• Eine Auswahl wie auf dem Märit: Ein Kunde im Hofladen der Lehmanns.
    Eine Auswahl wie auf dem Märit: Ein Kunde im Hofladen der Lehmanns.  (KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE)

Hofladen statt Wochenmarkt

Wenn der Städter sein Gemüse nicht auf dem "Märit" kaufen kann, dann fährt er eben zum Bauern aufs Land: Hofläden erfreuen sich dieser Tage grosser Beliebtheit. Ein Besuch bei Lehmanns in Büchslen bei Murten FR.
Bern. 

Salate und Rüebli, Krautstiele, Randen, Eier, selbstgemachte Konfitüre und vieles mehr: Im kleinen, aber feinen Hofladen kriegt man alles, was man sonst auf dem Berner Bundesplatz kauft. Dort bietet die Familie Lehmann normalerweise jeden Dienstag und Samstag ihre Ware an.

Doch normal ist im Moment gar nichts. Bauer Thomas Lehmann ist an diesem Dienstagmorgen mit Hauslieferungen unterwegs. Seine Eltern Greti und Alfred Lehmann arbeiten auf dem Hof und sind froh, dass sie dank dem "Lädeli" wenigstens einen Teil ihrer Produkte absetzen können. Immer mehr Stammkunden aus der Stadt fahren nach Büchslen, um sich mit Gemüse einzudecken.

Ungewisse Zukunft

Der Hofladen ist ein Erfolg, aber klar: Auf die Dauer reicht das nicht. Was wird in einigen Wochen los sein, wenn etwa die Salate in grosser Zahl aus dem Boden schiessen? Bleiben die Bauern dann auf tonnenweise Ware sitzen?

Die Situation ist schwierig. Natürlich können Greti und Alfred Lehmann nachvollziehen, warum der Bundesrat im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus das Land weitgehend lahmgelegt und mit der Schliessung aller Restaurants eine weitere wichtige Lieferkette unterbrochen hat.

Aber weshalb hat er die Märkte ausgerechnet an einem Montagabend verboten, als schon zehn Palette bereit waren für den "Märit" vom Dienstag? "Warum konnte er das Verbot nicht erst am Mittwoch in Kraft setzen?", fragt sich Alfred Lehmann, der seit 60 Jahren nach Bern auf den Bundesplatz fährt.

Dezentraler Markt?

Viele Bauern und Marktbesucher stossen sich daran, dass die Grossverteiler weiterhin geöffnet sind, die Wochenmärkte hingegen in eine Zwangspause geschickt wurden. Dabei sei das Ansteckungsrisiko in geschlossenen Supermärkten höher als auf dem Markt unter freiem Himmel.

Würde man die Marktstände weiter voneinander entfernt aufstellen und Kundenzonen markieren, liesse sich das Problem lösen, schreibt der Verein Berner Markt in einem offenen Brief an den Bundesrat. Oder vielleicht sollte der Markt dezentralisiert werden - die Stände in der ganzen Innenstadt verstreut.

Bauer Lehmann hat seine Zweifel. Auf Kundenseite sei das Problem durchaus lösbar. Doch hinter jedem "Märitstand" stünden mehrere Verkäuferinnen und Verkäufer dicht beieinander, bewegten sich aneinander vorbei, um die Kunden zu bedienen - da lasse sich die Zwei-Meter-Abstandsregel nicht einhalten.

Am besten wäre es, wenn die Ausbreitung des Virus möglichst rasch eingedämmt würde und der Bundesrat die Regeln lockern könnte - denken sich nicht nur Lehmanns. (sda)

24. Mär 2020 / 15:03
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