«Ans Aufgeben habe ich nie gedacht»: So geht es dem Cupfinal-Pilger nach 130 Kilometern
Sie sind seit fünf Tagen unterwegs. Wie geht es Ihnen?
Psychisch geht es mir sehr gut. Ich bin wirklich überrascht, wie reibungslos alles läuft. Auch mein Körper macht gut mit: Normalerweise mache ich täglich etwa 8000 Schritte, in den letzten Tagen waren es immer über 30'000. Das macht mich stolz.
Haben Sie schon Blasen an den Füssen, wie Sie vor Ihrer Abreise befürchtet hatten?
Ich habe seit dem ersten Tag Blasen an den Fersen, aber mit Blasenpflastern ist das nicht so schlimm. Ausserdem bereitet mir der linke kleine Zeh ein wenig Kummer - der blutet nämlich. Aber ich muss ehrlich gestehen: Jeden Tag ab der vierten Stunde schmerzen die Füsse. Dann ist jeder Schritt schon fast eine Qual.
Sind Sie also kurz vor dem Aufgeben?
Nach dem zweiten Tag habe ich bereits gemerkt, dass es echt happig werden könnte. Aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Ganz im Gegenteil: Die Vorfreude steigt von Tag zu Tag. Ich kann es kaum erwarten, endlich in Bern anzukommen – mittlerweile habe ich auch schon mehr als die Hälfte geschafft und habe das Ziel vor Augen.
Macht Ihnen das Laufen Spass?
Ja, es ist wirklich spannend. Am Morgen weiss ich oft noch gar nicht, wo genau ich durchlaufen werde. Ich tippe bei Google Maps einfach ein Dorf ein, von dem ich weiss, dass es ungefähr auf meiner Route liegt, laufe eine halbe Stunde – und schaue dann weiter. Manchmal komme ich an eine Stelle und denke: Muss ich da wirklich durch? Ich folge dann trotzdem der Route – und genau so entdeckt man neue Orte. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Wie vertreiben Sie sich die Zeit, wenn Sie nicht gerade die neue Route suchen?
Ich laufe jeden Morgen gegen 6 Uhr los. Das frühe Aufstehen ist kein Problem, da ich am Abend schon früh kaputt bin und dann auch schlafen gehe. Dann laufe ich meistens ein Stück, gehe einen Kaffee trinken und esse etwas. Während des Laufens höre ich manchmal Musik, Radio oder einen Podcast – ich schaue aber auch oft in der Gegend herum. Wenn ich dann an meinem Tagesziel angekommen bin, massiere und bade ich meine Füsse und gehe ins Bett. Für heute habe ich zum Beispiel eine Nacht auf einem Hof gebucht. Dort kommen mich meine Eltern besuchen und verbringen noch den Abend mit mir. Die bislang überraschendste Begegnung hatte ich aber am Dienstag.
Erzählen Sie.
Ich bin durch Zürich gelaufen und dann hat ein Kollege mir geschrieben. Er wollte meinen genauen Standort wissen. Ich habe ihm diesen mitgeteilt und rund 20 Minuten später fährt er an mir vorbei. Er hatte in der Nähe einen Geschäftstermin. Wir waren dann noch ein Bier trinken.
Ausserdem wurde ich von einem Mann angesprochen, der in der Zeitung von mir gelesen hatte. Er meinte, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe. Ein anderer hat mich dann noch gefragt, wieso ich nicht mit dem Fahrrad fahre, das sei ja entspannter.
Sie wollen am Samstagabend in Bern ankommen. Was steht ab dann auf dem Programm?
Einige meiner Freunde sind dann schon in Bern, mit ihnen werde ich den Abend verbringen. Im Stadion selbst bin ich aber alleine – wir haben es nicht geschafft, Tickets im gleichen Sektor zu bekommen. Aber das macht nichts: Um mich herum werden ohnehin alle in Grünweiss sein. Und nach dem Match treffe ich meine Freunde an der Siegesfeier auf dem Marktplatz – hoffentlich!
Sie wollten beim Fanmarsch mitmachen. Sind Sie immer noch dieser Meinung?
Ja, definitiv. Also diese paar Meter bekomme ich dann auch noch hin.
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