• Die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) will die Zusammenarbeit mit vorgelagerten Diensten wie etwa der Pro Senectute oder den kommunalen Sozialdiensten nochmals verstärken. (Archivbild)
    Die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) will die Zusammenarbeit mit vorgelagerten Diensten wie etwa der Pro Senectute oder den kommunalen Sozialdiensten nochmals verstärken. (Archivbild)  (Keystone/PETER SCHNEIDER)

Kokes stärkt Kooperation mit Pro Senectute

Die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) will die Zusammenarbeit mit vorgelagerten Diensten wie etwa der Pro Senectute oder den kommunalen Sozialdiensten nochmals verstärken. Sie tut dies aufgrund der Alterung der Bevölkerung.
Bern. 

Im sechsten Jahr der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zeige die Auswertung der Fallzahlen ein positives Gesamtbild, teilte die Kokes am Donnerstag mit. Komme die Behörde zum Einsatz, arbeite sie in den meisten Fällen und wo immer möglich mit milden Unterstützungsmassnahmen. Diese förderten die Selbstbestimmung der hilfsbedürftigen Erwachsenen und die Selbstverantwortung der Eltern von gefährdeten Kindern.

Die Zahlen im Kindesschutz bewegten sich im letzten Jahr "unauffällig", hiess es weiter. Per 31. Dezember 2018 bestanden für 41’993 Kinder Schutzmassnahmen (praktisch unverändert zum Vorjahr und unter der demographischen Entwicklung).

Die stabilen Zahlen im Kindesschutz sowie die Analyse der Fälle untermauerten, dass die Kesb, wo es nötig sei, mit verhältnismässigen Massnahmen tätig werde. Zudem würden die Massnahmen im engen Austausch und in Absprache mit den betroffenen Familien sowie den bereits involvierten Hilfssystemen (Schule, Erziehungsberatung usw.) vorgenommen und umgesetzt.

Einvernehmliche Lösungen gesucht

"Im Vordergrund stehen einvernehmliche Lösungen und unterstützende Massnahmen", sagte Guido Marbet, Präsident der Kokes und Richter am Obergericht des Kantons Aargau. Rund 79 Prozent der Schutzmassnahmen seien Beistandschaften, bei denen die Eltern mit Rat und Tat in der Erziehung unterstützt oder Kinder in der schulischen Entwicklung begleitet würden oder bei Besuchsstreitigkeiten zwischen den Eltern vermittelt werde, um dem Kind den Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen.

4838 laufende Massnahmen (11 Prozent) beträfen den Entzug des Aufenthaltsbestimmungs- oder Sorgerechts, weil das Kindeswohl akut gefährdet sei, zum Beispiel wegen Drogensucht der Eltern, Überforderung der Eltern oder massiver häuslicher Gewalt.

Erwachsenenschutz: Milde Massnahmen

Per 31. Dezember 2018 bestanden für 94‘359 erwachsene Personen Schutzmassnahmen. Zwischen 1996 und 2012 betrug die Zunahme durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr; letztes Jahr betrug die Zunahme 4 Prozent. Der Trend, dass mildere Massnahmen Vorrang haben, konnte auch im letzten Jahr fortgesetzt werden: die massgeschneiderten Beistandschaften haben von 82 auf 83 Prozent zugenommen, die umfassenden Beistandschaften haben von 17 auf 16 Prozent abgenommen.

"Die behördlichen Massnahmen werden sehr zurückhaltend angeordnet", sagte Caroline Kühnlein, Richterin am Kantonsgericht Waadt und Kokes-Vorstandsmitglied. Auf eine behördliche Massnahme kann verzichtet werden, wenn eine hilfsbedürftige Person einer Vertrauensperson eine Vollmacht erteilt oder einen Vorsorgeauftrag erstellt hat oder wenn Angehörige (insbesondere Ehegatten) aufgrund des gesetzlichen Vertretungsrechts die nötigen Rechtshandlungen erledigen können.

Pro Senectute wichtige Partnerin

Im Hinblick auf die generelle Bevölkerungsentwicklung legt die Kokes nach eigenen Angaben ein besonderes Augenmerk auf das Thema "Alter und Erwachsenenschutz". Hier sei das Zusammenspiel der verschiedenen Unterstützungsangebote im Versorgungssystem zentral, betonte auch die Stiftungsratspräsidentin von Pro Senectute Schweiz, alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

Die Zusammenarbeit zwischen Pro Senectute und Kesb funktioniere sehr gut. In verschiedenen Projekten zeige sich, wie durch das gemeinsame Miteinander einvernehmliche Lösungen im Interesse der Seniorinnen und Senioren gefunden werden könnten.

Mit über 50‘000 Sozialberatungen und 1,6 Millionen Service-Einsätzen (Steuererklärungsdienst, soziale Vernetzung, Fahrdienst, Besuchsdienst), die im Jahr 2018 geleistet wurden, sei die Pro Senectute ein wichtiger Akteur im Erwachsenenschutz, hält die Kokes fest. Die Unterstützung der Kesb falle mit 90‘000 Erwachsenenschutzmassnahmen im Vergleich gering aus und mache ihre Bedeutung als letztes Glied einer umfassenden Versorgungskette deutlich. (sda)

05. Sep 2019 / 09:00
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