• PK Schlösslekeller, Vaduz
    Was im Kegelsaal des Hotel Schlössle in Vaduz als Bühne für sein Kabarettisten-Trio anfing, hat sich laut Mathias Ospelt zur Förderplattform für Liechtensteins Kleinkünstler entwickelt.  (Tatjana Schnalzger)

Schlösslekeller platzte «aus allen Nähten»

Mitgründer und Stiftungsrat Mathias Ospelt blickt auf ereignisreiche 16 Jahre mit dem Schlösslekeller zurück.
 
Im Herbst 2003 wurde der Schlösslekeller geboren. Wie ist es dazu gekommen? 
Mathias Ospelt: Die Idee des Schlösslekellers entstand aus dem Projekt «Eine Bühne für das Liechtensteiner Gabarett» (Ingo Ospelt, Mathias Ospelt und Marco Schädler), da wir für unser Programm «Hirsch & Wurscht» (2000) eine geeignete Spielstätte suchten. Über Umwege gelangten wir an die Besitzerin des damals leerstehenden Hotels Schlössle in Vaduz. Geplant war eine einmalige Nutzung im Erdgeschoss. Bei einer ersten Besichtigung vor Ort schlug sie vor, den ehemaligen Kegelsaal im Untergeschoss für zukünftige Veranstaltungen zu nutzen. Die Idee gefiel uns. Dieses Projekt, woran neben uns drei Kabarettisten auch Silvia Tiefenthaler und Markus Schädler massgeblich beteiligt waren, führte schliesslich zur Gründung des Schlösslekellers im September 2003.
 
Zu Beginn standen sicher gewisse Baustellen an.
Die ersten Herausforderungen waren finanzieller Natur. Der Umbau von der Kegelbahn in den Schlösslekeller wurde zwar von der Besitzerin des Schlössles übernommen, alle Einbauten mussten aber von uns berappt werden. Hier galt es, potenzielle Geldgeber vom Projekt zu überzeugen. Wir wurden allerdings vor allem am Anfang von einer grossen Welle der Sympathie getragen. Zu jener Zeit herrschte in Liechtenstein in puncto Kleinkunst ein Vakuum und unser Vorhaben, dieses zu füllen, fand gute Resonanz.
 
Welche Anlässe finden im Schlösslekeller statt? 
Wir führten von Beginn weg ein klar definiertes Spartenprogramm mit den Bereichen Mundart, Kabarett, Erzähltheater und Liechtensteiner Spezialitäten. Die Mundartsparte mussten wir aber leider nach zwei Jahren wieder aufgeben, da sie auf zu wenig Resonanz stiess. Inzwischen führen wir zwei weitere, erfolgreiche Bereiche: «Die andere Lesung» sowie das «Keller-Quiz».
 
Mancher Künstler machte im Schlösslekeller seine ersten Schritte.
Da wir uns auf Liechtensteiner Ebene auch der Förderung von Talenten annehmen, hatten wir Leute auf der Bühne, die später zu nationalen «Stars» wurden, zum Beispiel Jutta Hoop, Nicolas Biedermann oder der Zauberfuzzi. Auch hatten wir Künstler wie einen Pedro Lenz, der bei uns auftrat, lange bevor er zu einem der erfolgreichsten zeitgenössischen Schweizer Literaten wurde. 
 
Weitere bekannte Gäste waren Alfred Dorfer, Simon Enzler und die Stimme von «Philip Maloney».
Letztlich ist es so, dass wir unser Programm nicht zwingend auf grossen Namen aufbauen. Wir brauchen diese bekannten Leute aber unter anderem auch, damit wir aufgrund der Einnahmen, die ein volles Haus bringt, Veranstaltungen durchführen können, die zwar künstlerisch hochstehend sind, aber nur von wenigen besucht werden.
 
Was unterscheidet den Schlösslekeller von anderen Kleintheatern? 
Viele wissen immer noch nicht, dass unser Team den Schlöss-lekeller in Freiwilligenarbeit führt. So haben wir den Umbau am neuen Standort eigenhändig vorgenommen. Wir machen das alles also aus Spass und nicht aus finanziellen Gründen. Dies wirkt sich auf die fast familiäre Stimmung im Schlösslekeller aus. Dies wird einerseits von den Künstlerinnen und Künstler, die bei uns auftreten, positiv wahrgenommen, andererseits aber auch von unseren zahlenden Gästen. Man fühlt sich bei uns wohl. Zudem sind wir nach wie vor die grösste Förderbühne für einheimisches Kleinkunstschaffen und führen auch Veranstaltungen durch, die sich andere nicht unbedingt «trauen».
 
Vor drei Jahren ist der «Schlösslekeller» aus dem Hotel Schlössle ausgezogen. Aus welchen Beweggründen?
Zum einen drohten wir an der Schlossstrasse praktisch aus den Nähten zu platzen, zum anderen ergab sich durch die Eröffnung des gut aufgenommenen indischen Restaurants im Erdgeschoss eine für uns sehr ungünstige Parkplatzproblematik. Verkehrsbussen sind ein Killer für einen Veranstaltungsort wie unseren. Am neuen Standort sind wir diese Sorgen los. Ein dritter, ebenso wichtiger Punkt war aber auch, dass durch den Umzug und die Neugestaltung des Schlösslekellers unsere jüngeren Teammitglieder einen neuen Bezug zu «ihrem» Kleintheater fanden, da sie bei der Planung miteinbezogen waren. Letztlich war es aber auch schön, gemeinsam mit Alfred Lampert vom Druckzentrum etwas Tolles entstehen zu lassen, hat er uns doch über all die Jahre immer wieder finanziell und ideell unterstützt.
 
