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Sonnencreme, Schatten und viel Wasser: Ein St.Galler Experte erklärt die Fakten

Die Temperaturen klettern bald wieder auf 30 Grad und es gilt, sich vor der Sonne zu schützen. Welche Regeln sind zu beachten? Antonio Cozzio, Chefarzt Dermatologie am Kantonsspital St.Gallen, klärt auf.
Keine oder zu wenig Sonnencreme verursacht nicht nur einen Sonnenbrand, sondern kann langfristige Folgen haben. (Bild: Getty)
Antonio Cozzio ist Chefarzt Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Kantonsspital St.Gallen. (Bild: zvg)

Die Sonnenstrahlen kitzeln angenehm auf der Haut, doch vor lauter Vorfreude auf den Baditag wurde die Sonnencreme vergessen. Welche Folgen haben das heisse Wetter und UV-Strahlen auf die Haut? Antonio Cozzio ist Chefarzt Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Kantonsspital St.Gallen und erklärt, wie man sich schützen muss.

Viele denken erst in der Badi an Sonnencreme. Wie wichtig ist der Schutz im Alltag?

Antonio Cozzio: Natürlich sehr wichtig, wenn Sie mich so fragen! Allerdings ist es mit dem Sonnenschutz wie mit vielen Vorsorgemassnahmen: Der Nutzen einer Massnahme stellt sich oft erst viel später ein. Wir bekommen nicht sofort einen Hautkrebs, wenn wir uns nicht vor der Sonne schützen. Hautkrebsentstehung dauert Jahre und ist die Folge einer kumulativen Schädigung der Haut über längere Zeit.

Antonio Cozzio ist Chefarzt Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Kantonsspital St.Gallen. (Bild: zvg)

Kurzfristig kommt es zu einem Sonnenbrand, der schnell wieder verschwindet. Wie gefährlich ist er wirklich?

Sonnenbrand ist eine Entzündungsreaktion der Haut auf zu hohe UV-B-Strahlung, die die Hautzellen so stark schädigt, dass sie zugrunde gehen. Dadurch kommt es zur Freisetzung von Entzündungsfaktoren, die zu Schmerzen, Rötung und Blasenbildung führen können. Allerdings sterben nicht alle geschädigten Hautzellen immer ab. Aus diesen genmutierten Zellen können im schlimmsten Fall im Laufe der Jahre Hautkrebszellen entstehen, die sich vermehren, im ganzen Körper verteilen und so eine bisweilen tödliche Krankheit verursachen können.

Was passiert mit der Haut, wenn man sich zu wenig schützt?

Lange Zeit eben nicht viel, weil die Haut geniale Reparaturmechanismen eingebaut hat und die täglichen Tausenden von UV-bedingten und spontanen krebsauslösenden Genveränderungen einfach wieder repariert – 24 Stunden, 7 Tage, 52 Wochen im Jahr. Wenn wir jedoch das Reparaturprogramm überlasten durch eine unvernünftige UV-Bestrahlung in Solarien oder durch Sonnenbelastung, dann kann das System nicht mehr alle Fehler korrigieren. Einzelne Hautkrebszellen können der Qualitätskontrolle in der Haut entgehen und zu einem vollen schwarzen oder weissen Hautkrebs auswachsen und dann potenziell das Leben des Betroffenen bedrohen.

Braucht man auch bei bewölktem Wetter Sonnenschutz?

Ja, Beschattung durch Wolken ist trügerisch. Wolken schützen deutlich besser vor den anderen zwei Strahlungstypen der Sonne – Wärmestrahlen und sichtbarem Licht – als vor der unsichtbaren und nicht spürbaren UV-Strahlung. Leichte Bewölkung reduziert die UV-Belastung um 10 bis 30 Prozent, eine mittlere Bewölkung etwa 50 Prozent. Sogar durch Gewitterwolken dringt UV-Strahlung auf die Erde.

Welche Fehler machen die meisten Menschen beim Eincremen?

Kurz gesagt: Sie tragen zu wenig auf! Es braucht für eine Ganzkörperanwendung ca. 20 bis 30 Milliliter. Das ist recht viel. Zudem sollte nach dem Baden erneut aufgetragen werden, da «wasserbeständig» nur bedeutet, dass nach dem Baden noch mindestens 50 Prozent der Creme aufliegt. Das berücksichtigt aber nicht die realen Bedingungen in der Badi: Abtrocknen mit dem Tüchlein, das ungleichmässige Auftragen der Creme, das Schwitzen.

Lichtschutzfaktor 30 oder 50 – was ist sinnvoll?

Das ist abhängig von den betroffenen Menschen: Gab es bereits eine Hautkrebserkrankung? Werden immunsystemunterdrückende oder lichtsensibilisierende Medikamente eingenommen? Wie hoch ist die berufliche UV-Belastung (Bauarbeiterinnen, Landwirte)? Der SPF sagt aus, wie viel UV-Strahlung noch in die Haut eindringt. Hautärztinnen und -ärzte empfehlen keinen tieferen Schutz als SPF 30, beraten aber individuell.

 
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