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Keine Demo durch die Stadt, aber eine Kundgebung: Das ist der feministische Streik in St.Gallen

Zum achten Mal ruft das Kollektiv «feministischer Streik St.Gallen» zum Handeln auf. Die Forderungen sind die gleichen, doch die Aktion verläuft dieses Jahr anders.
Vergangenes Jahr marschierten die Demonstrierenden durch die Innenstadt. (Bild: Ralph Ribi)
Vergangenes Jahr hat unter anderen Komikerin Reena Krishnaraja an der Kundgebung gesprochen. (Bild: Ralph Ribi)

27 Femizide in der Schweiz im vergangenen Jahr. Die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs an zahlreiche Personen in den Epstein-Files. Der Fall Collien Fernandes. «Üs langets!»: So lautet das Motto des diesjährigen Feministischen Streiks St.Gallen. Er soll sichtbar machen, dass Erschöpfung, Gewalt und Ungleichheit für Frauen und queere Menschen keine Einzelfälle sind, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems. Dies schreibt das Kollektiv «Feministischer Streik St.Gallen» in einer Mitteilung.

Diese Forderungen vertritt das Kollektiv: faire Löhne – faire Renten, Schutz vor Diskriminierung, Gewalt und Sexismus sowie Recht auf Selbstbestimmung und Gesundheit. Es sind die gleichen wie in den vergangenen Jahren. «Leider sind sie noch immer aktuell», sagt Alice Froidevaux im Namen des Kollektivs.

Dieses Jahr stellt das Kollektiv die Erschöpfung ins Zentrum. Dazu gehört laut Froidevaux Erschöpfung wegen der ständigen Bedrohung durch geschlechtsspezifische oder häusliche Gewalt, aber auch die unbezahlte und unsichtbare Care-Arbeit sowie der sogenannte Mental-Load, die mentale Belastung, die viele Frauen im Alltag tragen.

Ein ganzes Streik-Wochenende

Um den Forderungen Ausdruck zu verleihen, ruft das Komitee zum achten Streik auf. Doch dieses Jahr in etwas anderer Form. Denn der 14. Juni – das traditionelle Datum des Streiks – fällt auf einen Sonntag. «Uns war wichtig, den 14. Juni als Datum beizubehalten», sagt Froidevaux. «Aber am Sonntag durch die leere Innenstadt zu marschieren, hätte wohl nicht so viel Effekt.»

Ursprünglich sei am Samstag lediglich ein Infostand in der Innenstadt angedacht gewesen. «Doch wir haben so viele kreative Menschen im Kollektiv», sagt Froidevaux. So sei ein ganzes Streik-Wochenende entstanden. Am Samstag, 13. Juni, gibt es auf dem Bärenplatz Raum für Erholung. Dazu gehören eine Ruheoase, ein Infostand und Performances. «Eine Gruppe aus dem Kollektiv hat ein Streiklied geschrieben», sagt Froidevaux. Am Abend folgen um 20 Uhr ein feministisches Soliquiz in der Grabenhalle, und um 22 Uhr ein Konzert. Die deutsche Pop-Band Paulinko und das Schweizer Duo Capslock Superstar stehen auf der Bühne.

Frustration und  Wut zum Ausdruck bringen

Am eigentlichen Streiktag gibt es keine Demo durch die Stadt, trotzdem ist die Ankündigung des Kollektivs klar: «Wir sind laut!» Geplant sind eine Kundgebung, Glace und Getränke sowie ein Daydance im Stadtpark St.Gallen. Froidevaux erklärt: Beim feministischen Streik gehe es immer um eine Mischung. Einerseits darum, die Frustration und Wut über Missstände und Ungerechtigkeiten zum Ausdruck zu bringen. Andererseits um das Positive, darum, einen Raum zu schaffen, um zusammenzukommen.

Vergangenes Jahr hat unter anderen Komikerin Reena Krishnaraja an der Kundgebung gesprochen. (Bild: Ralph Ribi)

So sprechen an der Kundgebung Personen vom Frauenhaus St.Gallen, von Aida Bildung & Begegnung, vom LGBTQIA+-Treff otherside, von Omas gegen Rechts sowie Lydia Wenger, SP-Co-Fraktionspräsidentin im St.Galler Stadtparlament und Noemi Grütter, Menschenrechtsaktivistin. Die Musik kommt von DJ Gruenfunkel aus St.Gallen und DJ Pa-Tee aus St.Gallen.

Auch im Thurgau wird gestreikt. Organisiert von der SP Thurgau, den SP Frauen Thurgau und dem feministischen Streikkollektiv Thurgau findet der Streik am 14. Juni in Kreuzlingen statt.

Care-Streik im kommenden Jahr

Grösser wird der Anlass im kommenden Jahr, kündigt das Kollektiv an. Die feministischen Streikkollektive rufen schweizweit zu einem überregionalen Care-Streik am 14. Juni 2027 auf. Initiiert vom Zürcher Kollektiv und unterstützt vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund wollen die Kollektive in der ganzen Schweiz ein Zeichen gegen die Selbstverständlichkeit der Care-Arbeit setzen.

 
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