• Rene Ott, Vaduz
    Für Bademeister René Ott ist eine Saison erfolgreich, wenn alle Badegäste heil nach Hause gehen.  (Tatjana Schnalzger)

Bademeister Ott: «Irgendwie hat sich alles so ergeben»

Kürzlich hat René Ott seine 33. Saison im Schwimmbad Mühleholz beendet, welches die Gemeinden Vaduz und Schaan gemeinsam tragen. Sein Weg hat ihn über mehrere Stationen dorthin geführt, ohne dass er sich gross darüber Gedanken gemacht hat.
 
René Ott war nicht von Anfang an klar, dass er zum Schwimmbad Mühleholz gehört. Zuerst hat der in Ruggell Ansässige eine Schnupperlehre als Chemielaborant gemacht, weil er Explosionen und anderen Schabernack erwartete. Formeln lernen war jedoch nichts für ihn, viel lieber schraubte er. Deshalb machte der jetzige Bademeister eine Ausbildung zum Konstruktionsschlosser und liess sich zum Monteur weiterbilden. Dieser Beruf führte ihn durch die ganze Schweiz. «Damals war ich mehr im Auto unterwegs statt dass ich gearbeitet hätte.»
 
«Diesen Scheiss kannst du selber machen»
 
Im Sommer 1985 suchte «Badi Ludi» (Ludwig Ott) eine Aushilfe im Schwimmbad Mühleholz. Einsätze von bis zu 13 Stunden am Tag, das Arbeiten am Wochenende sowie an Feiertagen und der Verzicht auf Sommerferien fielen René Ott am Anfang schwer. Während der Saison konnte er kaum mit Freunden einmal etwas trinken oder die Freundin ausführen. Nachdem er seinen Vater ein Jahr lang unterstützt hatte, meinte er zu ihm: «Diesen Scheiss kannst du selber machen.» Inzwischen ist René Ott über 33 Jahre im Schwimmbad Mühleholz.
 
Ausserhalb der Saison war der Bademeister in seinem ehemaligen Lehrbetrieb und beim Werkhof Schaan tätig. Auf einer Ferienreise entdeckte er Ägypten für sich. Bei seinem zweiten Aufenthalt führte ein Engpass dazu, dass René Ott als Tauchlehrer aushalf. «Mir wurde eine Liste in die Hand gedrückt und ein Boot gegeben. Ich wurde gleich mit einer Gruppe losgeschickt», berichtet René Ott. Über 20 Jahre kehrte der ausgebildete Dive Master regelmässig nach Ägypten zurück, um als Tauchlehrer zu arbeiten. Er hatte sich vor Ort eine Wohnung eingerichtet und spielte mit Auswanderungsgedanken, bis er seine spätere Frau kennenlernte und daraufhin seine Tochter zur Welt kam. Seither steht für ihn die Familie im Vordergrund. Insbesondere seine zwölfjährige Tochter hält ihn auf Trab: «Ich war schon immer auf Abenteuer aus. Mit ihr stehen mir sicher noch einige Ausflüge in den Kletterpark oder zu anderen Destinationen bevor.»
 
Ein Beruf mit vielen Facetten
 
Allmählich erhöhte René Ott sein Arbeitspensum im Schwimmbad Mühleholz, bis er 1995 zum Anlageleiter wurde. Der Bademeister übernahm die Aufgabe von seinem Vater, als dieser aufgrund von einem Unfall kürzertreten musste. «Irgendwie hat sich alles so ergeben. Nichts ist geplant gewesen und trotzdem kam alles so, wie es sein sollte.» An seinem Beruf gefällt ihm, dass man viel an der frischen Luft ist, die Bewegung und dass man sich mit den Badegästen unterhält. Die Tätigkeit findet er vor allem abwechslungsreich: «Sonst wäre ich bestimmt nicht schon so lange hier.»
 
Der Bademeister erläutert: «Vielen entgeht, dass wir weit mehr Pflichten als die Aufsicht über unsere Badegäste haben. Immerhin muss jemand auch die Anlage instand halten.» Neben einer Schwimmprüfung gehört eine Giftklasseprüfung zur Pflichtausbildung, da man zur Pflege der Schwimmbäder mit Säuren und anderen Chemikalien hantiert. Als Bademeister sollte man ausserdem in Erster Hilfe, Buchhaltung sowie Psychologie bewandert sein. Ausserdem muss man gut mit Kindern umgehen können. Ein grüner Daumen gehört ebenfalls dazu, um die Anlage mit 150 Bäumen zu pflegen. «Vieles lernt man im Einsatz und durch Lebenserfahrung.» Eine Herausforderung stelle das ungewisse Wetter dar, sagt René Ott. So habe er schon erlebt, dass bei den Saisonvorbereitungen am 17. April noch zehn Zentimeter Schnee gelegen seien oder dass er am 17. Dezember noch den Rasen habe mähen müssen, damit dieser nicht kaputtgehe. «Falls mich jemand dabei gesehen hat, wird er mich jetzt wohl für verrückt halten.»
 
René Ott stellt eine Tendenz zum Familienbad fest, was den Vater besonders freut. Denn Familien seien sehr angenehme Gäste. Jugendliche bereiten ihm gelegentlich Sorgen, aber dafür zeigt er  Verständnis: «Wir sind früher zwar anders gewesen, aber hatten genauso Flausen im Kopf.» In seiner Zeit im Schwimmbad Mühleholz hat der Bademeister so Einiges erlebt. In der alten Anlage waren die Duschen noch an das normale Wassernetz angeschlossen. Wollte man die Schläuche reinigen, musste der Hochdruck eingestellt werden. Einmal wurde vergessen, das Ventil wieder abzudrehen. So passierte es, dass eine Touristin aus den Niederladen bei einem Wasserdruck von elf Bar unter der Dusche stand. «Der Bikini schwamm im Becken und sie stand da, wie Gott sie schuf», erzählt René Ott.
 
Schwimmbad feiert nächstes Jahr sein 60. Jubiläum
 
Das Schwimmbad Mühleholz wird finanziell jeweils zur Hälfte von den Gemeinden Schaan und Vaduz getragen, wie René Ott betont: «Die Kosten sind sauber geteilt. Wirklich bei jedem Franken wird geschaut.» Im Verwaltungsrat sitzen der Gemeindevorsteher von Schaan und der Bürgermeister von Vaduz. Alle vier Jahre wechselt der Vorsitz. Aktuell hat diesen die Gemeinde Vaduz inne. 
 
Nächstes Jahr feiert das Schwimmbad Mühleholz sein 60-Jahr-Jubiläum. Wie bei jeder Saison hofft der Bademeister dann, dass sich kein Besucher verletzt. «Das ist mir am wichtigsten. Schön wäre auch, wenn das Wetter mitspielt und viele Leute kommen. Dann weiss man, wofür die Arbeit überhaupt gemacht wird.» (gk)
02. Okt 2018 / 08:08
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