Rindstatar vom Beizli, Gefahrenquellen und ein begeisterter Stammgast
Wenn im Frühling die Badi in Lichtensteig ihre Tore öffnet, gehört Fridolin Eisenring zu den Ersten, die sich auf den Weg ans Wasser machen. Mehr als 50-mal pro Saison zieht der ehemalige Stadtammann seine Bahnen – immer einen Kilometer. «Wenn ich am Schwimmen bin, sehe ich nur Grün und Himmel», sagt Fridolin Eisenring mit leuchtenden Augen.
Für den 77-Jährigen ist die «Mini.Badi», so wird das Freibad in der «Mini.Stadt» Lichtensteig genannt, weit mehr als ein Ort zum Schwimmen. Sie begleitet ihn seit fast vier Jahrzehnten – zuerst als Stadtammann, heute als Stammgast.
Schwimmen geht ohne Prothese
Dass Eisenring bis heute fast täglich schwimmt, ist keine Selbstverständlichkeit. Als Neunjähriger wurde sein rechtes Bein nach einem schweren Unfall mit einer Kuh oberhalb des Knies amputiert. Im Wasser spielt das kaum eine Rolle. Die Bewegungen – vor allem mit den Armen – gleichen den Unterschied ganz selbstverständlich aus.
Eisenring sagt: «Schwimmen ist für mich vor allem ein wichtiger Ausgleich und ich fühle mich wohl im Element Wasser.» Gleichzeitig geniesst er einen Moment, den er an Land so nicht erlebt: sich ohne Prothese frei bewegen zu können.
Der Lichtensteiger, er lebt mit seiner Frau an der Oberplattenstrasse, kam 1988 als neu gewählter Stadtammann mit seiner Familie ins Toggenburg. Auch nach seiner Pensionierung als Bischöflicher Kanzler engagiert sich Eisenring vielfältig für die Öffentlichkeit – in Lichtensteig unter anderem als Städtliführer und im Vorstand der Städtlibibliothek.
Kein Rutschbad – das macht den Reiz aus
Als in den 1960er-Jahren der Bau der heutigen Badi geplant wurde, stand die Bevölkerung gemeinsam hinter dem Projekt. Mit viel Engagement wurden Ideen gesammelt und Geld für das neue Freibad beschafft. In einem Beitrag des Schweizer Fernsehens aus dem Jahr 1965 wird über ein Fest zur Finanzierung des neuen Schwimmbads berichtet.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Badi stetig weiterentwickelt. 2002 wurde die Anlage umfassend saniert, dieses Jahr sorgen eine neue Beckenfolie und eine moderne Beckenabdeckung dafür, dass sie auch für die Zukunft gut gerüstet ist.
Sanierung mit Helikopter-Hilfe
Wer diesen Sommer in der Badi Lichtensteig schwimmt, sieht vor allem das frische Becken, die neue Folie und die moderne Abdeckung. Was man nicht sieht: wie viel Planung, Arbeit und Nerven hinter der Sanierung stecken.
Gebaut wurde von Januar bis April 2026. Eine Besonderheit dieser Baustelle: die Lage. Rund 40 Prozent Gefälle, enge Zufahrten, schwere Materialien.
Der eindrücklichste Tag war kurz nach Ostern. Zwei Sattelschlepper brachten Material, das nicht einfach zur Badi hinuntertransportiert werden konnte. Also kam der Helikopter. In rund einer halben Stunde wurden zwölf Flüge gemacht. Auch die neue Abdeckungsfolie kam so in die Badi. Bei schlechtem Wetter wäre der Einsatz nicht möglich gewesen. (nbr)
Fridolin Eisenring freut sich über diese Investitionen. Schon bei der früheren Sanierung setzte er sich für eine langlebige Lösung ein. Einen Wunsch nach einer grossen Erlebnisbadi hat er dagegen nicht. «Ich vermisse kein Rutschbad. Damit hat man eine ruhige Anlage. Perfekt zum Schwimmen», sagt er. Gerade diese Überschaubarkeit mache den Charakter der Badi Lichtensteig aus.
Was Eisenring an der Badi am meisten schätzt, sind die Begegnungen. Viele Gäste kommen aus der Region, andere reisen von weiter her an. Er sagt: «Man lernt neue Menschen kennen, kommt ins Gespräch und trifft bekannte Gesichter wieder.» Für ihn strahlt diese Stimmung weit über den Gartenzaun der Badi hinaus. Im Sommer bringe die Badi Lebensfreude ins Städtli.
