Churfirsten-Höhenfeuer leuchten fast nie am 1. August – und heuer vielleicht erst im September
Es hat sich in den vergangenen Jahren zu einer schönen Tradition entwickelt: Im Juli schultern Wandersleute Holzscheite, die am Fusse jedes Churfirsts in einem Depot bereitliegen. Die «Schitli» werden mit Muskelkraft auf die sieben Toggenburger Aushängeschilder getragen. Daraus ergeben sich am Nationalfeiertag auf den Gipfeln Höhenfeuer. Was im Jahr 2020 als einmaliger Anlass zum 150-Jahr-Jubiläum des SAC Toggenburg gedacht war und durchgeführt wurde, findet seit dem Jahr 2022 jährlich statt. Mittlerweile zeichnet die Organisation Toggenburg Tourismus verantwortlich.
Festzuhalten ist aber: In den fünf Anläufen seit 2022 brannten die Feuer noch nie am 1. August. Noch jedes Mal musste die Aktion verschoben werden, weil das Wetter am Nationalfeiertag nicht mitspielte oder anhaltende Trockenheit herrschte. Die Spannweite der Ersatzdaten ist gross. Im Jahr 2023 wurden die Feuer schon am Abend des 31. Juli entzündet, da sich für den 1. August eine Schlechtwetterfront angesagt hatte. 2024 war es am 5. August soweit, im Jahr danach am 8. August.
Es braucht nun regnerisches und trockenes Wetter
Der bisher späteste Termin war im Jahr 2022, als am 21. August die sieben Höhenfeuer brannten. Auch in jenem Jahr herrschte, wie heuer, Trockenheit in der ganzen Ostschweiz. Der Kanton hatte damals ein Feuerwerksverbot im Wald und in Waldnähe ausgesprochen. Da es auf den Churfirstengipfeln keine Bäume gibt, hätte man die Feuer am 1. August entzünden dürfen. Doch die Verantwortlichen entschieden sich aus freien Stücken dagegen, um keine Grundsatzdiskussion auszulösen.
Und dieses Jahr? Seit mehr als einem Monat besteht im ganzen Kanton St.Gallen ein totales Feuer- und Feuerwerksverbot. Das verhindert auch die Höhenfeuer. Damit diese dereinst doch noch brennen können, muss zuerst dieses Verbot aufgehoben werden. Danach ist schönes Wetter nötig, damit die Anzündeteams sicher auf die Churfirsten und wieder zurück gelangen. Es braucht nun also regnerisches und trockenes Wetter – in der richtigen Reihenfolge.

Nächste Lagebesprechung noch diese Woche
Nach dem Regen von Montag und weiteren angekündigten Schauern in der zweiten Wochenhälfte stellt sich die Frage, wie lange das kantonale Feuerwerksverbot aufrechterhalten wird.
Luca Ghiselli, Sprecher des Kantons St.Gallen, sagt auf Anfrage dieser Zeitung: «Es braucht lang anhaltende und intensive Niederschläge, um die Situation zu entspannen und Lockerungen des absoluten Feuerverbots zu ermöglichen.» Die Fachleute des Kantons würden die Situation fortlaufend beobachten und eine nächste Lagebesprechung erfolge noch diese Woche. «Sollte eine Aufhebung oder eine Lockerung des Verbots beschlossen werden, könnte dieses frühestens Ende Woche in Kraft treten. Ob das möglich ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht abschätzen», sagt Ghiselli.
Heisst auch: Die Höhenfeuer werden dieses Jahr so spät wie noch nie brennen. Wenn es nicht bald intensiv regnet, dann allenfalls auch erst im September. Bleibt zu hoffen, dass die Holzscheite auf über 2200 Höhenmetern nicht zuerst aus dem Schnee gebuddelt werden müssen.

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