• Dompfarrer Jochen Folz
    Dompfarrer Jochen Folz

«Die Zeit verging bisher äusserst schnell»

Seit Dezember 2017 bekleidet Jochen Folz das Amt des Vaduzer Dompfarrers. Im «Vaterland» spricht er über seine bisherigen Eindrücke, den künftigen Weg der Pfarrei und die Renovation des St. Josefskirchleins.
Vaduz. 

Sie sind seit nunmehr knapp zehn Monaten als Dompfarrer von Vaduz tätig. Wie finden Sie sich im neuen Betätigungsfeld mittlerweile zurecht?

Jochen Folz: Die Zeit ist bisher äusserst schnell vergangen, was ein Zeichen dafür ist, dass ständig viel passiert. Aufgrund der vielen Einsätze in Krisen- und Kriegsgebieten (Jochen Folz war knapp neun Jahre als Militärseelsorger der deutschen Streitkräfte tätig, Anm. d. Red.) bin ich es gewohnt, mich in neue Situationen schnell ein- und zurechtzufinden. Aufgrund der relativen Überschaubarkeit ist eine Konzentration auf Wesentliches direkt möglich. Die Wege sind kurz, nicht nur bezüglich der räumlichen Nähe, sondern auch im Hinblick zu unterschiedlichen Ebenen in Vaduz und im Land.


Wie erleben Sie Vaduz und seine Einwohner?
Da ich meistens laufe, kann ich den Leuten hier ganz unmittelbar begegnen. Oft ergeben sich auch kurze Gespräche oder spontane Einladungen, zum Beispiel an den Stamm. So erlebe ich viele Menschen als interessant und gleichzeitig interessiert. Vaduz selbst bietet erfreulich viel Kultur, angefangen von den Museen mit wechselnden Ausstellungen über gesellige Veranstaltungen im Städtle bis hin zu den Konzerten unterschiedlicher Art. Mit einem gewissen Humor bezeichne ich deshalb Vaduz auch im Vergleich zu meinem langjährigen früheren Wirkungsort gerne «München en miniature».

Der Antritt eines neuen Amts ist stets mit Zielen und Vorsätzen verbunden. Wohin soll der Weg der Pfarrei Vaduz führen?
Mein Ziel als Priester war immer schon, eine natürliche Präsenz der Kirche in der Welt zu ermöglichen sowie ehrliche Anteilnahme an den Sorgen und Freuden der Menschen zu zeigen. Schliesslich sind es vielfach diese besonderen Anlässe der Familien, die dann auch die ganze Aufmerksamkeit des Seelsorgers verlangen. An der Universitätsgemeinde (als Militärdekan war Folz auch Hochschulseelsorger und Dozent für Ethik an der Bundeswehruniversität München, Anm. d. Red.) habe ich den Leitspruch «Für Sie sind wir da!» geprägt – hier weiss ich bereits, dass es persönlicher formuliert werden dürfte. Vaduz hat enormes Potenzial, das habe ich gleich zu Beginn meiner Tätigkeit gemerkt. Es braucht aber natürlich etwas Zeit, um eine Entwicklung mit langfristiger und nachhaltiger Wirkung zu gewährleisten. Allerdings habe ich beim Militär gelernt, eventuelle Probleme im Rahmen einer Strategieplanung nicht zu ignorieren, sondern als Teil des Auftrages für eine Gesamtlösung zu integrieren. Die Dompfarrei mit ihren Möglichkeiten soll sich als Bestandteil des öffentlichen Lebens verstehen und so auch wahrgenommen werden. Der unsere Kultur prägende Glaube darf auch künftig selbstverständlich erfahrbar und unmittelbar lebbar sein.

Welche Rolle spielt das St. Josefskirchlein für die Vaduzer Kirchengemeinde?
Ursprünglich war die Kapelle für die Bevölkerung von Ebenholz und dem dazugehörenden Einzugsgebiet gebaut worden. Heute kommen ausser den Pfarreiangehörigen von Vaduz auch Menschen aus ganz Liechtenstein, aus der Schweiz und sogar aus Vorarlberg zur sonntäglichen Messfeier. Ein Grund dafür ist sicher die kommode Uhrzeit um 11 Uhr. Es gibt ausserdem am Dienstagabend noch eine werktägliche Messfeier mit dem Rosenkranzgebet. Vielfach wird aber das Josefskirchlein, wie ich selbst schon bemerkt habe, während des Tages einfach auch zum stillen Verweilen von Menschen genutzt, die zum Beispiel in der Nähe arbeiten oder wohnen. Als besonderes Kulturgut im Rheintal ergeben sich künftig bestimmt noch mehr Nutzungsmöglich­keiten.