Auch die Badi-Beiz gehört für ihn dazu. Er zählt zu den regelmässigen Gästen und feiert dort seinen Geburtstag. Und wenn er einen Wunsch für die Badi freihätte? Dann würde er das Open-Air-Kino zurückbringen, das früher einmal auf der Badiwiese stattfand.
Sie machen den Sommer möglich und genüsslich
Damit ein Baditag reibungslos funktioniert, beginnt die Arbeit viele Stunden, bevor sich die Bevölkerung im Wasser tummelt. Bereits um sieben Uhr startet der Arbeitstag von Christoph Werder und Silke kleine Kalvelage. Gemeinsam mit Sarah Osterwalder sorgt das Badmeister-Team dafür, dass die Badi bereit ist, wenn die ersten Gäste eintreffen.

Für Werder ist es bereits die zweite Saison als Badmeister. Eigentlich kam er eher zufällig zu dieser Aufgabe. Stadtpräsident Mathias Müller sprach ihn einst an und fragte, ob er sich vorstellen könne, in der Badi Lichtensteig zu arbeiten. Der 29-Jährige sagt strahlend: «Schon während der Vorbereitungen für die erste Saison war für mich klar: Das passt!»
Für Silke kleine Kalvelage ist diese Saison eine Premiere. Die 41-Jährige lebt seit viereinhalb Jahren in Lichtensteig und arbeitet als freischaffende Künstlerin. Daneben engagiert sie sich im Living Museum Lichtensteig. «Schon als Kind habe ich Wasser und Schwimmen geliebt. Für meine allererste Demonstration habe ich ein Banner selbst bemalt: ‹Auch wenn die Kassen nicht stimmen – Wir wollen trotzdem Schwimmen!›» Das Schwimmbad, in dem sie ihr Seepferdchen gemacht hatte, sollte geschlossen werden. Das kleine Schwimmbad gibt es heute immer noch und wird von einem Verein von Freiwilligen betreut. Dass sie nun als Badmeisterin arbeitet, fühlt sich für sie also fast wie eine logische Fortsetzung an.
Job ist mehr als Wasseraufsicht
Wer glaubt, Badmeisterinnen und Badmeister verbringen den Tag hauptsächlich am Beckenrand, täuscht sich. Die Technik einer Badi funktioniert wie ein grosses Uhrwerk. Pumpen, Filter und Wasseraufbereitung müssen regelmässig kontrolliert werden. Dazu kommen Reinigungsarbeiten, Gartenpflege und kleinere Unterhaltsarbeiten.
Auch wenn der Alltag abwechslungsreich ist, bleibt die Sicherheit die wichtigste Aufgabe. «Am häufigsten müssen wir Kinder daran erinnern, beim Sprungturm nacheinander zu springen oder mit Schwimmflügeln nicht ins tiefe Wasser zu gehen», sagt Werder. Silke kleine Kalvelage ergänzt: «Wasserattraktionen gehören generell zu den grössten Gefahrenquellen.»
Zukunftsideen aus der Badi-Beiz
Der Arbeitstag von Stella und Rico Ostler, Betreiber-Paar der Badi-Beiz, beginnt meist gegen acht Uhr morgens. Dann werden Blumen gegossen, die Küche vorbereitet, Abrechnungen erledigt und alles für den Tag bereitgemacht. Schon nach ihrem ersten Sommer war klar: Das Beizli soll mehr sein als ein klassischer Badikiosk. «Das Gewöhnliche aussergewöhnlich tun.» Mit diesem Anspruch geht das Paar 2026 in seine zweite Saison. Natürlich gehören Pommes, Hotdogs und Glacé weiterhin dazu. Gleichzeitig wollten sie von Anfang an zeigen, dass auch eine kleine Badiküche Platz für frische Ideen und sorgfältig zubereitete Gerichte bietet.

Nach der ersten Saison wurde die Speisekarte punktuell ergänzt. Neu gibt es beispielsweise Fischknusperli. Andere Gerichte haben sich bereits einen festen Platz erarbeitet. Rico Ostler sagt stolz: «Besonders beliebt ist das Rindstatar.»
Die zweite Saison ist für Stella und Rico Ostler längst nicht das Ende ihrer Ideen. Gemeinsam mit dem Badmeister-Team denken sie beispielsweise über neue Veranstaltungen nach. Ein Paella-Wochenende steht ebenso auf ihrer Wunschliste wie ein Pasta-Buffet. Ob solche Anlässe stattfinden können, entscheidet allerdings oft das Wetter – und das lässt sich bekanntlich nicht planen.
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