• Manfred Bischof in Vaduz
    Bürgermeister Manfred Bischof bezeichnet sich selbst als «kooperativen Typ».  (Daniel Schwendener)

«Vaduz hat sehr vieles richtig gemacht»

Bürgermeister Manfred Bischof spricht über Vaduz als Landeszentrum, die Rheindamm-Sperrung und den monetären Erfolg der Gemeinde.

Herr Bischof, sind Sie nach gut sechs Monaten vollends in Ihrem Amt angekommen?
Manfred Bischof: Klar kommen immer wieder neue Herausforderungen dazu, aber insgesamt denke ich das schon, ja.

Woran merken Sie das?
Die Prozesse gestalten sich mittlerweile einfacher. Die Standards des täglichen Arbeitens sind verinnerlicht. Man kennt die Systeme, weiss, wie die Gemeinde arbeitet.

Was hat Ihnen zu Beginn Mühe bereitet?
Ich habe die Zeitfenster, die ich für andere Tätigkeiten hätte gebrauchen können und nicht schon mit dem Tagesgeschäft ausgefüllt waren, viel zu oft mit Terminen besetzt. Am Anfang wollten mich natürlich alle Leute begrüssen oder ein Treffen vereinbaren. Und ich habe diese Termine wahrgenommen. Somit wurde es abends und am Wochenende ziemlich spät.

Würden Sie sagen, dass mit Ihnen gegenüber Vorgänger Ewald Ospelt ein neuer Führungsstil Einzug hält?
Ein Stück weit sicher – allein schon deshalb, weil jede Person anders ist und anders arbeitet.

Was zeichnet Sie denn aus?
Ich bin ein kooperativer Typ und mir sind Fragen wie «Wie würdest du das jetzt machen?», «Weshalb kommst du auf diese Einschätzung?» sehr wichtig. Die Kombination der eigenen Meinung mit dem Know-how der anderen führt zu den besten Lösungen und das Gemeinsame wird meiner Meinung nach so gestärkt.

Was wollen Sie in Vaduz bis zu den nächsten Wahlen 2023 bewegt haben?
Neben der Überarbeitung des Überbauungsplans Äule ist unser grosses Ziel das Vorantreiben der Zentrumsentwicklung. Dazu gehört auch die Pflege einer gemeinsamen Identität. Die Menschen in Vaduz sollen einander wieder näherkommen. Die Projekte, die wir 2019 durchgeführt haben – «Summerträff», «Base Camp:Vadozner Huus», aber auch der Tag der offenen Tür im Landgasthof Mühle –, stehen für die Offenheit der Gemeinde, für ein Miteinander. Das müssen wir uns für die Zukunft ganz grundsätzlich bewahren. Im baulichen Bereich hoffe ich, dass das neue Feuerwehrdepot schon weit vorangeschritten ist. Was wir jedoch über die gesamte Verwaltung und die Gemeinde betrachten und beachten müssen, ist der richtige Umgang mit der Nachhaltigkeit.

Die Zentrumsentwicklung wird 2023 kaum abgeschlossen sein.
Sie wird uns sogar über viele Legislaturperioden hinweg begleiten. Deshalb ist es auch wichtig, dass ein Gemeinderat nicht in Vier-Jahres-Abschnitten denkt. Die Zentrumsentwicklung ist und bleibt ein andauernder, sehr dynamischer Prozess. 

Bleiben wir noch ein wenig beim Thema Zentrumsentwicklung. Es wurde in der Tat viel diskutiert, die Bevölkerung konnte in verschiedensten Formen partizipieren. Aber wann folgen greifbare Taten?
Zentrumsentwicklung bedeutet nicht zwingend, ein Bauprojekt umzusetzen. Wenn sich herausstellt, dass es ein Gebäude braucht, dann soll es so sein. Aber Zentrumsentwicklung hat auch andere Aspekte. Beispielsweise das, was ich jetzt schon wahrnehme: Dass die Menschen im Zuge der zurückliegenden Veranstaltungen anders aufeinander zugehen. Wir müssen in den Menschen ein Feuer entfachen und die Zusammengehörigkeit sowie das persönliche Engagement fördern. Dies sowohl in den Quartieren als auch im Zentrum.

