Der coolste Ort der Sportwoche im Obertoggenburg – das steckt dahinter
Wie entgeht man der Sommerhitze und treibt gleichzeitig Sport? Ganz klar: Man nimmt in Wildhaus am Curlingkurs teil. Es ist wahrlich der coolste Ort der Sportwoche. Der im Rucksack mitgeführte Pullover ist für einmal kein Notfallaccessoire, sondern absolute Notwendigkeit, wenn man sich längere Zeit in der Curlinghalle aufhält. Doch die härtesten der Kursteilnehmenden geniessen die Kälte und spielen im T-Shirt.
14 Kinder zählt der Kurs, was Leiter Hans Brauchli sehr freut. Schon vor Jahresfrist wollte er den Kurs austragen. Doch es scheiterte an der zu kleinen Teilnehmerzahl. Was ist im Jahr 2026 anders? Brauchli erklärt: «Es fanden Olympische Spiele statt. Viele Kursteilnehmende haben diese Sportart im Fernsehen verfolgt und wollten es nun selber ausprobieren.» Der Leiter hält weiter fest, dass der Boom schon im Februar bei der Durchführung von Schnupperkursen begonnen hat.

Grosse Motivation trotz schwierigem Eis
Bevor man es den erfolgreichen Olympioniken nachmachen kann, ist im Curling eine Menge zu lernen. Nicht umsonst wird dieser Wintersport als Schach auf Eis betitelt. Als grösste Herausforderung für die Kursteilnehmenden nennt er die Koordination der Steinabgabe. Hier muss man beim Sliden das Gleichgewicht halten, gleichzeitig die richtige Geschwindigkeit des eigenen Gleitens erreichen, in Kombination zum Tempo des Steins auf dem Eis – und zielen soll man auch noch.
Dass man dann noch einen Besen in der Hand hält, ist nur noch Nebensache. «Schon am dritten Tag hatten es die Kinder recht gut im Griff», sagt Hans Brauchli. Wie er festhält, habe man gute Resultate in der richtigen Länge der Steine und dem Zielen erreicht. Am Mittwoch, als diese Zeitung dem Kurs einen Besuch abstattete, gelangen nicht so viele Steine. «Das Eis war schwierig heute», bedauert Brauchli, dass man nicht unter perfekten Bedingungen trainieren konnte.
Doch dies merkte man den Kindern überhaupt nicht an. Bei jedem neu gespielten Stein gingen sie konzentriert an die Arbeit und liessen nicht nach, die richtige Länge für diesen Tag herauszufinden. «Ich bin sehr zufrieden. Die Kinder sind extrem motiviert, mir macht es Spass zuzusehen, wie sie mitmachen. Es ist eine angenehme Truppe, die diszipliniert ist.» Natürlich macht mal der eine oder andere «Seich» – doch das gehört halt dazu, sagt der Kursleiter.
Schritt für Schritt statt alles auf einmal
Dass es mittendrin in der Sportwoche schon so gut auf dem Eis läuft, dafür hat Hans Brauchli mit taktischem Geschick gesorgt. Statt jedes Element dieses Sports in seiner Ganzheitlichkeit vorzustellen und üben zu lassen, ging er beim Sliden wie folgt vor: erst mit zwei Steinen, dann mit einem, später kam dann die Abgabe dazu und die Handhabung mit dem Besen. «So etwas muss schrittweise erfolgen. So haben wir am ersten Tag den Besen überhaupt nicht benutzt.»

Die stufenweise Einführung in die Wintersportart, in Kombination mit Theorieteilen, kleineren Spielen, die der Auflockerung dienen, und dem richtigen Curlingspiel mit Ends sorgt dafür, dass dieser Kurs für die teilnehmenden 14 Kinder als cooles Sommererlebnis in Erinnerung bleiben wird.
Mit dem Kopf auf dem Eis vorgehen
Zum ersten Mal spielten Remo Wicki aus Buchs und Ayana Good aus Mels Curling. Ihre Gemeinsamkeit: Sie sahen diesen Sport an den Olympischen Spielen. «Ich war einfach neugierig, was in dieser Sportart so läuft», sagt Good, die etwas Neues ausprobieren wollte. «Eine Sportart, die man ausprobieren muss», sagte sich Wicki. Doch bevor er sich anmeldete, musste erst das Bogenschiessen abgesagt werden, und sein jüngerer Bruder Manuel sollte auch im Curlingkurs teilnehmen. «Nur so lohnt es sich, mit dem Bus nach Wildhaus zu fahren», so Wicki. Und der Buchser bereut sein Kommen nicht, wie er festhält: «Ich finde es megacool. Curling ist abwechslungsreich, man muss so viele verschiedene Sachen machen.» Ihm gefällt es sehr, dass man den Kopf gebrauchen muss, einen Plan haben «und man muss sich sehr konzentrieren und darf sich nicht ablenken lassen.
Good findet einen ganz anderen Aspekt «cool»: Dass es in der Halle etwas kälter ist und man nicht draussen herumlaufen muss, wenn es so warm ist.» Doch das ist selbstverständlich nicht alles, was ihr am Curling gefällt: «Ich finde Teamsport cool. Besonders das Sliden macht mir Spass und die Abgabe. Doch meist schiesse ich zu fest.» Wicki findet die Temperatur in der Halle «recht gemütlich». Doch in der Pause geht es an die frische Luft: «Da schmilzt man glatt dahin», sagt er. Im Kurs gefällt ihm neben der Planung des Spiels die Steinabgabe am besten, bezeichnet es aber auch als schwierigsten Teil des Sports. (kuc)
Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.



