Eine Motorsportlegende hat seine letzte Reise angetreten: Emil «Migg» Bollhalder ist verstorben
Emil «Migg» Bollhalder, eine Toggenburger Motorsport-Legende ist nicht mehr. Er ist am 30. August in einem Alters- und Pflegeheim in Uzwil mit 77 Jahren an Parkinson gestorben.
Bollhalder wohnte bis zu seinem 17. Lebensjahr in Krinau oberhalb vom Lichtensteig. Fernab vom Motorsport. Im benachbarten Bütschwil gab es damals das Motorradgeschäft von Martin Eisenring. An jenem Ort, an dem heute das American Bikes von James Müller beheimatet ist. Im Geschäft stand in jenen Jahren ein grüner Sandbahn-Seitenwagen der Marke Norton. An den schulfreien Tagen, in den Ferien und am Wochenende drückte der kleine Emil am Schaufenster jeweils die Nase flach und träumte von einer Karriere im Motorsport. Damals wusste er noch nicht, dass er eines Tages einer der grössten Schweizer Seitenwagen-Motocross-Fahrer werden sollte.
Nach der Schule absolvierte er seine Lehre als Maschinenmechaniker bei der Firma Heberlein in Wattwil. Seine Genauigkeit war schnell ersichtlich. Andere suchten das Werkzeug erst, als sie es brauchten. Emil Bollhalder machte zuerst alles bereit und begann dann mit der Arbeit. Er war in seiner Zeit einer der besten Heberlein-Lehrlinge. Diese Eigenschaften kamen ihm auch in späteren Jahren als Rennfahrer zugute.
Erfolg - die Summe aller Anstrengungen - stand Ende 1982 in den Zeitungen. Wegen seiner immer peniblen Maschinen-Vorbereitung nannte man ihn Weltmeister der Genauigkeit. Präzision und Disziplin. Das waren seine überragenden Stärken. Das sei am Anfang nicht so gewesen, pflegte er jeweils zu sagen und lachte verschmitzt dazu.
Bollhalder galt anfangs nämlich als Kamikazefahrer. Wegen seiner ungestümen, rüpelhaften, frechen Fahrweise drohte man ihm sogar mit Startverbot und einem Lizenzentzug. Die Einsicht zur Besserung sollte sich dann auszahlen. Der Verstorbene war der erste Schweizer Motocross-Weltmeister. Mit seinem Passagier Charly Büsser (Weltmeister 1982 und 1983) ist der bis zuletzt in Lütisburg wohnhafte Toggenburger bis heute immer noch der einzige St.Galler Motorsport-Weltmeister.
Mit seinem Bruder Roland Bollhalder gewann er 1979 die letzte Seitenwagen Motocross-Europameisterschaft. Damit ist er der einzige Schweizer, der sowohl Europameister als auch Weltmeister wurde. In 132 internationalen Rennen holte er 22 Siege und 52 Podestplätze. Dazu wurde er zusammen mit Charly Büsser 1982 und 1983 Schweizermeister.
Siege wurden entsprechend gefeiert. Seine nächtlichen Eskapaden im Festzelt bis in die frühen Morgenstunden machten ihn zum Publikumsliebling. Mit seinem lausbübischen Lachen auf dem Siegerpodest eroberte er die Herzen der Frauen. Damals hatten Motocross-Rennen in Frauenfeld, Rothenthurm oder Feldkirch bis zu 40'000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Auf dem Höhepunkt beendeten Emil Bollhalder und Charly Büsser ihre erfolgreiche Karriere.
Die Abdankung von Emil Migg Bollhalder findet am Donnerstag, 17. September, 10 Uhr, in der katholischen Kirche in Lütisburg statt.
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