­
­
­
­

«Mama ist viel strenger als mein Lehrer»: So erleben Ostschweizer Schülerinnen und Schüler das Homeschooling

Seit sechs Wochen sind die Schulen zu. Wir haben Ostschweizer Schülerinnen und Schüler gefragt, wie sie den Unterricht zu Hause finden. Und worauf sie sich im Schulhaus und auf dem Pausenplatz am meisten freuen, wenn sie ab 11. Mai wieder hin dürfen.
von Aufgezeichnet von Katharina Brenner

Die Coronakrise hat den Alltag von Kindern und Jugendlichen im ganzen Land verändert. Seit 16. März arbeiten sie zu Hause an ihrem Schulstoff. Wir haben Schülerinnen und Schüler aus der Ostschweiz gefragt, wie sie das Homeschooling erleben. Wen oder was vermissen sie? Und worauf freuen sie sich, wenn am 11. Mai das Schulhaus wieder seine Türen öffnet?

Aiyana Steiger, 12 Jahre, Gossau:

«Für mich ist das Homeschooling nicht so speziell. Es kommt mir vor, als wären es viele Hausaufgaben, die zu erledigen sind. Hilfe bekommt man in der Coronazeit von den Eltern, der Lehrperson, oder auch wir Kinder helfen uns gegenseitig. Ich vermisse das Zusammensein mit meiner Klasse. Meine Freunde treffe ich manchmal noch.

Aber zu Hause macht es auch Spass. Man kann einfach aufstehen, wenn man zum Beispiel eine Pause machen will oder Durst oder Hunger hat. Ich freue mich wieder auf den gewohnten Unterricht in der Schule. Aber diese spezielle Zeit zu erleben, ist auch etwas Besonderes.»

Jana Hilzinger, 12, Frauenfeld:

«Ich habe mich langsam an die spezielle Situation, zu Hause zu arbeiten, gewöhnt. Es ist nicht immer ganz einfach: Denn Papa kann ja auch nicht immer helfen. Manchmal denke ich, ach, das wäre jetzt genau eine Aufgabe, die man zu zweit machen könnte. Ich vermisse den Kontakt zu meinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Zum Glück habe ich ein Handy, so kann ich mit Skype meine Freunde immer noch sehen.

Ich finde, das Homeschooling hat Vor- und Nachteile. Man kann seine Pausen selbst einteilen und lernt Selbstverantwortung. Doch man ist auch auf sich selbst gestellt, und man hat praktisch keinen Kontakt zu seinen Freunden. Wenn die Schule wieder losgeht, werde ich mich freuen, dass ich im Klassenzimmer arbeiten kann und meine Freunde wiedersehe. Vielleicht werde ich das Homeschooling sogar vermissen.»

Ilenia Beeli, 12 Jahre, Gossau:

«Ich finde das Homeschooling etwas gewöhnungsbedürftig. Man sieht leider auch seine Freunde nicht mehr. Vor allem aber ist es schade, dass man in dieser Zeit immer das iPad oder den PC braucht. Auch sind viele einfach am Handy in dieser Zeit, in der man eigentlich in der Schule wäre.

Wenn man zu Hause keine Lust mehr auf die Aufgaben hat, kann man sich einfach irgendwie anders beschäftigen. In der Schule hingegen kann man nicht einfach gehen, wenn man keine Lust mehr hat. 

Ich vermisse den ganzen Sportunterricht und auch das Werken und Zeichnen. Natürlich vermisse ich das Klassenzimmer und meine Freunde. 

Es wird einem immer geholfen, wenn man Hilfe braucht, und manchmal spielt man sogar mit der ganzen Klasse etwas. Ich freue mich ganz besonders darauf, dass ich meine Schulbücher nicht mehr zu Hause behalten muss, weil sie einfach Platz brauchen. Natürlich freue ich mich auch auf meine Freunde, die ich bald wiedersehen darf. Und auf meine Lehrerin.»

Louis Lastennet, 8 Jahre, Frauenfeld:

«Zuerst fand ich es noch ganz toll, mal etwas anders Unterricht zu haben, aber jetzt ist es eher anstrengend. Vor allem NMG (Natur Mensch Gesellschaft) wäre einfacher in der Schule, weil wir da viel basteln müssen.