Wird das Zentrum denn zu wenig wahrgenommen?
Vaduz hat im Zentrum sehr viel zu bieten. Um dies jedoch zu erleben, ist ein Spaziergang durchs «Städtle» nötig. Ein möglicher Knackpunkt dabei ist: Ich kann heute nicht mehr mit dem Auto durchfahren und schauen, wer in welchem Restaurant sitzt. Man muss es zu Fuss erkunden. Ein kleines, aber lösbares Problem, wenn man dies möchte. 

Und das müssen die Leute noch verinnerlichen.
Durchaus. Wenn die Vaduzer Einwohner täglich ins Zentrum kommen würden, sähe es dort anders aus. Und wenn auch noch die Menschen im Land in Vaduz ein gemeinsames Zentrum erkennen und dorthin strömen, hätten wir nochmals eine ganz andere Situation. Jede Gemeinde braucht ein Zentrum, aber ich denke, auch unser Land benötigt ein Zentrum. 

Hat Vaduz den Anspruch, dieses Landeszentrum zu sein?
Das ergibt sich für mich schon grundsätzlich aus der Rolle als Hauptort heraus. Aber klar ist auch, dass Vaduz nicht für alle Themen des täglichen Lebens das Zentrum sein wird. Denken wir nur ans Alpin-Skifahren. Das gehört für mich nach Malbun und so wird es auch immer bleiben.

Aber Vaduz als deutlich wahrnehmbarer Mittelpunkt des Landes – das könnten Sie sich gut vorstellen?
Im Bereich Schaan–Vaduz–Triesen spielt sich vieles ab.  Deshalb gehe ich davon aus, dass sich ein Landeszentrum ebenfalls irgendwo in diesem Raum befinden sollte. Und wo könnte dies besser sein als in der schönen Residenz.

Zurück zum Vaduzer Dorfzentrum: Auch wenn Zentrumsentwicklung keine Bautätigkeit meinen muss, wird altersgerechtes, zentrumsnahes Wohnen immer wichtiger. Wie will Vaduz mit seinem dicht bebauten Zentrum hier verfahren?
Wenn wir das Zentrum als «Städtle» definieren, haben wir in der Tat ein dicht bebautes Zentrum. Wenn wir den Begriff weiter fassen, also etwa auch noch den Bereich Aukreisel bis Löwen hinzunehmen, sieht die Sache anders aus. Die Gemeinde konnte beispielsweise vis-à-vis des heutigen Landesspitals Liegenschaften erwerben, die sich für die Realisierung von Überbauungen für ältere Personen sehr gut eignen könnten. Der Gemeinderat ist sich des demografischen Wandels und der daraus hervorgehenden Herausforderungen bewusst und beschäftigt sich intensiv damit.

Auch der künftige Umgang mit dem Parkhaus Marktplatz fällt in den Bereich der Zentrumsentwicklung. Ewald Ospelt sprach davon, dass dies eine der grössten Herausforderung der nächsten Jahre darstelle. Wie sehen Sie das?
Der Bereich des Parkhaus Marktplatz stellt sicher eine Art Dreh- und Angelpunkt in der ganzen Sache dar und der Gemeinderat befasst sich unter anderem mit dieser Thematik: Soll ein ebenerdiger Marktplatz entstehen? Wie viele Parkplätze benötigt Vaduz?

Verlassen wir das Zentrum westwärts. Beim Rheinpark Stadion soll ein Liechtensteiner Sport-Kompetenzzentrum entstehen. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für Vaduz?
Mit dem Rheinpark Stadion betreibt die Gemeinde Vaduz bereits heute eine der grössten Sportinfrastrukturen des Landes. Durch die Verbindung des Stadions mit dem Kompetenzzentrum kann aus meiner Sicht eine tolle Infrastruktur für die gesamte Liechtensteine Sportfamilie entstehen.

Das Thema Landeszentrum schwingt auch hier wieder mit. Wird das Herz des Liechtensteiner Sports bald in Vaduz schlagen?
Ich denke, dass Vaduz für viele Sportarten bereits heute ein Zentrum darstellt. Die Gemeinde verfügt über viele sehr gute und tolle Sportanlagen, welche wir selber oder gemeinsam mit anderen Gemeinden betreiben. Ich denke zum Beispiel an das Rheinpark Stadion, die Tennisplätze, die Squashhalle, den Skatepark, das Schwimmbad Mühleholz, die Minigolfanlage etc. 

