Dieselgeruch und über 400 Landmaschinen, die ihre Geschichten erzählen
Ein amerikanischer Truck rollt auf das Ausstellungsgelände des Oldtimer-Landmaschinentreffens in Brunnadern. Auf seiner Ladefläche steht ein knickgelenkter McCormick-Traktor. Der Fahrer steigt aus und fragt vorsichtig, ob er sein ungewöhnliches Gespann ebenfalls ausstellen dürfe. Wegen der Coronapandemie habe er seine «Herzensangelegenheit» schon lange nicht mehr präsentieren können.
Er darf. Der Mann ist sichtlich erleichtert. Sein Truck und der McCormick werden Teil einer Ausstellung, die längst mehr ist als ein Treffen alter Landmaschinen. Sie ist ein Ort, an dem Technikgeschichte lebendig wird und Menschen ihre gemeinsame Leidenschaft teilen.
Von der kleinen Ausstellung zum Grossanlass
Seit 23 Jahren bringen jeden September technikbegeisterte Besitzerinnen und Besitzer ihre liebevoll restaurierten Landmaschinen nach Brunnadern. Maschinen, in denen oft unzählige Stunden Arbeit, Fachwissen und handwerkliches Können steckt.
Begonnen hat alles in überschaubarem Rahmen hinter dem Restaurant Löwen im Spreitenbach. Die Fahrzeuge standen damals in einem Halbkreis. Heute folgt die Ausstellung einem durchdachten Konzept: Am Hang präsentieren sich die Einachser und Transporter, davor stehen die Traktoren.
Bei schönem Wetter versammeln sich inzwischen mehr als 400 Landmaschinen aus verschiedenen Epochen. Dieses Wochenende waren es rekordverdächtige 500 Fahrzeuge. Nur das Wetter kann dem Aufmarsch Grenzen setzen. 2024 sorgte nasskalte Witterung für deutlich weniger Ausstellungsobjekte. Dafür wurde etwas weniger Diesel und etwas mehr Kaffee verbraucht – gelegentlich auch mit zusätzlichem «Frostschutz».
Wenn Maschinen Geschichte erzählen
Wer durch die Reihen geht, entdeckt nicht einfach alte Traktoren. Hinter vielen Maschinen verbergen sich überraschend ausgeklügelte technische Lösungen. Da sticht der Hürlimann aus dem Jahr 1931 ins Auge. Sein ungewöhnliches Design fällt sofort auf. Der französische Bernard-Benzinmotor leistet zehn PS – zwei mehr als das Vorgängermodell von 1929, von dem 120 Exemplare gebaut wurden.

Oder der Bührer-Traktor aus dem Zweiten Weltkrieg. Wegen des Mangels an Benzin und Diesel mussten Fahrzeuge mit Holzvergasern betrieben werden. Nach Angaben des Besitzers durften dafür verschiedene Harthölzer verwendet werden, mit Ausnahme der Eiche. Diese gab zu viel Teer ab und konnte die Ventile des bereits 40 PS starken Ford-Motors verkleben. Auch das nach vorne gerichtete Rohr mit dem Kreuz im Innern ist bemerkenswert. Es sollte die austretende Flamme abreissen und verhindern, dass der Traktor in Brand geriet.
Solche technischen Besonderheiten gibt es viele. Die Besitzer erzählen bereitwillig von ihren Maschinen und deren Geschichte. Viele dieser Lösungen entstanden einst in heimischen Werkstätten. Entwickelt wurde, was die Landwirte brauchten, und gebaut wurde dort, wo das nötige Wissen und Können vorhanden waren.
2020 stand das Treffen vor dem Aus
Dass es das Landmaschinentreffen heute überhaupt noch gibt, ist nicht selbstverständlich. 2020 überlegten die damaligen Organisatoren, den Anlass aufzugeben. Franz Landolt, Anton Bühler und Fredy Bleiker, entschlossen sich jedoch, ihn weiterzuführen – ausgerechnet während der Coronapandemie.
Trotz der schwierigen Bedingungen holten sie die erforderliche Bewilligung der Gemeinde ein und wagten den Neustart. Statt der erwarteten 300 Besucherinnen und Besucher kamen rund 1000 Menschen nach Brunnadern. 420 Fahrzeuge wurden ausgestellt. Und mittendrin tauchte jener Mann mit seinem amerikanischen Truck und dem McCormick-Traktor auf.
Die Geschichte steht stellvertretend für die Stimmung dieses Treffens: Nach Monaten der Einschränkungen wollten die Menschen wieder hinaus, andere treffen, miteinander reden und ihre Leidenschaft teilen.
Bemerkenswert ist, wie unkompliziert das Treffen geblieben ist. Wer seine alte Landmaschine ausstellen möchte, muss sich nicht anmelden. Eine Standgebühr gibt es ebenfalls nicht. Im Gegenteil: Wer mit seiner Maschine kommt, erhält sogar eine Bratwurst.
Möglich ist das vor allem dank des freiwilligen Engagements vieler Helferinnen und Helfer. Neben den Einnahmen aus der Festwirtschaft sind die Organisatoren deshalb auch auf Sponsoren angewiesen.
Ein Stück Technik- und Dorfkultur
Beim Anlass in Brunnadern geht es um alte Technik – aber längst nicht nur darum. Es geht um Menschen, die ihr Wissen weitergeben, um Maschinen vergangener Generationen, handwerkliches Können und Erfindergeist, und natürlich um Geselligkeit.
Auffallend ist auch die Disziplin der Besucherinnen und Besucher. Obwohl jedes Jahr zahlreiche Menschen das Treffen besuchen, ist Littering kaum ein Thema. Das Ausstellungsgelände wird respektiert, Abfälle werden entsorgt und am Ende des Tages bleibt vor allem der Eindruck eines friedlichen, unkomplizierten Anlasses, bei dem gegenseitige Rücksichtnahme selbstverständlich ist.
Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.