Wird der Schlösslekeller durch den Umzug noch seinem Namen gerecht?
Warum nicht? Der Name ist über die Jahre zu einem festen Begriff geworden und es wäre töricht gewesen, ihn aufgrund eines Ortswechsels zu ändern. Zudem hätte «Schwefelkeller» eine etwas gar höllische Konnotation erhalten. Wir haben es aber intern ausgiebig diskutiert.
 
Welche Beziehung haben der Schlösslekeller und die Gemeinde Vaduz?
Es hat eine Weile gedauert, bis wir miteinander die richtige Balance gefunden haben. Dies sind aber Tempi passati und sowohl wir als auch die Gemeinde blicken zuversichtlich in eine gemeinsame Zukunft. Ein enormes Potenzial ist ja auf beiden Seiten vorhanden. 
 
Könnten Sie irgendwann einmal auch in eine andere Gemeinde auswandern? 
In den Zeiten, als wir uns nach einem neuen Standort umsahen, kamen natürlich auch Objekte in anderen Gemeinden zur Sprache. Undenkbar wäre ein Wechsel damals nicht gewesen, aber es wäre mit einem grossen Aufwand verbunden gewesen, sich neu zu positionieren und zu etablieren. Jetzt sind wir sehr glücklich darüber, wie es in «Vaduz Süd» herausgekommen ist.
 
Der neue Standort bietet also mehrere Vorzüge.
Wie erwähnt, sind wir das leidige Parkplatzproblem los. Zudem sind wir nun besser ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Im Innern sind der Bar- und Bühnenbereich getrennt. Dadurch sind wir flexibler bei der Durchführung von Veranstaltungen wie Lesungen, zu denen in der Regel eher weniger Leute kommen. Für die künstlerische Arbeit ist es toll, dass wir nun über eine Hinterbühne verfügen, was Proben von aufwendigeren Projekten während des laufenden Spielplans erleichtert. Als grosses Plus gibt es im Untergeschoss eine eigene, grosszügige und gemütliche Künstler-Garderobe. Jene im «alten» Schlösslekeller, direkt hinter der Bühne, hatte ja über die Jahre in Künstlerkreisen einen amüsiert-legendären Status erhalten.
 
Auf welche Höhepunkte blicken Sie nach 16 Jahren zurück?
Etwas ganz Besonderes waren die «Tage des offenen Kellers», an denen es einheimische und internationale Kleinkunst zum Nulltarif gab. Hier müssen wir vor allem unseren Liechtensteiner Künstlern ein riesiges Kränzlein winden, da sie sich immer und immer wieder bereit erklärten, für ein zum Teil lächerlich kleines Honorar aufzutreten. Wir waren aber auf dieses Entgegenkommen angewiesen. Dies gilt im Übrigen auch für die Vorsteherwanderung 2018, als wir den Dorfkönigen aus allen Gemeinden sowie dem Erbprinzenpaar in einem speziell für den Anlass konzipierten Programm hochstehende Kleinkunst aus allen elf Gemeinden Liechtenstein präsentierten.
 
Was würden Sie als grössten Erfolg des Schlösslekellers bezeichnen?
Anlässlich des Auftritts Liechtensteins an der Thuner Künstlerbörse 2013, dem wichtigsten Kleinkunstanlass der Schweiz, war es schön zu sehen, dass bis auf einen Programmpunkt sämtliche Teilnehmer aus Liechtenstein ihre ersten grösseren Bühnenerfahrungen bei uns gemacht hatten. Das bestärkte uns, auf dem richtigen Weg zu sein. 
 
Das Herbstprogramm neigt sich bald dem Ende zu. Sind Änderungen geplant?
Bis auf Weiteres bleibt das Konzept, wie es ist. Wir beobachten aber gewisse Entwicklungen genau und reagieren rasch, falls dies nötig sein sollte. Nachdem wir ja mit dem Umzug und dem Neustart vor bald drei Jahren ausreichend frischen Wind in unser Tun brachten, lassen wir uns noch eine Weile davon tragen. Gerne nehmen wir Anregungen und Ideen entgegen. Gerade noch unbekannte Talente, die sich einmal auf einer «grossen» Bühne bewähren wollen, sind stets herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden. Genauso Leute, von denen man schon lange nichts mehr gehört und gesehen hat.
 
Worauf können sich die Schlösslekeller-Besucher im neuen Jahr freuen? 
Es wird wieder einen schönen Mix aus Bekanntem und Neuem geben. Einzig die Sparte «Liechtensteiner Spezialitäten» wird im Frühjahr etwas dünner ausfallen als auch schon. Dies liegt letztlich auch daran, dass wir hier auf das Engagement der einheimischen Künstlerinnen und Künstler angewiesen sind. Momentan herrscht ein wenig Flaute. Es war aber in den letzten Jahren diesbezüglich sehr viel los, drum wollen wir nicht klagen. Das kommt schon wieder.
 
Es war heuer zwar kein runder Geburtstag, aber haben sie trotzdem Wünsche für den Schlösslekeller?
Das Hauptproblem, das wir momentan haben und worauf wir bei den vollbesetzten Aufführungen des «Heimatabends 2.0» immer wieder angesprochen werden, ist die fehlende Klimaanlage. Bis dato ist leider noch niemand bereit, eine grössere Summe Geld in die Hand zu nehmen, um uns den Einbau einer solchen dringend benötigten Anlage zu ermöglichen. Alleine können wir das schlicht nicht stemmen. (Interview: gk)
28. Nov 2019 / 14:50
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