Tasten wir uns geografisch noch weiter nach aussen, zum Rheindamm. Wird die Sperrung des Abschnitts zwischen Lettstrasse und Obere Rüttigasse für den motorisierten Verkehr Realität sein, wenn das Sport-Kompetenzzentrum seine Eröffnung erlebt?
Der Gemeinderat hat dem Bürgermeister den Auftrag erteilt, das Verfahren für die Sperrung zu lancieren. Daraufhin wurden zwei Aufsichtsbeschwerden und eine Verwaltungsbeschwerde bei der Regierung eingereicht. Die Regierung hat die Aufträge des Gemeinderats gestützt und festgehalten, dass wir auf dem richtigen Verfahrensweg sind. Nun sind wir daran, die nächsten Schritte vorzubereiten.

Die da wären?
Es geht vor allem um eine Richtplananpassung …

... die gemäss Regierung für eine Sperrung zwingend notwendig ist.
Richtig. Und damit diese Anpassung fundiert umgesetzt werden kann, müssen die Verfahren korrekt umgesetzt werden. Die entsprechenden Schritte sind klar definiert. Durch die angestrengten Beschwerden kam es zu einer Verzögerung des notwendigen Verfahrensablaufs.

Und am Ende dieser Arbeit wird die Sperrung des Rheindamms stehen?
Zum heutigen Zeitpunkt gehe ich davon aus. Aber wie gesagt, der Prozess läuft noch.

Die Richtung, in welche die Regierung in Sachen Finanzausgleich gehen möchte, ist heute schon klar. Sie spricht sich dafür aus, dass finanzstarke Gemeinden künftig einen Teil ihres Überschusses an den Staat abgeben. Das träfe vornehmlich Schaan und Ihre Gemeinde. Was halten Sie davon?
Wir sind derzeit noch dabei, das Ganze zu analysieren und uns auszutauschen. Abschliessend wird der Gemeinderat eine Stellungnahme zum Vernehmlassungsbericht zuhanden der Regierung verabschieden. 

Was man aber sicher sagen kann, ist, dass angesichts eines Eigenkapitals von  660 Millionen Franken eine gewisse Solidarität vertretbar wäre.
Diese 660 Millionen umfassen das gesamte Vermögen der Gemeinde und es ist wichtig, dass hier eine differenzierte Betrachtung erfolgt. Das Thema wird uns definitiv noch interessante Diskussionen bescheren.

Sie verstehen aber, dass andernorts Ansprüche formuliert werden?
Klar kann ich diese Ansprüche zum Teil nachvollziehen. Jede und jeder setzt sich für sein Umfeld ein, aber wir müssen auch stets das Ganze im Blick haben.

Aber Vaduz hat doch ganz andere Voraussetzungen als die meisten anderen Gemeinden.
Vaduz hat in den zurückliegenden Jahren sehr vieles richtig gemacht. Als attraktiver Wohn- und Arbeitsort konnten wir die grössten Zuwächse bei den Einwohnerzahlen sowie den Arbeitsplätzen verzeichnen. Diese Entwicklung strahlt in die gesamte Umgebung aus – national wie regional. Selbstredend müssen wir das Ganze aber auch über die Dorfgrenzen hinaus betrachten. Wir haben diese Erfolgsgeschichte gemeinsam geschrieben. Liechtensteins Entwicklung ist in Europa beispiellos – dank des Einsatzes von uns allen. 

Die Waffen zwischen den Gemeinden bleiben dennoch ungleich.
Ich würde hier nicht von Waffen sprechen, sondern von Situationen und Aufgaben. Jede Gemeinde hat andere Begebenheiten, die sie zu meistern hat. 

Könnte man Vaduz als Liechtensteins Lokomotive bezeichnen?
Wirtschaftlich gesehen würde ich hier sogar etwas weiter gehen und Vaduz und Schaan gemeinsam nennen. Vaduz vor allem im Dienstleistungssektor und Schaan speziell im Bereich der Industrie.

26. Nov 2019 / 15:03
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