Ich vermisse aber meine Freunde. Einige von ihnen sehe ich jetzt kurz, wenn ich am Montag und Mittwoch in die Schule für das Coaching darf. Wir sind dann immer zu dritt plus die Lehrerin. Der Unterricht im Klassenzimmer ist besser als jener zu Hause. In der Schule gibt es mehr Abwechslung und mehr Spass mit den anderen. Ich freue mich, wenn wir wieder Technisches Werken und Textiles Werken haben. Und ich glaube, dass meine Mutter auch froh ist, wenn die Schule wieder losgeht.»

Ilayda Ünal, 13 Jahre, St.Gallen:

«Das Homeschooling ist nicht so meins, da man sich zu Hause nicht motiviert fühlt, doch mit der Unterstützung meiner Lehrerinnen und Lehrer lief alles sehr glatt. Ich vermisse meine Mitschüler und die Schulatmosphäre. Ich finde den Unterricht im Klassenzimmer besser, da wir uns da gegenseitig unterstützen können. Ich freue mich schon riesig, wieder in die Schule gehen zu dürfen und meine Mitschüler zu sehen.»

Ilio Lord Wehrli, 12 Jahre, Frauenfeld:

«Ich finde es toll, denn ich habe am Morgen noch ein bisschen Zeit für mich. Währenddessen kann ich dann noch lesen. Homeschooling ist auch nicht so anstrengend wie die normale Schule. Ich vermisse am meisten meine Kollegen aus der Klasse, um mit ihnen herumzuhängen und mit ihnen Witze zu erzählen. Mir fehlt auch ein bisschen das Vorlesen zum Schulstart. 

Es hat beides Vor- und Nachteile. Im Klassenzimmer kann ich mich mit den anderen austauschen und mit meinen Kollegen reden. Das kann ich natürlich im Homeschooling nicht. Dafür kann ich im Homeschooling jederzeit eine Pause einlegen und mich ausruhen. Zudem kann ich mich auch besser konzentrieren. Ich bin jeweils am zweiten Tag mit dem Matheplan fertig, was ich in der Schule nicht schaffe. Natürlich freue ich mich wieder auf meine Klasse und die anderen Kinder in unserer Schule. Gemeinsam die Aufgaben zu lösen und in der Pause zu schwatzen, macht halt schon Spass.»

Jason Anhorn, 11 Jahre, Gossau:

«Die erste Woche war sehr speziell. Danach wurde es ein bisschen routinierter. Nach den Frühlingsferien konnten wir mit der Internetplattform Schabi arbeiten, das war super. Es ist alles viel übersichtlicher und ich habe meinen Lehrer online auf dem Laptop bei mir zu Hause. Ich vermisse die Pausen mit dem Fussballspielen, meine Klassenkameraden und natürlich meinen Lehrer, weil Mama ist viel strenger als mein Lehrer. Unterricht im Klassenzimmer ist definitiv besser als daheim. 

Einfach wieder mehr Freiheit zu haben und nach draussen gehen zu dürfen.»

Lena Bruggmann, 12 Jahre, Flawil:

«Ich finde Homeschooling nicht so toll. Ich sehe meine Freunde nur durch den Computer. Ich kann sie nicht treffen. Am Morgen um 8 Uhr gibt es zwar jeweils eine Begrüssung per Videocall. Aber das ist nicht das Gleiche. Am meisten vermisse ich meine Freunde. Ich vermisse auch, dass man sich nicht näher kommen kann als zwei Meter.

Den Unterricht im Klassenzimmer finde ich aber besser. Ich kann den Lehrer nicht so einfach fragen wie in der Schule und es geht auch länger. Die Eltern können es nicht so gut erklären wie die Lehrer. Daheim bin ich abgelenkter und weniger konzentriert. Wenn die Schule wieder beginnt, freue ich mich, dass ich alle wieder in Echt sehen kann. Der Unterricht funktioniert viel besser, wenn man im selben Raum ist. Zum Beispiel im Französisch redet man zu Hause ja gar nicht Französisch, sondern man hört und schreibt nur. Ich lerne sicher weniger als normal.»

