Ich bin dann mal weg: Über die Vorteile des Antizyklischen
Die Sommerferien sind vorbei. Die Pendlerströme legen wieder zu, die Autos drängen sich genau wie die Zugpassagiere wieder vermehrt morgens und abends. Die Läden sind wieder mit Konsumentinnen und Konsumenten gefüllt, ebenso die günstigen Speiselokale zur Mittagszeit. Es ist also der ideale Zeitpunkt, um die eigenen Sommerferien in Angriff zu nehmen.
Antizyklisch nennt man das, entgegen dem normalen Zyklus. Tatsächlich hatte ich im Juli kurz Urlaub, aber der Sommerurlaub folgt bei mir erst nächste Woche. Das hat verschiedene Vorteile. Arbeitet man, während gefühlt die halbe Schweiz in den Ferien weilt, vermeidet man besagte Pendlerströme, übervolle Läden und überfüllte Lokale. Man kommt schneller und entspannter von A nach B und verbringt seine Mittagspause ohne Gehetze. Umgekehrt hat man als Spät-Feriennehmender bei den üblichen Tourismus-Hot-Spots weniger Gedränge oder kann problemlos Arzttermine und andere Konsultationen buchen – es sind ja keine Betriebsferien.
Eigentlich wäre es sinnvoll, auch den Alltag antizyklisch zu gestalten. Mittagspause um 11 Uhr statt um 12, schon vermeidet man grosses Aufkommen im Selbstbedienungsrestaurant. Morgens um sechs Uhr ins Büro, dafür nachmittags um vier Uhr bereits auf den Heimweg? So umgeht man das Gedränge im ÖV oder auf den Autostrassen.
Oder man verschiebt wie das Obertoggenburger Feldschiessen einen Anlass vom Mai in den August, damit man den heuenden Bauern nicht in die Quere kommt. Weshalb die Firmen-Weihnachtsfeier nicht im April abhalten, statt im Dezember, wenn alle Lokale bereits gut gebucht sind?
Freilich muss man bei allen Vorteilen auch erwähnen, dass es sich um eine Luxusdiskussion handelt. Bei weitem nicht jeder und jede kann sich den Urlaub so frei wählen, dass er ausserhalb der üblichen Ferienzeit fällt. Beim Arbeitsbeginn ist es noch ausgeprägter – es gelten oft Öffnungszeiten oder externe Sachzwänge. Auch will man für Kundinnen und Kunden, Partnerinnen und Partner erreichbar sein und wird deshalb während der üblichen Bürozeiten bereitstehen müssen. Und wer Kinder hat, der ist in solchen Terminfragen eh schon vorbelastet. Schulferien sind halt dann, wann sie sind.
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