• Hier macht es sich Marco Schädler gemütlich: Mit Kaffee und Zigaretten lässt er sich in der Raststätte zwischen Buchs und Sevelen vom Geschehen inspirieren.
    Hier macht es sich Marco Schädler gemütlich: Mit Kaffee und Zigaretten lässt er sich in der Raststätte zwischen Buchs und Sevelen vom Geschehen inspirieren.  (Daniel Schwendener)

Vom Raststätten-Geschehen inspiriert

Ein bescheidener Künstler, der auf grossen Bühnen wirkt – das ist Marco Schädler. Schon als Kind liebte der Triesenberger die Musik. Mit dem «LiGa» entdeckte er auch das Kabarett. Die Texte wie auch seine Kompositionen schreibt er am liebsten in einer Raststätte.

Seine Musikkarriere startete Marco Schädler mit einem «Gügeli», das er von seinen Eltern am Jahrmarkt geschenkt bekommen hatte. Ausserordentlich begeistert versuchte der Junge der Plastik-pfeife Töne zu entlocken, die er damals schon gekonnt melodiös aneinanderreihte. Bald bekam er ein grösseres «Gügeli» mit Klaviertastatur und der Junge konnte seine Melodien noch besser pfeifen. Sein musikalisches Talent war geweckt und so setzte sich der kleine Junge auch ganz unbedarft an das Klavier in der Stube seiner Eltern und spielte drauflos. «Ich wollte unbedingt Klavierstunden nehmen», erinnert sich Marco Schädler. Aber damals galt noch: Zwei Jahre Flötenunterricht, bevor Kinder ein anderes Instrument lernen durften. So zog der Jungmusiker diese zwei Flötenjahre durch – um dann endlich bei Albert und Elfriede Frommelt den Klavierunterricht besuchen zu können. «Ich hatte die besten Klavierlehrer!», schwärmt Marco Schädler. 
Weil der Junge zwar überaus musikalisch war, aber kein Interesse am Notenlesen hatte, überlistete ihn das Musiklehrer-Paar. «Weil ich laufend neue Melodien komponierte, sagten sie mir, ich müsse die Noten unbedingt aufschreiben können, sonst gingen all diese tollen, selbst komponierten Stücke bald ganz vergessen.» Von da an lernte Marco Schädler eifrig das Notenschreiben und hatte – zielstrebig wie er als Junge schon war – auch das Lesen schnell im Griff. 

«Ünschi Sabrina» mit Bravour geschafft
In der Schule begleitete Marco Schädler in der Musikstunde seine Mitschüler am Klavier, in der Kirche sass er bereits mit neun Jahren an der grossen Orgel. «Egal welches Instrument, wann und wo – Musik machte mir einfach immer Spass.» 
Als Jugendlicher versuchte sich Marco Schädler in Jugendgruppen und später bei Vereinen im Theaterspielen. Sein erstes grösseres Musik-Theaterstück komponierte er für den Maurer Männerchor. Im Oratorium «Heinato» nahm er humorvoll die Volksmusik und die Religion auf die Schippe. Auf die Schippe nahm er später dann noch einiges mehr, zusammen mit Ingo und Mathias Ospelt mit der Kabarettformation «Das LiGa». Ursprünglich haben die beiden Marco Schädler angefragt, ihr Kabarett hautpsächlich musikalisch zu begleiten. Bis dann ab und an auch noch ein bisschen Text dazu kam. «In einem Stück sagte ich gefühlte 100-mal Hallo und die grösste Herausforderung in einem anderen Stück waren dann folgende beiden Worte, zusammengehängt ausgesprochen: Ünschi Sabrina!» Mit Bravour hat dies der Musiker gemeistert und seine Textphrasen wurden immer länger. Somit war auch sein Interesse am Theater geweckt – und trotzdem scheute sich Marco Schädler noch lange Zeit vor Auftritten mit viel Text. Und zwar aus einem simplen Grund: «Es kam vor, dass ich mich einfach nicht mehr zusammenreissen konnte und mir auf der Bühne vor dem ganzen Publikum einen Schranz lachte.» