraue auf die Soldaten und Mechaniker. Die machen einen super Job», sagt Moe und zieht seinen Pilotenhelm an. Dass die Piloten ihren Kollegen vom Bodenpersonal blind vertrauen, ist eine Eigenheit, die nur in der Schweiz üblich ist. Dann rollen die Flieger aus dem Hangar und verlassen Emmen mit einem ohrenbetäubenden Grollen.
«Es ist jedes mal als würde ich heimkommen»
Fliegt Mattle mit dem Kampfjet über die Ostschweiz, ist er im Kopf bei seiner Familie und seinen Verwandten: «Für mich ist es immer, als würde ich heimkommen, es ist immer schön, seine Wurzeln zu sehen, vor allem aus der Luft.» Doch hat der Pilot wenig Zeit, die Aussicht zu geniessen Er muss sich total auf den Flug konzentrieren.
Fliegt ein Kampfjet über die Ostschweiz denken die Freunde und Bekannten von Maurice Mattle oft an ihn: «Ich bekomme oft SMS oder WhatsApp-Nachrichten ob ich gerade mit dem F/A-18 über der Ostschweiz unterwegs war. Oft passiert das zwar nicht, aber wenn, dann freuen sich meine Kollegen darüber mich am Himmel gesehen zu haben.»
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