War seine Bedeutung früher grösser?
Über lange Zeiträume hatte die Josefskirche sozusagen einen eigenen Seelsorger: Von 1933 bis 1973 war es Kanonikus Anton Frommelt, und dann von 1986 bis 2006 war es Professor Theodor Bucher. Beide waren, wie mir berichtet wurde, richtige Originale, die auch die Gottesdienstgemeinde entscheidend geprägt haben. Es gab sogar einen eigenen Kirchenchor. Dies macht den wichtigen Faktor einer verlässlichen Kontinuität für eine gelingende Seelsorge deutlich. Auch wenn momentan kein eigener Priester zum Beispiel als Pensionist für die Messfeiern zur Verfügung steht, sorge ich als Pfarrer natürlich dafür, dass ein angemessenes Gottesdienstangebot gewährleistet wird.

Was sehen Sie persönlich in der kleinen Kapelle? Was macht sie – gerade gegenüber dem «mächtigen» Dom – besonders ?
Spontan würde ich sagen: das Familiäre. Die Leute sitzen näher beieinander, müssen sogar oft noch mehr zusammenrücken, weil die Spätmesse einen ausgezeichneten Zuspruch erfährt. Im Anschluss kann ich alle Messebesucher persönlich am Portal verabschieden. Deswegen eignet sich das Josefskirchlein auch für kleinere Anlässe, gerade bei Familienfeiern oder andere Institutionen.

Anfangs Mai wurde eine grössere Renovation der Kapelle abgeschlossen. Wie gefällt Ihnen das Resultat?
Ehrlich gesagt, habe ich anfänglich eine schlichte Wandbemalung favorisiert. Im Austausch mit den anderen Verantwortlichen konnte ich mich dann aber auch für eine interpretierende Restaurierung der Originalfassung entscheiden und durfte selber, angeleitet vom Chefrestaurator, mit den beiden Farbpinseln verschiedene Muster machen. Schliesslich wurde es Konsens, dass möglichst detailgetreu rekonstruiert wird, um die Einmaligkeit gerade des Hochaltars wieder mehr zur Geltung zu bringen. Mit dem Resultat bin ich wirklich glücklich, zumal es eine äusserst konstruktive Kommunikation zwischen Gemeinde, Architekt, Künstler und Handwerker sowie mir gegeben hat, die immer zielorientiert war. So wurde ein besonderer Ort für den öffentlichen Gottesdienst und für das persönliche Gebet geschaffen, der für Generationen weiter prägend sein wird. Es gibt bereits ein Projekt der Dompfarrei, die kunsthistorische Bedeutung des Josefskirchleins noch ausführlicher zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Sie setzten sich auch für eine Erneuerung der Einrichtung ein. Weshalb? Und was wurde in den vergangenen Monaten konkret verändert?
Die bisherige «Möblierung» war abgestimmt auf die letzte Renovierung und auch teilweise inzwischen sehr abgenutzt. Im Zuge der Rekonstruktion des Hochaltares war mit den wieder die Altarplatte stützenden Säulen ein prägendes Element gegeben, das mich für die Gestaltung einer neuen Einrichtung inspiriert hat. In verschiedenen Variationen findet sich das Säulenelement bei sämtlichen Einrichtungsgegenständen: beim Lesepult, dem Tischchen, den Sitzen für den Priester und die Ministranten, der Kniebank für die Hochzeiten und vor allem beim sogenannten Volksaltar, der ganz die Formsprache des Hochaltars widerspiegelt. Es konnten auch ein neuer Kreuzweg sowie eine Antonius- und Annastatue in Auftrag gegeben werden, wofür ich der Gemeinde und dem Stifter sehr dankbar bin. Ebenso wie beim Mobiliar habe ich bei den Entwürfen darauf geachtet, dass sich eine Harmonie in farblicher und gestalterischer Hinsicht für das Gesamtbild des Kirchleins ergibt. Zur Vervollkommnung des optischen Eindrucks gibt es noch Ergänzungen, auf die man schon gespannt sein darf. (bo)

04. Okt 2018 / 20:31
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