Wer ans Geld will, muss zuschlagen: Lichtensteigerin bastelt besondere Sparschweine
Wer durch das geschichtsträchtige Städtli Lichtensteig spaziert, spürt rasch den besonderen Charme dieser Region. Unberührte Natur, die Äulischlucht mit ihrem Wasserfall und die jährlichen Jazztage prägen den Ort. Mittendrin lebt Sybille Pleithner, die sich selbst mit drei treffenden Worten beschreibt: nett, freundlich und liebenswürdig.
Pleithner arbeitet als engagierte Quereinsteigerin in einem Alters- und Pflegeheim, wo sie in Reinigung und Wäscherei anpackt. Ursprünglich lernte sie Lebensmittelverkäuferin. Nach der Arbeit findet sie ihren kreativen Ausgleich in einem Hobby, das man heute nur noch selten antrifft: Sie bastelt bunte Sparschweine. Seit über zehn Jahren widmet sie sich dieser Leidenschaft und hat bereits mehr als 50 Exemplare gefertigt.
Die Idee entstand während des Handarbeitsunterrichts in der Schule. Das Herstellen der kleinen Figuren faszinierte sie so sehr, dass sie nicht mehr davon loskam. Sie wollte etwas machen, das nicht jeder macht – und begann ihre kreative Reise.
Ihre Sparschweine verfolgen ein besonderes Konzept: Unten gibt es keinen Gummipfropfen. Wer an das Geld möchte, muss zum Hammer greifen. «Ich habe das als mein Konzept gemacht, dass man eine Weile sparen soll und dann schaut, was man über Monate oder Jahre gespart hat», erklärt sie. Gerade weil es auf der Bank kaum noch Zinsen gibt, erlebt das Sparen zu Hause für sie eine neue Aktualität.
Eine Woche für die Herstellung
Tut es ihr als Künstlerin weh, wenn jemand ihre Arbeit mit Gewalt zerstören muss? Ein bisschen schon. «Aber das wollte ich so, man kann ja wieder ein neues basteln», sagt sie pragmatisch. In jedem Schwein stecken viel Freude und Liebe. Mindestens eine Woche dauert es von der Grundform bis zum fertigen Anstrich. An ihrer bewährten Technik hat sie in zehn Jahren nichts verändert. Dafür experimentiert sie gerne mit Farben – aktuell möchte sie Neonfarben ausprobieren. Für sie steht fest: «Selbstgemachtes ist einfach spezieller.»
Früher durfte Sybille Pleithner ihre farbenfrohen Kunstwerke im Laden ihrer Mutter ausstellen. Diese gemeinsame Zeit ist für sie eine wertvolle Erinnerung. Sie lernte neue Menschen kennen und konnte ihre kreative Seite zeigen. Auch am Weihnachtsmarkt in Lichtensteig verkaufte sie zusammen mit ihrer Mutter ihre Werke. Die besondere Atmosphäre und das direkte Feedback der Besucherinnen und Besucher vermisst sie heute.
Der treueste Abnehmer ist ihr Vater. Er besitzt selbst ein Schwein und besorgte eines für seine Tante, die bei ihm putzt. Statt ihr das Geld bar zu geben, wirft er es heimlich übers Jahr in das Sparschwein. Zu Weihnachten schenkt er ihr das gefüllte Kunstwerk. Eine liebevolle Idee, die zeigt, wie viel Freude die kleinen Glücksbringer bereiten können.
Ein Lächeln als Lohn
Reich werden möchte Sybille Pleithner mit ihrer Kunst nicht. Ein Sparschwein in normaler Grösse kostet gerade einmal zehn Franken. Material und Arbeitszeit wären eigentlich deutlich mehr wert. Doch ihr wichtigster Lohn ist ohnehin unbezahlbar: Wenn ein Schwein verkauft ist und die Käuferin oder der Käufer sich darüber freut, bedeutet ihr das am meisten.
Wer ein handgemachtes Unikat erwerben möchte, findet Sybille Pleithner regelmässig auf Facebook oder kann sich direkt bei ihr melden. Ihre Sparschweine sind wie ihre Macherin: bodenständig, grundehrlich und voller positiver Energie – und sie machen den Alltag ein kleines Stück bunter.
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