Boliden-Heuler statt Bienenhonig
Kommt die Sonne hervor, brummt es draussen wieder gehörig. In Zeiten des Bienensterbens surren aber nicht mehr die Insekten, sondern die Motoren der PS-Boliden. Promenadenstädte wie Rorschach ziehen Autoposer an wie die Blumenwiesen die Bienen. Statt die Biodiversität zu fördern, fordern sie die Geduld der Anwohnenden. Pestizide gibt es aber nur gegen Fliegen, nicht gegen Flitzer.
Die Stadt Rorschach versucht seit Jahren, den gesundheitsschädigenden Lärm der Poser zu reduzieren. Verengungen des Strassenraums, Flüsterbeläge, Verbesserung der Querungen, Messungen, Gutachten. Fazit: Nichts hilft. Die Seestadt würde gerne Tempo 30 einführen. Doch die Betroffenen könnten lauter heulen als die metallenen Motoren, die Politik hört nicht hin. So schränkte die bürgerliche Mehrheit des St.Galler Kantonsrats dieses Jahr die gewünschte Einführung von Tempo-30-Zonen ein.
Was tun, wenn das Motoren-Monster nicht zu bändigen ist? Die Rorschacher Bevölkerung fand bereits Inspiration in Mary Shelleys Roman «Frankenstein». Mit faulem Gemüse und Mehl wehrte sie sich gegen das unmenschlich mächtige Geschöpf, das der Mensch selbst erschuf. Und Stadtpräsident Robert Raths verfolgte es gar mit Leuchtweste und Vespa.
Der Ruf nach Lärmblitzern hallte kürzlich bis nach Bundesbern. Nein, fand jedoch der Bundesrat. Lieber sollen Lärmdisplays her. Wer weiss: Vielleicht verstummen die Boliden tatsächlich nach einem empathisch entgegengebrachten «Psst, Rücksicht. Bitte leiser!». Womöglich brummen dann bald wieder die Bienen – oder die Boliden um die Wette.
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