Leo Bruderer, 11, St. Gallen:

«Ich habe mich unterdessen ans Homeschooling gewöhnt. Es ist wie Ferien mit vielen Hausaufgaben, aber ohne Ausflüge. Gut finde ich, dass ich mir meine Aufträge selber einteilen kann. Und dass ich mich manchmal besser konzentrieren kann, wenn mich niemand stört. Allein im Zimmer zu lernen, hat aber auch Nachteile: Wenn ich eine Frage habe, muss ich meine Mutter holen oder meine Lehrerin anrufen. Vor allem aber vermisse ich meine Freunde. Deshalb freue ich mich wieder auf die Schule, auf meine Freunde und darauf, dass ich bei Fragen nicht mehr meine Lehrerin anrufen muss. Ich freue mich dann aber auch wieder auf die Ferien.»

Valentin Wickli, 9 Jahre, Krinau: 

«Ich finde Homeschooling cool. Am Anfang habe ich meine Freunde vermisst, aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Manchmal sehe ich Kollegen unterwegs beim Ausreiten oder Velofahren. Und ich habe ja auch noch drei Geschwister, mit denen ich spielen kann.

Da kann ich manchmal auch eine Pause machen. Mama ist aber etwas strenger als meine Lehrerin. Ich übe aber auch mehr Schlagzeug, weil ich mehr Zeit habe. Wenn wir wieder im Schulhaus Unterricht haben, freue ich mich auf die Sportstunden. Und auf Englisch und Deutsch. Das ist viel cooler als zu Hause.»

Lara Däster, 11 Jahre, Gossau:

«Ich finde am Homeschooling gut, dass ich selber entscheiden kann, wann ich für welches Fach lerne. Es ist schön, wenn ich schon vor dem Morgenessen etwas für die Schule gemacht habe. Ich vermisse den gemeinsamen Sport und den täglichen Tratsch mit meinen Freundinnen. Es hat beides seine guten Seiten. Doch gehe ich lieber in die Schule mit meinen Freundinnen, da fällt mir das Lernen einfach leichter. Ich freue mich einfach, alle wiederzusehen und lustige Pausen zu erleben und zu spielen.»

Lena Strazza, 15 Jahre, St.Gallen:

«Homeschooling ist eine neue Erfahrung für mich. Ich finde den Unterschied zum Unterricht im Klassenzimmer sehr gross.

Es fällt mir schwerer, konzentriert zu bleiben. Mein Tagesablauf hat nicht mehr wirklich eine Struktur. Zu Hause stehe ich zurzeit zwischen 9 Uhr und 10 Uhr auf, was im Vergleich zur Schulzeit sehr spät ist. Das ist für mich fast das Einzige, was ich am Homeschooling besser finde. Es ist auch schwierig, Tests durchzuführen, da die Spickmöglichkeiten sehr gross sind und nicht kontrolliert werden können. Man versteht die Themen in der Schule besser, es wird ausführlich erklärt, man kann ständig nachfragen und kann sich mit anderen austauschen.

Ich denke, ich lerne im Klassenzimmer viel schneller und in kürzerer Zeit mehr. Auch wenn ich zurzeit viel und gerne mit Freunden telefoniere, fehlt mir der reelle Kontakt. Zu Hause erlebt man nicht viel und ist ständig mit den gleichen Personen zusammen. Ich freue mich wieder auf meine Klasse und hoffe, dass unser ersehnter Abschluss trotzdem mindestens genauso schön wird.»

Annalena Bär, 10 Jahre, Krinau:

«Ich finde Homeschooling lustig, aber auch streng. Lustig, weil man selbständig arbeiten kann. Man muss sich selber sagen: So, jetzt machst du das. Man ist nicht in der Schule, aber die Lehrerin sagt, was man machen muss. Die Eltern sind anders als die Lehrerinnen.

Ich vermisse meine Freundinnen. Und das Ganze, wie es so ist. Ich möchte das Schulzimmer und alles und alle wiedersehen und wieder mal Fussballspielen. Grundsätzlich finde ich die Schule im Klassenzimmer besser, aber das selbständige Arbeiten gefällt mir. Das Gute an der Schule ist: Wenn die Lektion zu Ende ist, läutet es und wir versorgen alles. Zu Hause aber muss ich dran bleiben, bis ich fertig bin. Ich freue mich, die anderen Kinder wiederzusehen. Ich freue mich auf die Ordnung, also darauf, dass wir alle Fächer wieder nach Stundenplan haben.»

