Werdenberger EVP-Urgestein Hans Oppliger verlässt die kantonale Politbühne
Man werde den EVP-Politiker als wohltuenden Ruhepol im permanenten Geplänkel der Grossparteien im St.Galler Kantonsrat vermissen. Eigentlich habe der bärtige Bienenzüchter aus Frümsen nie so recht in die hektische und leicht wichtigtuerische Atmosphäre in der Pfalz gepasst. Das schrieb unsere Zeitung 2016 über Hans Oppliger. Der Werdenberger EVP-Mann hatte damals nach 14 Jahren im Kantonsrat die Wiederwahl um vier Stimmen verpasst. Vier Jahre später schaffte er ein sensationelles Comeback.
Nun tritt der freundliche und zurückhaltende Parlamentarier aus freien Stücken zurück: Am Mittwoch gab er zum Ende der Herbstsession seinen Abschied bekannt. «Voller Freude und auch mit Erleichterung» trete er nach 20 Amtsjahren zurück, lässt er verlauten. «Ich wende mich neuen Aufgaben zu – in unserer Region, in der Schweiz, aber auch in anderen Ländern. Es gibt noch so viel zu tun auf dieser Welt!»
Umweltpolitiker, Brückenbauer und Ukraine-Nothelfer
Die EVP würdigt Oppliger in ihrer Medienmitteilung als Panaschierkönig und vielfach ehrenamtlich engagierten Politiker, der seine Leistungen selber nicht gerne hervorstreiche. Doch habe er einiges zum Wohl der Region und des Kantons beigetragen, etwa im Aufbau des Instituts für Energiesysteme an der Fachhochschule in Buchs oder im Engagement für das «Nussdorf» Frümsen und das Werdenberg als Region «mit einer grossen Vielfalt genetischer Ressourcen von Kulturpflanzen».
Landwirtschafts- und Umweltthemen lagen dem Agronomen besonders am Herzen. Und im Kleinen wie im Grossen bemühte er sich stets um den Dialog und die Friedensförderung. Sein jüngst grösstes und bekanntestes Engagement gilt der Ukraine: Nur drei Tage nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs organisierte Oppliger mit Freunden umfangreiche Hilfstransporte aus dem St.Galler Rheintal ins bedrängte Land – der Verein Humanitäre Nothilfe Ukraine ist seit vier Jahren unermüdlich aktiv.
Die Fraktion mit der CVP lanciert
Präsidiert wird der Ukraine-Nothilfeverein von Jürg Trümpler, den Oppliger 2002 im Kantonsrat (damals noch Grosser Rat) abgelöst hatte. Auch auf politischer Ebene erwies sich Hans Oppliger als Brückenbauer: Als EVP-Kantonalpräsident (2012 bis 2017) lancierte er die engere Zusammenarbeit mit der CVP (heute Die Mitte), um in einer gemeinsamen Fraktion die lösungsorientierte Mitte im Kantonsrat zu stärken.
Sein Nachfolger im Rat ist der in Buchs wohnhafte Grabser Timon Hofmänner, 30 Jahre jünger und auf dem Berufsweg zum Fachmann Finanz- und Rechnungswesen.
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