• Das Madleni-Hus im Zentrum von Triesenberg wurde nach traditioneller Strickbauweise erstellt.
    Das Madleni-Hus im Zentrum von Triesenberg wurde nach traditioneller Strickbauweise erstellt.  (Daniel Schwendener)

Zentrumsgestaltung mit Madleni-Hus?

Vor drei Jahren wurde in Triesenberg das 200 Jahre alte Madleni-Hus heiss diskutiert. Mittlerweile ist es ruhig um das Walserhaus geworden. Am Zustand verändert hat sich nichts. Demnächst wird aber über die Zukunft des Hauses entschieden.

Unscheinbar steht es mitten im Dorfzentrum und zeugt von einer alten Zeit: Das Madleni-Hus. Das 1803 erbaute Haus wurde in der sogenannten Strickbauweise errichtet und stellt einer der letzten Zeugen der Walserkultur in Triesenberg dar. Seit dem Tod der letzten Bewohnerin, Magdalena Schädler, ist es unbewohnt. Wenn es auch seit 1986 im Besitz der Gemeinde ist, konnte es bisher noch keinem Nutzen zugeführt werden. Die Idee, das Haus zu restaurieren und über die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» als Ferienhaus zu vermieten, wurde vom Stimmvolk vor drei Jahren verworfen – der dazu notwendige Baurechtsvertrag für den Verein Ahnenforschung wurde abgelehnt. Der Grund: Das Haus wäre unter Schutz gestellt worden. Doch das damalige Referendumskomitee war überzeugt, dass das Haus am falschen Ort und somit der weiteren Dorfzentrumsentwicklung im Weg stehen könnte. 

Seit der Abstimmung ist es ruhig um das Haus geworden. Auch wenn einige Stimmen sich im Wahlkampf für den Abriss aussprachen, steht es immer noch und wird gerne als Fotosujet verwendet. Vergangenes Jahr wurde es kurzfristig mit Leben gefüllt, als die Denkmalpflege im Rahmen des Europäischen Jahres des kulturellen Erbes Workshops mit Jugendlichen zum Umgang mit alter Bausubstanz organisierte. Doch einen wirklichen Nutzen hat es immer noch nicht. Demnächst wird sich jedoch weisen, wie es mit dem alten Walserhaus weitergehen soll. 

Varianten mit und ohne Madleni-Hus
Im Rahmen der Zentrumsentwicklung soll auch analysiert werden, wie mit dem Madleni-Hus, welches als «wertvoll, zu erhalten» und den zwei anliegenden Häusern, welche als «Gesamtform, erhaltenswert» ausgewiesen sind, umzugehen ist. Der Studienauftrag soll aufzeigen, wie die Zentrumsentwicklung mit oder ohne Madleni-Hus und die weiteren historischen Bauten aussehen könnte. «Erst dann können wir entscheiden, wie es weitergehen soll», sagt Triesenbergs Vorsteher Christoph Beck, der sich weiterhin für den Erhalt des Hauses ausspricht, aber nur dann, wenn dieser auch sinnvoll ist. Im Wahlkampf vor drei Jahren hatte er sich für das Madleni-Hus stark gemacht. «Der Nutzen als Ferien im Baudenkmal wäre sinnvoll gewesen. Doch jetzt haben wir eine andere Ausgangslage», sagt er. Bis im Herbst soll die Studie zur Zentrumsentwicklung vorliegen.

Walserhaus soll ins Kulturgüterregister
Auch die Denkmalpflege Liechtenstein hatte sich im Wahlkampf für das Madleni-Hus eingesetzt.  Hätte das Volk dem damaligen Projekt zugestimmt, wäre der sanfte Umbau mittels Denkmalsubventionen unterstütz worden. «Soweit ist es leider nicht gekommen» bedauert Patrik Birrer, Leiter der Denkmalpflege Liechtenstein. Trotzdem stuft die Denkmalpflege auch heute noch das Haus als wichtiges architektonisches Zeitzeugnis liechtensteinischer Baukultur ein. «Das Haus ist nach wie vor original erhalten. Es weist heute die gesamte Bau- und Raumstruktur von 1803 und die einheitliche Innenausbau-Modernisierung der 1890er-Jahre auf – allesamt materiell und gestalterisch vollständig original und gut erhalten», sagt Patrik Birrer. Das Baudenkmal hätte eine sehr hohe Schutzwürdigkeit und sei von nationaler Bedeutung, was eine Unterschutzstellung gemäss neuem Kulturgütergesetz rechtfertigen würde. Mitten im Dorfzentrum sei es einer der letzten Zeugen der Walserkultur. «Gerade daher muss sich auch jede künftige Zentrumsplanung am bestehenden Madleni-Hus orientieren», hält Birrer fest.
Aus diesem Grund wurde von der Denkmalpflege bereits im Juni 2017 der Antrag zur Registrierung des Madleni-Hus im Kulturgüterregister bei der Gemeinde Triesenberg gestellt. Ein Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Amt für Kultur soll alle Massnahmen zum Schutz, zu Erhaltung und zur Pflege des Kulturguts  regeln. Der Vertrag liegt zur Unterzeichnung bei der Gemeinde. Doch wie Christoph Beck sagt, wird zuerst das Studienergebnis abgewartet, bevor der Vertrag unterzeichnet wird. 

Bausubstanz intakt und Zustand mehrheitlich gut
Hinter der Zukunft des Madleni-Hus steht also immer noch ein Fragezeichen. Seit es nicht mehr bewohnt ist, haben auch keine Sanierungsmassnahmen statt gefunden. Einige Triesenberger haben Angst, dass es zerfällt. «Jedes Haus, das nicht bewohnt wird und genutzt wird, leidet natürlich», sagt Patrik Birrer. Die Gemeinde unterhalte das Haus jedoch sehr gut, sogar die Geranien an den Fenstern würden liebevoll gehegt und gepflegt werden. Auch die Bausubstanz sei intakt und der Zustand mehrheitlich gut.  «Das Amt für Kultur ist nach wie vor bestrebt und gewillt, das Kulturgut im Rahmen einer Unterschutzstellung vor Ort zu bewahren – nötigenfalls auch mit vorsorglichen Massnahmen», betont Birrer. (manu)

24. Jun 2019 / 07:00
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