Der Girlstreff im Stampf
«Was machen wir eigentlich nächsten Mittwoch?» Diese Frage steht oft am Anfang eines gemeinsamen Abends im Girlstreff. Es ist ein Satz, der viel über das Selbstverständnis des Angebots aussagt: Hier wird nichts fix vorgegeben. Stattdessen sitzen die Mädchen zusammen, diskutieren, planen und verwerfen Ideen auch wieder. Ob spontane Velotour ins Freibad, ein Besuch im Keramik-Malkurs oder das aktuelle Gestalten mit Fimo: Die Jugendlichen bestimmen das Programm weitgehend selbst. «Die Mädchen bringen ihre ganz eigenen Ideen ein und übernehmen die Regie», erzählt Jugendarbeiterin Alexandra Gabathuler. Selbst die Flyer, mit denen das Monatsprogramm angekündigt wird, gestalten sie eigenständig.
Genau dieser Mix aus Mitbestimmung, Kreativität und Gemeinschaft macht den Treff so lebendig.
Trotz aller Planung bleibt dabei immer Raum für Spontanes. Oft reicht ein Griff in den legendären «Girlstreff-Kasten», gefüllt mit bunten Perlen, Bastelmaterial, Spielen und Kreativsachen, um den Abend in eine neue Richtung zu lenken. Während Freundschaftsarmbänder entstehen oder gemeinsam gebastelt wird, entwickeln sich oft ganz nebenbei die besten Gespräche. «Die Mittwochabende sollen locker bleiben und sich an den Bedürfnissen der Mädchen orientieren», erklärt Alexandra Gabathuler.
Mehr als nur ein Mittwochabend
Im Mittelpunkt eines Mittwochabends steht dabei weniger das perfekte Programm als vielmehr die Gemeinschaft. Die Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren nutzen den Girlstreff, um Freundschaften zu pflegen, abzuschalten und über alles zu reden, was sie beschäftigt. Die Gespräche reichen von Schule, Beziehungen und Alltagsgeschichten bis hin zu politischen Themen oder der Suche nach einer Lehrstelle. Zuletzt seien vor allem die Ferienerlebnisse intensiv diskutiert worden.
«Viele Mädchen bringen heute bereits ein grosses Pflichtbewusstsein mit», beobachtet die Jugendarbeiterin. Themen wie Berufswahl, Schnupperlehren oder erste Erfahrungen in der Arbeitswelt würden viele beschäftigen. Umso wichtiger sei der Abend als bewusste Auszeit – ein Ort, an dem man den Druck des Alltags für ein paar Stunden vergessen könne. Besonders wertvoll sei dabei der geschützte Rahmen. «Viele sprechen hier offener über persönliche Themen wie erste Liebesgeschichten oder Erlebnisse aus dem Schulalltag», erklärt Gabathuler. Für manche Mädchen sei der Treff auch ein Rückzugsort vom oft durchgetakteten Alltag.
Sie schätzen es, hier einfach sein zu dürfen, ihre Gedanken frei zu teilen und Zeit mit ihren Freundinnen zu verbringen.
Dass der Treff mehr ist als reine Freizeitgestaltung, zeigt sich oft auch im Kleinen. Wer einen Kochabend organisiert oder einen Ausflug plant, lernt ganz nebenbei fürs Leben, weiss die Jugendarbeiterin. Einkäufe werden organisiert, Offerten eingeholt, Telefonate geführt oder Aufgaben verteilt. Es sei schön zu sehen, wie viel Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein aus diesem freiwilligen Engagement wächst, so Gabathuler. «Die Stampf-Community vermittelt den Mädchen ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit.» Und die Jugendlichen würden erleben, dass ihre Meinung zählt und ihre Ideen Wirkung haben.
Ziel sei es, die Mädchen auf ihrem Weg zu selbstbewussten, rücksichtsvollen und engagierten jungen Persönlichkeiten zu begleiten. Besondere Höhepunkte sind zudem die ein- bis zweimal jährlich stattfindenden Mädchenübernachtungen. Dabei gehe es nicht nur um Spass und Gemeinschaft, sondern auch darum, das Vertrauen innerhalb der Gruppe weiter zu stärken.
Ein Ort, der mitwächst
Ganz ohne Herausforderungen gehe es allerdings nicht. «Unterschiedliche Bedürfnisse innerhalb der Gruppe unter
einen Hut zu bringen, ist manchmal anspruchsvoll und braucht gute Beziehungsarbeit, Zeit und Vertrauen», erklärt Alexandra Gabathuler. Manche Themen oder Herausforderungen liessen sich zudem nicht allein im Treff lösen und würden zusätzliche Unterstützung durch Familie, Schule oder Fachstellen erfordern.
Trotzdem versuche das Team, den Mädchen einen verlässlichen Ort zu bieten, an dem sie ernst genommen werden und Unterstützung finden. Gerade deshalb seien niederschwellige Angebote wie der Girlstreff wichtig. «Hier können gezielt Bedürfnisse aufgegriffen werden, die im Alltag sonst oft wenig Platz finden.» Dadurch leiste der Stampf einen wichtigen Beitrag zum sozialen Dorfleben und zur regionalen Jugendarbeit.
Ausbaupotenzial gibt es laut der Jugendarbeiterin grundsätzlich immer – besonders bei kreativen Projekten und gemeinsamen Aktionen. Gleichzeitig sei der aktuelle Rahmen bewusst überschaubar gewählt, da schulische Verpflichtungen die Jugendlichen bereits stark fordern würden. Wie sich der «Girlstreff» künftig weiterentwickelt, orientiere sich deshalb vor allem an den Bedürfnissen der Mädchen selbst.
«Momentan fühlen sie sich in ihrer Kleingruppe und im gemütlichen, akzeptierenden Rückzugsort des ‹Stampf› sehr wohl», sagt Alexandra Gabathuler. Gelegentliche Ausflüge und neue kreative Ideen würden das Angebot dabei immer wieder ergänzen.
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