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Nach über 20 Jahren Leerstand – neues Leben für die ehemalige Raststätte Walensee?

Seit über 20 Jahren verfällt die ehemalige Raststätte am Walensee. Zahlreiche Ideen für eine neue Nutzung scheiterten bislang. Nun gibt es erstmals konkrete Pläne für den markanten Betonbau: Ein Liechtensteiner Unternehmer will aus dem Lost Place einen Kultur- und Begegnungsort machen.
Heute verwahrlost, künftig ein Kulturzentrum? Für diese Raststätte am Walensee gibt es vielleicht doch noch eine zukunft.  (Bild: Raphael Rohner (27.01.2023))
Vandalen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten Spuren hinterlassen. (Bild: Raphael Rohner)
Blick ins Innere des Lost Places. (Bild: Raphael Rohner)

Kaum ein anderer Lost Place in der Schweiz ist so wenig versteckt, wie die seit über 20 Jahren verfallende ehemalige Raststätte am Walensee. Direkt am Seeufer gelegen fahren täglich Tausende Automobilistinnen und Automobilisten am brutalistisch anmutenden Betonklotz vorbei und fragen sich: Was ist eigentlich mit dieser Raststätte los?

Das Gebäude wurde 2003, nach rund 35 Jahren gastronomischem Betrieb aufgegeben. Der kritische Wendepunkt für die einst beliebte Raststätte lag jedoch damals bereits 17 Jahre zurück. Während die Raststätte bei ihrer Eröffnung von beiden Seiten, also von Zürich her wie auch aus Sargans, erreicht werden konnte, führte die Eröffnung des neuen Kerenzerberg-Tunnels dazu, dass weniger Reisende die Raststätte ansteuern konnten.

Raststätte seit 2017 nicht mehr mit dem Auto erreichbar

Durch die neue Verkehrsführung konnte die Raststätte ab 1986 von Zürich her kommend nicht mehr angefahren werden, was zur Folge hatte, dass diese einen grossen Teil ihrer potenziellen Kundschaft einbüste. Auf die Schliessung folgte der Verkauf der Immobilie 2005 für 540'000 Franken an eine Privatperson aus Uznach und schliesslich, 2013, für 795'000 Franken an den heutigen Eigentümer Heinz Peter Moravcik.

Dieser wollte die Raststätte in einem ersten Schritt zu einem Wohn- und Gewerbehaus umbauen und aufstocken, die Gemeinde verweigerte ihm jedoch die Baugenehmigung. Auch die Bestrebung des Eigentümers, nach einem Umbau selbst in die Immobilie einzuziehen, stiess bei der Gemeinde nicht auf offene Ohren.

Während der alte Parkplatz der Raststätte noch lange direkt von der A3 aus angefahren werden konnte, schloss das Bundesamt für Strassen (ASTRA) die Aufahrt im Jahr 2017. Begründet wurde der Schritt mit Sicherheitsbedenken, da die Auffahrt zu kurz war, sowie mit der Begründung, dass private Liegenschaften nicht von einer Nationalstrasse aus erschlossen werden dürfen.

Dass die Immobilie fortan nur noch per Fuss oder mit dem Fahrrad erreicht werden konnte, half kaum bei der Suche nach einer neuen Nutzung für den mittlerweile seit 14 Jahren leerstehenden Bau. Der Besitzer verlangte vom Bund, die Immobilie zurückzukaufen und forderte erst 1,5 Millionen, später reduzierte er seine Forderungen auf 1,3 Millionen Franken.

Verhandlungen scheitern – Interesse an Projekten bleibt bestehen

Der Bund, der durchaus Interesse an der ehemaligen Raststätte bekundete, lehnte das Angebot ab. Dieses sei überteuert, schliesslich hätte man die Pflicht, mit den anvertrauten Steuergeldern haushälterisch umzugehen, wie ein Sprecher des ASTRA gegenüber dem Blick verlauten liess.

So blieb die Raststätte im Besitz des Österreichers Heinz Peter Moravcik und die Spekulationen über neue Projekte im leerstehenden Sichtbetonbau gingen weiter. Im vergangenen Juni berichtete der Blick, dass Tesla-Fans auf Elon Musks Plattform X fordern, die ehemalige Raststätte zu einer grossen Tesla-Ladestation samt amerikanischem Autobahn-Diner umzubauen. Nur einen Monat später tauchten Visualisierungen des Zürcher Edel-Kebap-Unternehmens Ayverdi auf – sie zeigten nicht nur ein Restaurant am Walensee, sondern gleich auch ein Hotel mit Infinity-Pool.

Wirklich ernst zu nehmen war jedoch keines der Projekte, blieb das Problem mit dem fehlenden Anschluss an die Autobahn doch bestehen. Nun könnte zum ersten Mal jedoch eine konkrete Lösung für die Frage, was mit der zerfallenden Raststätte geschehen soll, im Raum stehen.

Vandalen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten Spuren hinterlassen. (Bild: Raphael Rohner)

Neuer Kultur- und Begegnungsort geplant

Wie das Schweizer Fernsehen berichtet, plant der Liechtensteiner Unternehmer Rudolf Hilti, einen Ort für «Begegnungen, Ausstellungen, Kultur und neue Ideen» zu schaffen. Gemäss SRF habe Hilti mit dem aktuellen Eigentümer der Immobilie bereits eine Vereinbarung zur Übernahme getroffen. Ziel sei es, die ehemalige Raststätte nach der Übernahme in eine Stiftung zu überführen.

Erste Sanierungs- und Aufräumarbeiten haben bereits begonnen. Dabei will Hilti mit dem Projekt Innovation, Wissenschaft, Unternehmertum und Kultur zusammenbringen, den geplanten Begegnungsort nennt er «ein Museum für die Zukunft.» Konkrete Pläne wie auch eine Baubewilligung liegen aktuell jedoch noch nicht vor.

Blick ins Innere des Lost Places. (Bild: Raphael Rohner)

Derweil zeigt sich der Schifffahrtsbetrieb der Walensee AG offen für die Idee, sollte ein solcher neuer Begegnungsort tatsächlich entstehen, diesen mit einer neuen Kursschiff-Haltestelle zu erschliessen. Gegenüber dem SRF sagt Daniel Grünenfelder, Geschäftsführer der Walensee AG: «Der Spot hier wäre perfekt». (jul/watson)

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/lost-place-raststaette-walensee-neues-projekt-geplant-art-752530

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