Halsbrecherischer Nidelweg: Mit Anekdoten unterwegs auf dem Stockberg
Der Alpwirtschaftliche Verein Toggenburg weiss vom Nordhang des Stockbergs mehrere Geschichten zu erzählen. So etwa von der Alp Amsler. 1912 waren dort die Alpgebäude abgebrannt. Der damalige Besitzer Zwingli nahm daraufhin einen grosszügig dimensionierten Neubau in Angriff. Gut zehn Jahre später ging ihm aber das Geld aus und die 16 Hektaren grosse Alp kam auf die Gant.
Es bewarben sich der Bauernverein Nesslau und Bauer Lusti von der Hagisegg dafür. Lusti war gleichzeitig Vizepräsident des Bauernvereins. Um etwaigen Unstimmigkeiten vorzubeugen, hat der Bauer den Zuschlag erhalten. So lautet die Erzählung, welche die Teilnehmenden einer vom Alpwirtschaftlichen Verein organisierten Wanderung vor Ort zu hören bekamen.
Genug Gras und Wasser am Hang
Von der Alp Amsler wanderte die Gruppe zur Alp Loch-Järflen. Martin Fust betreut im «Loch» aktuell das Vieh für seinen Sohn Walter. Die Tiere sind in einem vor gut zehn Jahren erstellten Neubau ideal untergebracht. «Für diese stark nordwärts gerichtete Alp ist das trockene Wetter kein Problem. Das Gras wächst gut und Wasser ist genügend vorhanden», berichtete Martin Fust.
Beim Alpzimmer Neuhüttli-Järflen war Mittagsrast angesagt, Alpsenn Ruedi Scherrer empfing die Wandergruppe im stattlichen Neubau aus dem Jahr 2024. Der anmutig wirkende Anbindestall bietet jetzt Platz für 40 Rinder und kann auch als Laufstall umgenutzt werden. Im zum Neuhüttli gehörenden und ebenfalls neu errichteten Laufstall auf der oberhalb liegenden Chümisegg finden 22 Galtlinge Platz.
Vereint gegen auswärtige Käufer
Die zusammengehörenden Alpen Neuhüttli und Chümisegg gehören der Kreisalpenkorporation Nesslau-Krummenau. Pächterin ist die seit 1924 bestehende Vereinigung «Jungviehsömmerung Nesslau-Krummenau». Die Gründung dieses Vereins hatte ihren Grund. Die Kreis-Alpen wurden in den Jahren 1910 bis 1924 öffentlich versteigert. Da sich dabei aber immer mehr Auswärtige die Alpen mit höheren Angeboten sicherten, wurde diesem Ungemach mit der Vereinsgründung der Riegel geschoben.
Die Kreisalpenkorporation beschloss, für die Einheimischen gewisse Alpen (Pfingstboden, Spycher, Neuwald und Horn) zu reservieren. An der ersten Interessentenversammlung bezüglich Jungviehsömmerung 1924 wurden von 28 Anwesenden 100 Stück Jungvieh angemeldet. So fand im Herbst desselben Jahres eine Begehung verschiedener Alpen statt.
Sämtliche wurden für Jungviehsömmerung als geeignet taxiert. Die Alp Järflen wurde 1984 erstmals vom Jungviehsömmerungsverein Nesslau-Krummenau beweidet. In den Jahren zuvor hatte Hans Brander diese Alp mit Kühen bestossen, befand aber den bis anhin getätigten Nideltransport zu Fuss zur Lütisalp als zu kompliziert. Die Geschäftsprüfungskommission beging den «Nidelweg» und folgerte daraus, dass man auf diesem halsbrecherischen Weg wahrlich keinen Liter Nidel tragen würde.

Die Wandergruppe folgte den ausführlichen Erläuterungen von Bruno Wickli von der Kreisalpenkorporation und von Christian Lieberherr, Präsident der Jungviehsömmerung Nesslau-Krummenau, gespannt. Und trat im Anschluss den Rückweg zum Alpzimmer Friessen an, wo der Abschlusshöck folgte.
Mist statt Gülle an der Nordlage
Chläus und Fränzi Roth aus Nesslau haben auf der Alp Friessen 2024 einen geräumigen Anbindestall gebaut. «Die Planung dauerte mehrere Jahre und verschiedene Ämter liessen unsere Nerven während dieser Zeit ziemlich anspannen. Jetzt aber haben wir Freude an diesem Werk und fühlen uns wohl», sagen sie.
Rund 50 Plätze bietet der Stall, davon 26 für Kühe. Beim Bau wurde darauf geachtet, möglichst viel Mist zu produzieren. Dieser eigne sich angesichts der Nordlage der Alp Friessen für den Weideboden besser als Gülle.

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