• Markus Meier, Vaduz
    Markus Meier weiss mit Worten umzugehen.  (Tatjana Schnalzger)

Markus Meier: «Ich lebe Vaduz»

Er ist ein vielseitiger Vaduzer: Markus Meier ist selbstständiger PR-Fachmann, Kommunikationsberater und auch Publizist. Vor einigen Jahren erschien sein dritter Gedichtband «Met Ross und Waga», welcher einen Einblick in Vaduz’ Vergangenheit gibt.

Herr Meier, würden Sie sich als waschechten Vaduzer bezeichnen? 

Markus Meier: Ja! Obwohl ich nicht ganz «reinrassig» bin. Mütterlicherseits habe ich allerdings lauter Vaduzer Vorfahren und ich fühle mich in jeder Beziehung auch als «Vadozner». Ich lebe Vaduz, könnte man sagen.

Wenn Sie Liechtensteins Hauptort Vaduz vergleichen – von Kindheit an bis heute. Wie hat sich die Gemeinde verändert?

Vaduz hat sich in den letzten 50 Jahren sehr stark verändert. Als ich noch die Schule besuchte, war Vaduz noch mehr oder weniger ein Bauerndorf. Es existierten zwei Banken. Dass wir ein Finanzplatz oder Industriestandort sein würden, davon war noch kaum etwas zu spüren. Entlang der Aeulestrasse waren Misthaufen und Bauernhöfe. In den Sechzigerjahren ging langsam eine Zeit zu Ende, in der die Kinder noch problemlos auf der Strasse Fussball oder Völkerball spielen konnten. Ich wollte diese Zeit im meinem dritten Gedichtband «Met Ross und Waga» festhalten.

2016 präsentierten Sie den Gedichtband und dessen Titelgeschichte war eine Rundfahrt mit dem Fuhrhalter Alfred Nipp durch Alt-Vaduz, die vom Mühleholz im Norden bis zum Restaurant Au im Süden führt. Was hat Sie dazu inspiriert?

Die Reise spielt sich in meiner Schulzeit ab. Ich mache eine imaginäre Rundreise mit dem Fuhrhalter Alfred Nipp, den es wirklich gab. Der Mann war, im besten Sinne des Wortes, ein Dorforiginal, der ständig mit seinen Pferden unterwegs war. Der Gedichtband ist als Erinnerung für die ältere, aber auch die  jüngere Generationen gedacht, die das alles gar nicht miterlebt hat. Meine Grossmutter Ida Ospelt-Amann war eine bekannte Vaduzer Mundartdichterin, aber sie hatte eine andere Zielsetzung als ich. Sie hat auch aus vergangenen Tagen erzählt und geschrieben, wollte die damalige Zeit festhalten – die Menschen und wie sie gelebt und gearbeitet haben. Mir geht es mehr um die Unterhaltung, um den Witz. Ich beschreibe und erzähle gerne mit einem Schmunzeln.

Bleiben wir beim Schmunzeln: Weitere Gedichte beschreiben Episoden, Sachverhalte, Weis- und Dummheiten über, in und über Vaduz hinaus. Wie ist das zu verstehen?

Mir persönlich gefallen Episoden, bei denen auch einmal etwas schiefläuft, oder Situationskomik. Solche Ereignisse originell zu beschreiben,ist für mich persönlich die Hauptzielsetzung meines Dichter-Daseins.

Können Sie uns ein Beispiel geben?

Eine witzige und wahre Geschichte ereignete sich im Restaurant Schäfle in Triesen. Wir hatten eine Besprechung und mein Nachbar erzählte irgendetwas über ein «Worst-Case-Szenario». Der Kellner stand in diesem Moment hinter ihm und fragte: «Was? Ein Wurst-Käs-Salat?»

Können Sie uns auch ein kurzes Erlebnis aus Vaduz erzählen?

Eine Nacherzählung, ja. Ernst Ospelt war einst für die Gemeinderatswahlen in Vaduz aufgestellt. Gleichzeitig war auch David Strub im Rennen für den Posten als Bürgermeister. Die beiden sind zur Wahl angetreten. Ernst Ospelt schaffte den Sprung nicht, aber David Strub wurde gewählt. «Tito», ein Vaduzer, der im Armenhaus (am Standort des heutigen Landesspitals) kommentierte diese politische Lage wie folgt: «Die Lage ist nicht mehr ‹Ernst›, aber weiterhin ‹Strub›.»

Wie hat sich Vaduz für Sie als Einwohner verändert?

Ich finde, man hat früher einfacher und gemütlicher gelebt. Schlecht ist es unserer Generation ja nie gegangen, aber es war eine sozialere, gesellschaftlichere Zeit, in der sich dieMenschen öfters in der Nachbarschaft oder am Stammtisch trafen und diskutierten. Heute ist alles viel anonymer. Man kennt auch nicht mehr alle Leute. Darüber hinaus ist meines Erachtens allzu viel dem Kommerz untergeordnet. Man könnte  meinen, am jüngsten Tag schneide der am besten ab, welcher am meisten dem Geld nachgerannt ist. Umso älter ich werde, umso mehr schätze ich die Pflege von Freundschaften unter Gleichgesinnten, das Zusammensitzen, das Zwischenmenschliche. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich unsere Gesellschaft wieder etwas mehr in diese Richtung verändert und damit der Zusammenhalt gestärkt wird. (nb)

01. Okt 2018 / 19:05
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