Grosser Andrang zur Eröffnung der Alpsteinmühle in Nesslau
Vor der Scheune am Rande von Nesslau herrscht an diesem Samstag Hochbetrieb. Draussen liegt der Duft von Grillgut und frischem Brot in der Luft. Aus der Kaffeestube erklingen Handorgelklänge, dazwischen Stimmengewirr und Kindergelächter. Wer die ehemalige Bürgerscheune betritt, riecht sofort Mehl und Holz. Und das aus gutem Grund: Gefeiert wird die Eröffnung der neuen Kornmühle der Genossenschaft Alpsteinmühle. Die Mühle erstreckt sich über drei Stockwerke. Auf allen Etagen erklären Fachleute die Anlagen und zeigen, wie das Korn verarbeitet wird. Die Gäste zeigen sich beeindruckt.
Neben der grossen Mühle drehen Kinder an zwei kleinen Handmühlen. Tobias und Robin Bösch kurbeln mit vollem Einsatz. «Mit der Zeit wird das ziemlich anstrengend», sagt Tobias lachend. Ihr Vater Daniel Bösch ergänzt: «Zum Glück gibt es Maschinen, die das übernehmen.» Danach wollen die Brüder die ganze Anlage besichtigen. «Es ist spannend zu sehen, wie die Mühle funktioniert», sagen sie.

Rund 1000 Interessierte kamen nach Nesslau
Für Michael Lieberherr, Präsident der Genossenschaft Alpsteinmühle, ist die Eröffnung ein bewegender Moment. Während des Gesprächs mit dieser Zeitung gratulieren ihm immer wieder Besucherinnen und Besucher. «Wir sind überwältigt vom grossen Interesse und der freundlichen Atmosphäre», sagt er. «Es ist schön zu sehen, dass sich Menschen jeden Alters dafür interessieren.» Laut Lieberherr kamen im Verlauf des Tages rund 1000 Gäste.
Draussen treffen laufend weitere Besucherinnen und Besucher ein. Unter ihnen ist auch Doris Brogger, die mit ihrer Familie angereist ist. Mit einem solchen Andrang habe sie nicht gerechnet. Weil sie selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen sei, schätze sie regionale Produkte besonders. «Das ist eine tolle Sache, die man unterstützen sollte», sagt sie.
Auch Silvia Bretscher, Vorstandsmitglied des Vereins Alpsteinkorn, freut sich über das grosse Interesse. «Viele sagen uns, es beruhige sie zu wissen, dass so etwas in der Schweiz möglich ist – auch wenn es viel Arbeit und Durchhaltevermögen braucht», sagt sie. «Besonders fasziniert mich, wie unterschiedlich die Menschen sind, die sich dafür interessieren.»
An einem Stehtisch geniessen René Honegger, seine Frau und sein Sohn frisches Brot. Sie sind aus Gossau angereist. «Meine Frau hat angefangen Brot zu backen und jetzt sind wir hier für das gute Mehl», sagt er. «Es herrscht super Stimmung und es hat alles, was das Herz begehrt.»

Grosses Interesse am Mühlelädeli
Besonders beliebt ist die Brotdegustation. Vier Brote stehen zur Auswahl, die Besucherinnen und Besucher können ihre Favoriten auf einem Bewertungszettel ankreuzen. Eine Besucherin aus Ebnat-Kappel hat sich bereits entschieden: «Nummer eins und drei gefallen mir am besten.»

In der Scheune steht eine weitere kleine Mühle. Drei Kinder sind beschäftigt – eines tritt eifrig in die Pedale, um Korn zu mahlen. Mit ihren Eltern sind sie aus Herisau angereist. Die Mutter zeigt sich beeindruckt vom Projekt: «Mit viel Zusammenarbeit haben sie hier etwas Grosses aufgebaut. Man weiss, woher das Mehl kommt und dass es keinen langen Transportweg hinter sich hat.» Ein Besucher aus Lichtensteig ergänzt: «Es braucht sicher viel Mut, so etwas in der Region aufzubauen.»
Auch Maja Behrendt ist überzeugt vom Projekt. Im Juni tritt sie ihre Stelle als neue Müllerin an. «Die Mühle ist für uns eine Herzensangelegenheit. Ohne die vielen Helferinnen und Helfer hätten wir das nie geschafft», sagt sie.

Ernte und Bäckereien als nächste Schritte
Die Alpsteinmühle wurde 2023 von einem zehnköpfigen Team gegründet. Ziel ist es, das Korn regionaler Bergbauern direkt vor Ort zu mahlen. Eine Kundenmühle wie diese gab es in der Ostschweiz seit Jahrzehnten nicht mehr. Bereits im Januar lieferte die Mühle ihre erste Charge an die Migros Ostschweiz. Projektleiterin Lena Geiger zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf des Tages: «Es ist schön, das Produkt zu sehen.»

Anmeldungen von Bauern gebe es viele, sagt Lieberherr. Entscheidend sei jedoch, ob das Getreide tatsächlich den Weg zur Mühle finde – das zeige sich erst nach der Ernte im August und September. Derzeit könnte die Mühle mehr regionales Getreide verarbeiten, wenn der Absatz vorhanden wäre. Vor allem im Biobereich und beim Weizen ausserhalb der Bergzone sieht Lieberherr noch Potenzial.
Mit kleineren regionalen Projekten wolle die Genossenschaft Bauern und Bäckereien näher zusammenbringen. Ziel sei es, dass Lebensmittel, die in der Region konsumiert werden, auch möglichst vor Ort angebaut und verarbeitet werden. «Wir hoffen auf langfristigen Rückhalt aus der Bevölkerung und darauf, Vertrauen aufzubauen», sagt er.
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