«Mer müend zämehocke»: Auboden dominiert das Duell ums Neckertaler Gemeindepräsidium
Es war vor allem Bruno Schweizer, der Kandidat der SVP für das Präsidium der Gemeinde Neckertal, der den Vertrauensverlust gegenüber der Behörde brandmarkte. Er kritisierte, der Gemeinderat habe im Zusammenhang mit der beabsichtigten Unterbringung von 150 Flüchtlingen im Zentrum Auboden die Diskussion verweigert und den vorgeschlagenen runden Tisch nicht durchgeführt. Michael Ledergerber, sein Mitte-Kontrahent für die Wahl zum Gemeindepräsidenten, gehört seit vier Jahren dem Gemeinderat an. Er widersprach ihm nicht, forderte aber einen respektvollen Umgang im politischen Diskurs. Flurin Schmid, Präsident FDP Toggenburg, leitete das Podium.
Das weit über das Toggenburg hinaus diskutierte Flüchtlingszentrum Auboden stand anfänglich nicht im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion. Aber mit der ersten Frage aus dem Publikum nach der Grösse des Vertrauensverlustes wurde es in den Fokus gerückt. Bruno Schweizer war aufgefordert, Stellung zu nehmen. Er führte die Zahl von 750 Personen an, welche einen offenen Brief an den Gemeinderat unterschrieben hatten. Weder auf diesen Brief, noch auf den Bürgerentscheid, die Anstösserfamilien des Zentrums in ihrem Streit finanziell zu unterstützen, habe sich der Gemeinderat kontaktbereit gezeigt. Bruno Schweizers Rezept für die Zukunft: «Es braucht runde Tische. Mer müend zämehocke.»

Neben diesem Thema, bei dem der SVP-Kandidat Schweizer erwartungsgemäss einen Schwerpunkt setzen konnte, unterschieden sich die Äusserungen der beiden Kandidaten zu ihrer Amtsführung bei einer allfälligen Wahl nicht grundsätzlich. Beide betonten, dass ihnen das Neckertal mit seiner Naturschönheit sehr am Herzen liege. Sie möchten Verantwortung übernehmen und anstehende Projekte umsetzen. Ledergerber fühlt sich in seinem gemeinderätlichen Zuständigkeitsbereich kompetent und setzt sich für sauberes Wasser ein. Schweizer will die Gemeinde in eine betont bürgerliche Zukunft führen. Auch Ledergerber bezeichnet Bürgernähe als sein Anliegen. Er würde Kontakte pflegen und sich auch nicht scheuen, im konkreten Fall Betroffene aufzusuchen.
Moderate Entwicklung anstreben
Die aktuelle Gemeindebehörde hat sich für eine schrittweise Weiterentwicklung ausgesprochen. Dieser Zielsetzung pflichten beide Kandidaten bei. Neckertal sei eine finanziell gesunde Gemeinde. Grosse Sprünge seien aber ohne Neuverschuldung nicht möglich. Für Schweizer kommt eine Erhöhung des Steuerfusses nicht infrage. Trotzdem glaubt er, dass sich neben dem Instandhalten des Bestehenden auch Neues entwickeln lasse. Ledergerber will einen Investitionsstau verhindern und so auch vor unliebsamen Überraschungen gefeit sein. Beide Kandidaten gehen davon aus, so im Sinne der Bevölkerung zu handeln. Mehrheitsentscheide würden sie in gut demokratischer Manier umsetzen.
Ist das Gemeindehaus der Zukunft digital?
Die Ansiedlung von grossen Betrieben beurteilen beide Anwärter als unrealistisch. Dagegen erachten sie es als wichtig, sich für die bestehenden Arbeitsplätze einzusetzen. Es gelte, Augen und Ohren offen zu halten, sagte Ledergerber. Schweizer bemängelt, dass das gemeindeeigene Bauland nicht erschlossen und dem Gewerbe nicht zur Verfügung gestellt wird.

Dem digitalen Gemeindehaus steht Schweizer skeptischer gegenüber als Ledergerber. Beide erkennen an, dass sich immer mehr Verwaltungsgeschäfte elektronisch abwickeln lassen. Ledergerber aber erwartet eine raschere, fast vollständige Umstellung. Schweizer traut besonders der digitalen Abstimmung nicht. Darüber, dass persönliche Kontakte trotzdem unverzichtbar bleiben, war man sich einig. Ebenso sprachen sich beide für ein aktives Vereinsleben aus. Dieses basiere auf der privaten Initiative, müsse aber von der Gemeinde unterstützt werden.
Eine gezielte Gretchenfrage
Schliesslich verstand es eine Versammlungsteilnehmerin, den einen Kandidaten mit einer Frage auf die Siegerstrasse und den anderen mit Absicht auf die Verliererstrasse zu schicken. «Wie haben Sie bei der 10-Millionen-Schweiz und bei Wil-West abgestimmt?», wollte sie von beiden wissen. Bei beiden Vorlagen ging es nicht um Gemeindeprobleme, sondern um eine nationale und eine kantonale Abstimmung. Aber in beiden Fällen hatten die Gemeinde Neckertal und das Toggenburg entgegen den Gesamtresultaten entschieden, und zwar die 10-Millionen-Schweiz mehr als deutlich angenommen und Wil-West ebenso klar abgelehnt.
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