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Borkenkäfer schlagen wieder zu: Warum Förster in der Ostschweiz jetzt besonders wachsam sind

Nach einem vergleichsweise ruhigen Start ins Jahr steigt der Borkenkäferbefall in Teilen der Ostschweiz wieder an. Der heisse und trockene Sommer hat die Fichten geschwächt.
von Annik Schwerzmann
Wegen des Borkenkäferbefalls musste in Romanshorn auf einer Fläche von rund einer Hektare sämtliches Holz gefällt werden. (Bild: Michel Canonica)
Bild: Michel Canonica
Der Thurgauer Revierförster Benjamin Suter im Romanshorner Wald. (Bild: Michel Canonica)

Romanshorn musste kürzlich wegen Borkenkäfern eine Fläche von etwa einer Hektare abholzen. «Eigentlich hatten wir dieses Jahr vergleichsweise tiefe Befallszahlen, doch seit den Sommerferien haben wir vermehrt Befälle festgestellt», sagt der zuständige Revierförster Benjamin Suter. Bisher habe man etwa 480 Kubikmeter Holz fällen müssen (das entspricht etwa 300 bis 400 Bäumen). Das seien etwa hundert Kubikmeter mehr als der Durchschnitt der vergangenen Jahre zum gleichen Zeitpunkt.

«Die Fichten müssen auch in diesem Jahr aufmerksam beobachtet werden, denn aufgrund des heissen und sehr trockenen Wetters diesen Sommer ist das Befallsrisiko durch den Borkenkäfer wieder deutlich gestiegen», warnte der Kanton Thurgau kürzlich in einer Mitteilung.

Grosse regionale Unterschiede

Die regionalen Unterschiede sind allerdings gross. So teilt beispielsweise Martin Attenberger, kantonaler Oberförster von Appenzell Innerrhoden, mit, dass in diesem Jahr erstaunlich wenige Käfer in den 14 kantonalen Monitoring-Fallen festgestellt wurden. Die Borkenkäferpopulation werde ausserdem von der Ausgangspopulation im Frühling beeinflusst. Da die Befälle in den vergangenen Jahren aufgrund der nicht so heissen Sommer relativ gering ausfielen, war die Population im Frühling bereits kleiner als in den Jahren zuvor.

Bild: Michel Canonica

Auch Beat Fritsche, der Oberförster des Kantons Appenzell Ausserrhoden, betont, dass in den vergangenen zwei Jahren nur sehr wenige Befälle festgestellt wurden. «Die Buchdruckerpopulation befand sich auf einem sehr tiefen Niveau», sagt er. Der Buchdrucker ist die in der Ostschweiz am häufigsten vorkommende Borkenkäferart. Er ist ein bedeutender Forstschädling, in der Schweiz heimisch und befällt hauptsächlich Fichten.

Dass aufgrund der tieferen Ausgangspopulation relativ weniger Käferholz festgestellt wurde, kommt also nicht von ungefähr. Dennoch überrascht es: Die anhaltende Trockenheit und die Hitzeperioden haben den Bäumen nachhaltig geschadet. Der Vitalitätszustand der Bäume habe einen grossen Einfluss auf das Ausmass des Käferbefalls, sagt Martin Attenberger. Seien die Bäume grundsätzlich schon geschwächt oder gar krank, sei das wortwörtlich ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer.

Wärme hilft dem Borkenkäfer

Ein weiterer Faktor, der einen starken Käferbefall begünstige, sei die Temperatur. «Etwa 18 Grad werden benötigt, bis die Borkenkäfer überhaupt fliegen, und zwischen 20 und 30 Grad kann man dann von optimalem Flugwetter sprechen», sagt Attenberger. Dabei gilt: Je wärmer, desto intensiver fliegen die Käfer.

«Aufgrund der hohen Temperaturen wird dieses Jahr mehr Schadholz erwartet als in den Jahren zuvor», sagt Raphael Lüchinger, stellvertretender Kantonsberförster des Kantons St.Gallen. Bis jetzt könne aber noch keine Bilanz gezogen werden, kantonale Zahlen werde es wahrscheinlich erst im Winter geben. Es sei jedoch wichtig anzumerken, dass auch die Unterschiede innerhalb des Kantons beträchtlich seien. Als Beispiel: Die Wälder der Stadt St.Gallen liegen einige Hundert Höhenmeter höher als etwa diejenigen der Stadt Wil, und auch die Böden seien in der Gallusstadt deutlich speicherfähiger. Dies helfe den Fichten unter anderem bei der Harzproduktion. Harzfluss wiederum ist ein wichtiger Abwehrmechanismus der Fichte gegen Borkenkäfer.

Der Herbst entscheidet

Der Thurgauer Revierförster Benjamin Suter ist gleicher Meinung wie Lüchinger. Es lasse sich nicht sagen, wie viel befallenes Holz in den nächsten Monaten noch zu erwarten sei. Klar sei allerdings: Wenn die Temperaturen weiterhin relativ hoch bleiben, hilft das dem Borkenkäfer. Dann seien bis in den Dezember hinein noch Schäden zu entdecken.

Nun gelte es, das geschädigte Holz zu fällen und aus dem Gebiet zu transportieren, bevor sich der Käfer weiter verbreiten kann. Falls die Temperaturen im Oktober jedoch etwas fallen, müsse man sich aber nicht mehr so beeilen, da sich die Käferpopulation nicht mehr gross weiterentwickeln werde.

Der Thurgauer Revierförster Benjamin Suter im Romanshorner Wald. (Bild: Michel Canonica)

Auch Raphael Lüchinger sagt: «Je schneller das Holz gefällt und verarbeitet wird, desto besser.» Ansonsten könnten die Käfer erneut ausfliegen. Wenn die Temperaturen wieder etwas sinken und die Käfer im Baum überwintern, könne man die Fichten bis in den Winter hinein stehen lassen. Das gelte jedoch nur, solange das Holz nicht wirtschaftlich weiterverwendet wird. Soll es beispielsweise in eine Sägerei, so müsse das befallene Holz schnellstmöglich aus dem Wald gebracht werden, da die Holzqualität mit der Zeit stark abnehme.

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/borkenkaeferbefall-steigt-in-der-ostschweiz-wieder-an-art-761374

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