• Wolfgang Ender
    1968: Wolfgang Ender küsst die junge FL-Skirennläuferin Martha Bühler. Bild: Archiv

Sportvereine fühlen sich in Vaduz wohl

Liechtensteins Hauptort Vaduz weist im Sport eine grosse Tradition auf. Vaduzer Olympioniken befinden sich jedoch keine unter den zehn Olympiamedaillengewinnern. Die Tennisspielerin Kathinka von Deichmann sowie einige Vereine sind Aushängeschilder.
Sport allgemein. 

Sportler aus Vaduz, die im internationalen Sport für Aufsehen gesorgt haben, gibt es einige. Das bekannteste Aushängeschild ist die Tennisspielerin Kathinka von Deichmann, die erst kürzlich mit der erstmaligen Qualifikation für das Hauptfeld bei einem Grand-Slam-Turnier am US-Open FL-Sportgeschichte schrieb.
Der Skirennfahrer Wolfgang Ender ging als Pionier hervor und etliche Fussballer aus der Residenz schafften den Sprung in die höchste Schweizer Liga.

FC Vaduz ist  Rekordsieger im Aktivcup europaweit
Seit 1932 besteht der FC Vaduz. Eine Rekordmarke europweit spricht für den FCV, der in den bisherigen 73 Austragungen 46 Mal den Cup gewann. Er schaffte zudem im Jahre 2001 den Aufstieg in den Profifussball (NLB) und stieg im Jahre 2008 erstmals in die Super League auf. Insgesamt drei Saisons spielte der FCV im Fussball-Oberhaus in der Schweiz. Etliche grossartige Fussballer sind aus dem FC Vaduz hervorgegangen. Ein Vorreiter war Norbert Kieber (77), der schon 1962/63 beim FC Moutier in der NLB geschafft hatte. Nach seiner Rückkehr nach Vaduz machte er bei einem Testspiel mit dem FCV gegen den FC St. Gallen auf sich aufmerksam und ist in der Saison 1966/67 von den Ostschweizern in die NLB geholt worden. Eine Saison später schaffte er den Aufstieg in die NLA. Nur damals konnte Kieber nicht vom Fussball-Einkommen leben. «Eine Prämie war ein gütlicher Zustupf. Ein Fixum gab es nicht. Ein Sieg war nötig, um einige Franken zu kassieren», schilderte Kieber einst.

Manfred Moser war ein weiterer Vaduzer, der für Furore sorgte und sich im Fussball-Oberhaus etablierte (FC Zürich, FC Chiasso, Nordstern Basel). Er holte 1980/81 mit dem FCZ die Meisterschaft und ein Jahr später stieg er mit Chiasso in die NLB ab.

Das Aushängeschild war der viel zu früh verstorbene Rainer Hasler (†), der im Rahmen der Jahrtausendwende als «Golden Player» des Liechtensteiner Fussballs hervorging. Er wechselte 18-jährig zu Neuchâtel Xamax, wo Hasler mit seinem Team im Europacup für Furore sorgte (1979 – 1983). Später holte ihn das grosse Servette Genf an den Lac Leman, wo Hasler mit Karlheinz Rummenigge und Michel Renquin zusammen spielte und sogar als Liechtensteiner das Amt als Captain innehatte (1989 – 1993). 1984 gewann er den Cup und 1985 die Meisterschaft mit Servette.

Sein Sohn, Nicolas Hasler (Chicago Fire) bewegt sich in den Fussstapfen seines Vaters und holte in der letzten Saison den Titel der Majer League Soccer (MLS) in Nordamerika. Im aktuellen Kader des FC Vaduz steht mit Sandro Wieser ein Ur-Vaduzer.

Weitere aktuelle und ehemalige Nationalspieler aus Vaduz sind Andreas Gerster (Ex-Vaduz, Ex-Hartberg), Seyhan Yildiz (FC Balzers), Lukas Eberle (FC Schaan), Fabian Eberle (FC Konolfingen), Philipp Ospelt (Ex-Vaduz), Jürgen Ospelt (Ex-Vaduz, Ex-Chur), Marco Ritzberger (Ex-Vaduz), Patrick Hefti (Ex-Vaduz, Ex-Greensboro), Roland Moser (Ex-Vaduz, Ex-St. Gallen), Modestus Haas (Ex-Vaduz), Haymo Haas (Ex-Vaduz, Ex-Xamax) und Markus Haas (Ex-Vaduz, Ex-Luzern). Auch Adi Noventa war eine Fussballgrösse, der seine Wurzeln in Vaduz hatte, Erfolge mit GC, Luzern und YB feierte und auch als Trainer erfolgreich war (FC Winterthur).

