• Ingo Ospelt
    Ingo Ospelt mag es, zwiespältige Figuren zu spielen.  (Symbolbild)

«Ingo, du bist zu alt für den Film»

Seit einigen Jahren ist der Vaduzer Ingo Ospelt regelmässig in Schweizer Fernseh- und Kinofilmen zu sehen. Anfang Januar hat er es als Ratsherr Karl auf die Frau von Zwingli im gleichnamigen Kinofilm abgesehen. Eine Laufbahn, die vom Theater zum Film führte.
Vaduz. 

Direkt nach der Matura wechselte Ingo Ospelt 1981 als 20-Jähriger an die damalige Schauspielakademie Zürich. Nach dessen Abschluss tourte er zusammen mit seiner Frau Eveline Ratering, die er beim Begabungstest für die Schauspielakademie kennenlernte, sieben Jahre lang von Engagement zu Engagement. Sie waren unter anderem an den Stadttheatern in Baden Baden, in Pforzheim, Berlin, in Oberhausen und am Landestheater Memmingen tätig. «Dies waren unsere sieben Lehr- und Wanderjahre», erzählt Ospelt. 

«Kellnern musste ich nicht»
1992 zogen sie zurück nach Zürich, wo sie verschiedene Engagements annahmen, aber auch in der freien Theaterszene wirkten. Zum Teil waren sie an Theatern angestellt, zum Teil haben sie eigene Projekte unter Label Triad verfolgt. «So hatten wir immer eine gewisse Freiheit», erzählt der Schauspieler. Seit 2004 macht Ingo Ospelt auch zusammen mit seinem Bruder Mathias und Marco Schädler Kabarett mit dem «Liechtensteiner Gabarett» (kurz Liga), das kommendes Jahr das 25-jährige Bestehen feiert. Ospelt habe dabei immer im Theater und in angrenzenden Genres gearbeitet: Er hat gespielt, inszeniert oder auch für das Schweizer Militär, Novartis und auch das MAZ Coachings für Gesprächssimulationen gemacht. Nebenbei hat er mit seiner Frau drei Kinder grossgezogen. «Diese Zeit war sehr spannend und intensiv, aber kellnern oder so musste ich nicht, um finanziell über die Runden zu kommen», erzählt Ospelt.

Zehn Jahre Kinder- und Jugendtheater
1999 gründete er zusammen mit seiner Frau  und der Produktionsleiterin Gabi Bernetta die Theatercompanie Triad, dessen erste Produktion sie im TAK zeigten. Die Companie war ursprünglich als Theaterformation geplant; entwickelte sich mit den Jahren aber mehr und mehr zu einem Kinder- und Jugendtheater. Als Eveline Ratering mit dem Schauspielen aufhörte, führte sie 2006 erstmals für ihre erste Jugendtheaterproduktion «Krabat» Regie. Mit dem Stück feierten sie grosse Erfolge und gewannen mehrere Auszeichnungen. Darauf waren sie mit der Produktion sehr viel unterwegs und spielten in Wien, Graz, Luxemburg und auch in Prag am Festival für deutschsprachiges Theater. Jedes zweite Jahr realisierte das Trio eine neue Produktion, seit 2006 vorwiegend im Kinder- und Jugendbereich. Die letzte Produktion hiess «Zwischen Sternen fliegt der Staub», die zum 10-jährigen Jubiläum im Rahmen einer Werkschau wiederum im TAK gezeigt wurde.

Vom Theater zum Fernsehen
Im Jahr 2000 hatte Ingo Ospelt seine erste grössere Fernsehrolle im Film «Moritz» von Stefan Haupt. Seither hat er immer regelmässiger auch fürs Kino und Fernsehen gearbeitet. «Vor fünf Jahren dachte ich, ich möchte meinen Fokus mehr auf den Film setzen», sagt Ingo Ospelt. So meldete er sich bei einer Agentur in Berlin, bei der er einen der Inhaber von früher kannte. Dieser habe ihm knallhart gesagt: «Hör zu Ingo, ich schätze dich als Schauspieler, aber du bist zu alt». Die Konkurrenz durch Superstars des deutschen Fernsehens sei zu gross.

Stattdessen bot er ihm ein Coaching an, um eine Bewerbungsmappe vorzubereiten. Als die Agentur-Partnerin Ingos Unterlagen sah, habe diese gesagt: «Stopp, den finde ich doch interessant». Und da gerade ein älterer Schauspieler aus der Agentur ausgestiegen sei, durfte der Vaduzner dessen Position übernehmen. Seither durfte Ingo Ospelt einige interessante Rollen spielen, wie zum Beispiel den Gefängniswärter in Sommervögel (2010), den Dr. Anton Moser im Schweizer Tatort (2013), den Emil Lutz in «Der Kreis» (2014), den Zollbeamten in «Die Welt der Wunderlichs» (2015) oder den Pfarrer in «Die göttliche Ordnung» (2016). Letztes Jahr hatte er eine grössere Rolle im Schweizer Fernsehfilm «die Einzigen» inne wie auch in der Serie «Quartier de Banques», die derzeit jeden Mittwoch im Fernsehen läuft. Das letzte halbe Jahr verbrachte Ingo Ospelt im Künstleratelier der Kulturstiftung Liechtenstein in Berlin und wirkte dabei in zahlreichen Filmen mit: «Ich habe so viel gedreht wie noch nie in meinem Leben».

Experte für funktionale Rollen
In seinen Filmen deckt Ingo Ospelt eine grosse Spannbreite ab; meist sind es jedoch funktionale Rollen (wie ein Pfarrer, Anwalt, Grenzwächter, Psychologe, Polizist oder ein Arzt), die er interpretiert. Diese Rollen seien nicht einfach zu spielen: «Man hat nur wenig Zeit – meist nur eine Szene, um die Rolle rüberzubringen. Man muss die Person in dieser kurzen Zeitspanne genau treffen und kann sich im Gegensatz zu einer grösseren Rolle nicht ausbreiten». Auch zwiespältige Figuren möge er; Charaktere, die eine grosse innere Spannung haben. Menschen, die etwas machen wollen, aber nicht können. Im Fernsehfilm «Lina» mimte er beispielsweise einen Gemeinderat, eine «sehr unsympathische Rolle», wie er sagt. Auch würde er gerne einmal in einer Komödie spielen, vielleicht komme dies noch irgendwann. «Ich mag alles, wo man als Schauspieler dran arbeiten kann», so Ospelt.

Als nächstes kommt Anfang Januar der Spielfilm «Zwingli – der Reformator» ins Kino, in dem Ospelt den Ratsherrn Karl spielt, der es auf Zwinglis Frau abgesehen hat. Im April ist er zum zweiten Mal beim Schweizer Tatort in Luzern dabei. Aber zuerst spielt er noch am 24. Oktober beim Theater « VierPunktNull – Arbeit der Zukunft» im Kulturmarkt Zürich mit, bei dem seine Frau Regie führt. Ingo Ospelts Wunsch wäre, mehr in Deutschland zu drehen. Erste Anfragen habe es bereits gegeben, «doch bis jetzt kamen mir meistens andere Termine in die Quere».  (mk)

02. Okt 2018 / 18:35
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