Marina Crepulja, 11 Jahre, Sargans

«Homeschooling ist eine andere Erfahrung. Ich finde es nicht so gut, wenn ich selber korrigieren muss. Wenn ich Fehler habe, dann kann der Lehrer mir helfen. Ich vermisse meine Klassenkameraden und den Schulalltag. Daheim zu arbeiten, finde ich eigentlich sehr gut, man bekommt Aufgaben, und wenn man sie erledigt hat, hat man Freizeit. Wenn die Schule wieder beginnt, freue ich mich auf meine Freunde und den normalen Alltag.»

Lena Good, 11 Jahre, Sargans:

«Ich finde Homeschooling okay, weil man aussuchen kann, mit welchem Fach man beginnt. Ich vermisse meine Freundinnen und das genaue Erklären der Lehrer. Es ist okay, mal zu Hause zu arbeiten, aber in der Schule ist es besser. Ich freue mich sehr auf den gemeinsamen Unterricht mit Freunden. Und wenn man eine Frage hat, kann man einfach kurz zum Lehrer gehen.»

Ilirjana Ademaj, 13 Jahre, St.Gallen:

«Ich finde Homeschooling ist etwas Neues, das wir so nicht kennen. Man lernt, viel selbständiger zu werden, denn man muss sich die Zeit gut einteilen, um die Aufgaben rechtzeitig abzugeben. Am meisten vermisse ich natürlich meine Freunde und Klassenkameraden. Auch die Zeit in der Schule vermisse ich sehr, denn in der Schule fällt es mir leichter, mich zu konzentrieren und fleissig an den Aufgaben zu arbeiten. Bei Fragen oder Unklarheiten kann man die Lehrperson direkt fragen. Im Klassenzimmer hat man auch andere um sich herum und kann auch mit den Klassenkameraden die Aufgaben lösen. Am meisten freue ich mich darauf, meine Freunde wiederzusehen, und dass das Homeschooling ein Ende hat.»

Talitha Weitbrecht, 10 Jahre, Sargans:

«Mir gefällt Homeschooling. Jetzt läuft es auch schon viel besser als am Anfang. Am Anfang hat es manchmal ein bisschen gestockt, weil wir zu wenig Computer hatten. Doch bald kaufte unser Vater einen Laptop und ein Tablet. So hatten wir viel mehr Möglichkeiten, uns im Internet zu bewegen. So machte mir das Homeschooling viel mehr Spass. Ich habe manchmal mit meinen Schulkameraden telefoniert. Es ist schon blöd, dass ich sie nicht sehen kann, doch ich habe noch meine Geschwister, dann ist es nicht so langweilig.

Ich finde Homeschooling und Unterricht im Klassenzimmer nicht so anders, weil wir Themen bekommen, die wir auch sonst hätten, und weil wir ungefähr gleich viel Stoff haben wie sonst. Ich freue mich aber wieder auf den normalen Unterricht, weil ich meinen Lehrer wiedersehe, und weil er mir die Sachen direkt erklären kann und sagen kann, was er genau meint.»

Alena Tastler, 15, St.Gallen:

«Homeschooling ist auf der einen Seite eine tolle Sache. Man lernt Eigenverantwortung und die Planung des Tagesablaufes. Auf der anderen Seite kann man nicht einfach nach vorne an das Lehrerpult gehen und seine Fragen stellen. Hat man eine Frage oder ein Problem, das man nicht selbst lösen kann, muss man immer via E-Mail, Telefon oder Videochat mit dem Lehrer kommunizieren. Das klappt im Allgemeinen sehr gut, kann aber auch zu Missverständnissen führen und zu Wartezeiten.

Deshalb, ja, ich vermisse das direkte Arbeiten mit meinen Lehrern und Klassenkameraden. Ich vermisse das einfache Fragenstellen und Problemlösen und das Lachen zusammen im Klassenzimmer. Ich vermisse den gewohnten Tagesablauf. Auch wenn ich viel Eigenverantwortung und Umgang mit den Medien lernen konnte, gefällt mir der altbekannte Unterricht im Klassenzimmer besser.

Sozial heisst für mich zusammen etwas lernen, im Klassenzimmer zu sitzen und Probleme und Fragen direkt anzusprechen. Es heisst aber auch, Pausen und Freizeit zusammen mit Freunden zu verbringen. Deshalb freue ich mich sehr auf den 11. Mai, wenn ich endlich wieder meine Klasse sehen darf und alles seinen gewohnten Gang geht.»

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/mama-ist-viel-strenger-als-mein-lehrer-so-erleben-ostschweizer-schuelerinnen-und-schueler-das-homeschooling-art-746648

Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.

­
­