30 Sportvereine auf Vaduzer Gemeindegebiet
Gross ist die Vielfalt der Sportvereine, die in Vaduz angesiedelt sind. Neben dem FC Vaduz sorgte der Squash- & Racket Club Vaduz für Furore, der seit mehr als 23 Jahren in der Schweizer NLA (Anm. der Redaktion: Aufstieg am 23. April 1995) mitspielt und zweimal den Schweizer Meistertitel einfuhr (2004 und 2012). 30 Sportvereine, wie in keiner anderen Gemeinde des Landes, bieten viel Möglichkeit zum Sport an. Das Gros jener Vereine zeichnet auch für sportliche Grossanlässe verantwortlich. Der Vaduzer Städtlelauf zählt zu den traditionsreichsten Veranstaltungen in Vaduz und feierte in diesem Jahr die 34. Austragung. Auch das Beachvolleyballturnier, das jährlich Tausende Fans anzieht und vom Verein ProBeach organisiert wird, geniesst grossen Zuspruch und wird seit 2005 jedes Jahr im Städtle durchgeführt (14. Austragung 2018).

Seit 1946 besteht der Skiclub Vaduz und seit diesem Mai steht mit Martina Miller eine Frau diesem Verein als Präsidentin vor; die Erste der 72-jährigen Vereinsgeschichte. Das Vereinsleben ist intensiv; der Brillen Federer Skinachwuchs Cup beispielsweise wurde zudem vom SCV-Mitglied Hans-Rainer Miller in der Skisaison 2000/2001 ins Leben gerufen. Frauen sind in Vaduz offenbar besonders gewillt, ein Präsidentschaft zu übernehmen. Beim FC Vaduz hat Ruth Ospelt seit 2013 das Präsidentenamt inne und beim LC Vaduz war bis Februar 2017 Nicole Verling die Präsidentin des Vereins. Sie ist von Michael Kummer abgelöst worden.

Wolfgang Ender, der Skipionier aus Vaduz
In der langen Chronik hat bislang «nur» der legendäre Wolfgang Ender zweimal die Qualifikation an die Olympischen Spielen 1964 (Innsbruck) und 1968 (Grenoble) geschafft. Doch in Innsbruck lag er nach dem Abfahrtstraining im Spital. «Am Patschenkofel brach ich mir im Abfahrtstraining beide Wadenbeine und riss mir beide Schienbeine an.  Josef Pfudi Gassner verletzte sich schwer und ein Australier stürzte im selben Training tödlich», erinnert sich Wolfgang Ender. Sein Start auf einer Abfahrtspiste kam kurzfristig zustande, denn seine Konkurrenten vom SC Triesenberg sind stärker als Ender eingestuft worden. Es kam zu Abfahrts-Ausscheidungen. «Ich fuhr als Jüngster und distanzierte meine Konkurrenten auf den langen Abfahrten um 30 Sekunden. Ich hatte in der Nacht den Wachs auf Silberpasta gewechselt», nannte Wolfgang Ender sein Erfolgsgeheimnis. «Obwohl wir vier Läufe bestritten, war ich stets der Schnellste», lächelt Ender heute. Trotz seiner schweren Verletzungen in Innsbruck kehrte Ender rasch auf die Pisten zurück. «Im Frühjahr 1964 realisierte ich im ersten Rennen bereits wieder einen Sieg», so Ender.  Im Jahr 1967 fuhr er zusammen mit Josef Gassner als erster Liechtensteiner im damals neu geschaffenen Weltcup. 1969 wurde mit Wolfgang Ender erstmals eine Trainingsgemeinschaft mit dem österreichischen Skiverband (ÖSV), realisiert. Im Dezember 1973 vor der Ski-WM 1974 in St. Moritz hatte er sich verletzt. «Als Willy Frommelt dem Österreicher Karl Cordin in der Abfahrt die Medaille weggeschnappt hat, war die Kooperation mit Österreich zu Ende», so Ender, der einen Winter aussetzen musste, da er ihm die Platte am Schienbein zugesetzt hatte.

Dass Ender, der in Triesen aufgewachsen war, in Vaduz landete, hatte mit den sportlichen Umständen zu tun. «Ich besuchte das Gymnasium und landete beim SC Vaduz, wo ich mehr Freiheiten als beim SC Triesen genoss und nicht der Zwang eines eingefahrenen Systems hatte. Benni Gassner und Vater Sepp waren meine Antreiber», blendete Ender zurück.

Obwohl der SC Vaduz viel Engagement für den Skisport betreibt, hat er nach Ender nur noch Moritz Gassner und Martin Lampert hervorgebracht, die es zu einer Ski-WM-Teilnahme schafften. «Wir bieten den Kids gute Rahmenbedingungen, doch gibt es immer weniger Skifahrer, die rennsportmässig den Sport ausüben wollen; sie bevorzugen das Breitensportangebot», bedauert SCV-Präsidentin Martina Miller und ergänzt: «Zudem ist das Angebot und die  Konkurrenz an Vereinen in Vaduz sehr gross.»

Keine Medaillen: Zahlreiche Vaduzer Olympiateilnehmer
An Olympischen Sommer- & Winterspielen tummelten sich neben Wolfang Ender seit 1936 immer wieder Athleten aus Vaduz. Eduard von Falz-Fein (Zweierbob), Oskar Ospelt (Leichtathletik) und Theodor Sele (Schiessen) nahmen an Olympia im Jahre 1936 teil. 1948 in London standen Gebhard Büchel und Josef Seger (LA) im Einsatz. 1960 in Rom stand der Schütze Quido Wolf (†) im Einsatz.

1968 in Mexiko zählten der Zehnkämpfer Franz Biedermann und der Mittelstreckenläufer Xaver Frick jr.  (800 m und 1500 m) zum Olympiateam. Biedermann beendete den Wettkampf mit 6323 Punkten auf Rang 19, derweil Frick in seinen Vorläufen den siebten (800 m) und neunten Rang (1500 m) belegt hatte.
Remo Sele startete als Kleinkaliberschütze (50 m liegend Pistole) zweimal – 1972 in München (Rang 81 mit 583 Ringen) und 1984 in Los Angeles (Rang 66 mit 573 Punkten) – an Olympia. 1988 in Seoul stand er als Betreuer von Gilbert Kaiser im Einsatz, der 40 Jahre in Vaduz gelebt hatte, aber Schaaner ist. Der letzte Vaduzer, der sich ein Olympiaticket gesichert hat, ist Marathonläufer Roland Wille, der 1992 in Barcelona Rang 68 belegt hat; 2:31,32 Stunden betrug seine Laufzeit.

Den Schiesssport im Lande dominierten während vieler Jahre die Schützen des Kleinkaliberschützen Verein (Dreistellung, Liegend auf 50 m) und des Zimmerschützenvereins Vaduz (Luftgewehr auf 10 m). Stark in Erscheinung trat vor und nach der Jahrtausendwende Oliver Geissmann in Erscheinung, der aus Planken stammt. «Bei den Mädchen gibt es guten Nachwuchs, der nachdrängt und die sportlichen Anforderungen erfüllt», so der ehemalige Präsident der Zimmerschützen, Josef Brendle, der Larissa und Laurena Vanoni sowie Leonie Mautz namentlich nannte. (eh)

Gemeinde Vaduz
Einzelsportler, aktuell:
Kathinka von Deichmann (Tennis), Nicolas Hasler (Fussball), Seyhan Yildiz (Fussball), Lukas Eberle (Fussball), Fabian Eberle (Fussball). 

Ehemalige: Ewald Wolf (Rad), Manfred Moser (Fussball), Rainer Hasler † (Fussball), Norbert Kieber (Fussball), Andreas Gerster (Fussball), Philipp Ospelt (Fussball), Jürgen Ospelt (Fussball), Marco Ritzberger (Fussball), Patrick Hefti (Fussball), Roland Moser (Fussball), Modestus Haas (Fussball), Haymo Haas (Fussball), Markus Haas (Fussball), Adolf Noventa (Fussball), Martin Lampert (Ski alpin), Marc Ruhe (Langlauf, Wintertriathlon), Martina Miller (Ski alpin), Moritz Gassner (Ski alpin), Franz Biedermann (LA-Zehnkämpfer), Xaver Frick jr. (Leichtathlet), Remo Sele (Schiessen).

Vereine: SRC Vaduz (Squash), FC Vaduz (Fussball), Vaduz Interteam (Judo), SC Vaduz (Skisport), ACFL Sportteam (Autorennsport), BC Vaduz (Badminton), BBC Magic Woodchucks (Basketball), Bob- & Skeleton-Club (Bob), Bogenschützenverein Vaduz (Bogenschiessen), Deep Freeze Alpin Snowboardclub (Snowboard), DC Vaduz (Delta),  EHC Vaduz-Schellenberg (Eishockey), Eislaufverein Vaduz (Eislaufen), Frauenturnverein Vaduz-Ebenholz (Turnen), Gleitschirmclub Vaduz (Gleitschirm), KK Vaduzerholz (Kegeln), Kleinkaliberschützen Vaduz (Schiessen), LC Vaduz (Leichtathletik), Liechtenstein Rugby Union (Rugby), Männerturnverein Vaduz (Turnen), MC Vaduz (Minigolf), Modellrennsportclub Vaduz (Modellauto), Motorradclub Vaduz (Motorrad), Shotokan Karate-Club Vaduz (Karate), TC Vaduz (Tennis), Triathlon-Club Vaduz (Triathlon, Duathlon), VBC Galina Vaduz (Volleyball, Beachvolleyball), VC Vaduz (Radsport), Zimmerschützenverein Vaduz (Schiessen), Verein ProBeach Vaduz (Beachvolleyball).

01. Okt 2018 / 19:19
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