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«Unterricht ist Beziehungsarbeit, die lässt sich nicht digitalisieren»: Nach 21 Jahren geht der Rektor der Wattwiler Berufsschule in Pension

Der frühere Journalist Matthias Unseld unterrichtete auch während seiner Zeit als Rektor des BWZT immer Klassen. Rückblickend sagt er, worauf er besonders stolz ist und was die drängenden Fragen für den Unterricht der Zukunft sind. Sein Nachfolger ist bereits bekannt.
Matthias Unseld zieht aus seinem Büro aus und geht in Pension. (Bild: zvg)
13 Leistungssportlerinnen und Leistungssportler des BWZT besuchten im Frühling das «Sportpanorama». (Bild: zvg)
Hier errichtet der Kanton St. Gallen bis 2030 den Campus. Die Berufsschule links der Thur wird saniert und erweitert. Auf dem Sportplatz rechts wird die Kantonsschule neu gebaut. (Bild: Josef Bischof)

Im Spätsommer 2003 stiess Matthias Unseld als Lehrer für den allgemeinbildenden Unterricht (ABU) zum Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg (BWZT). Nach 21 Jahren – 9 davon als Rektor – geht Unseld in Pension.

«Mir war es immer ein persönliches Anliegen, die Lernenden zu befähigen, aktuelles einzuordnen und einen persönlichen Nutzen für die eigene Zukunft aus Informationen herauszufiltern», wird der frühere Journalist und Redaktionsleiter einer regionalen Zeitung in einer Mitteilung des BWZT zitiert.

Weil er den Austausch mit den Jugendlichen im Klassenzimmer immer schätzte, habe er auch nach seiner Wahl zum Rektor jeweils eine Klasse unterrichtet. Im März 2015 übernahm Unseld den Führungsstab von seinem Vorgänger Fredy Huber.

Die Qualität des Unterrichts lasse sich nicht allein an der Quote der erfolgreichen Abschlüsse ablesen, so Unseld. «Lehren und Lernen hat mit Beziehung zu tun, mit Pädagogik, Emotionen, hohen Erwartungen der Eltern, unterschiedlicher betrieblicher Begleitung und vielen weiteren Einflussfaktoren.»

Lernende und Lehrende treffen sich auf dem «Dorfplatz»

Trotz 1200 Lernenden in der Grundbildung und zahlreichen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern in der Weiterbildung habe er BWZT stets als familiär empfunden, sagt Unseld. «Es herrscht ein Klima von Respekt und Anstand.» Die Mensa vergleicht er mit einem Dorfplatz, auf dem «ein reger Austausch zwischen Lernenden, Lehrpersonen und Mitarbeitenden stattfindet».

Aus der Sicht des scheidenden Rektors ist Wattwil «ein idealer Standort für eine Berufsfachschule». Die Gemeinde sei für alle Anreisenden günstig gelegen, in der Umgebung «fernab städtischer Hektik» träfen Tradition und Moderne aufeinander.

Die Beziehung zu den Lernenden habe ihn jung gehalten, sagt Unseld. Er betont die Wichtigkeit des Lebensabschnitts für die Schülerinnen und Schüler. «In der Zeit der Berufslehre machen die Lernenden eine wichtige Persönlichkeitsentwicklung durch, vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen.»

13 Leistungssportlerinnen und Leistungssportler des BWZT besuchten im Frühling das «Sportpanorama». (Bild: zvg)

Schliesslich seien sie am Ende der Ausbildung selbstständige Berufsleute. «Sie meistern Krisen, ihr Durchhaltewillen wird gefördert. Gerade im letzten Semester, wenn die Perspektive zum Abschluss in greifbare Nähe rückt, machen sie noch einmal einen grossen Schritt.»

Im Schulzimmer hat sich im Zuge der Digitalisierung einiges verändert. Heute bringen die Lernenden ihre persönlichen Geräte mit, jeder bekommt Office 365. «Der Laptop hat die Funktion des Notizbuchs und des persönlichen Lehrmittels übernommen», sagt Unseld. Auch ein Smartphone würden alle brauchen - hier sei auch das Potenzial für Ablenkung gross. Trotz digitaler Lernpfade betont Unseld: «Erfolgreicher Unterricht ist nach wie vor Beziehungsarbeit, und diese lässt sich nicht digitalisieren.»

Die Energieakademie Toggenburg als «Leuchtturm»

«Meine Zeit am BWZ Toggenburg war in vielen Facetten faszinierend», zieht Matthias Unseld Bilanz. Stolz sei er etwa auf die Gründung der Energieakademie Toggenburg in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Energietal Toggenburg. Die Energieakademie geniesse heute schweizweit Anerkennung im Bereich der erneuerbaren Energien.

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Schule, Ausbildungsbetrieben, Gewerbe- und Arbeitgeberverband, Gemeindevertretern und Kantonspolitiker sei es in seiner Amtszeit zudem gelungen, Wattwil als Bildungsstandort zu stärken, sagt Unseld.

Hier errichtet der Kanton St. Gallen bis 2030 den Campus. Die Berufsschule links der Thur wird saniert und erweitert. Auf dem Sportplatz rechts wird die Kantonsschule neu gebaut. (Bild: Josef Bischof)

Ein weiterer «Leuchtturm» sei das Projekt Campus Wattwil, das 2028 zusammen mit der Kantonsschule Wattwil entstehen soll. Der BWZT-Standort in Lichtensteig wird aufgelöst, und alle Lernenden werden in Wattwil beschult. Er sei überzeugt, «dass damit der richtige Schritt in die Zukunft gemacht wird», sagt Unseld.

Sein Nachfolger als Rektor wird Felix Tschirky. Über ihn sagt Unseld: «Das BWZT bekommt einen ausgewiesenen Kenner der Berufsbildung.» Als drängende Fragen der Zukunft nennt Unseld, dass vermehrt Handlungskompetenzen statt reines Wissen vermittelt werden sollen, zudem die weitere Digitalisierung und der Umgang mit künstlicher Intelligenz. (pd/rop)

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/bildung-unterricht-ist-beziehungsarbeit-die-laesst-sich-nicht-digitalisieren-nach-21-jahren-geht-der-rektor-der-wattwiler-berufsschule-in-pension-art-768270

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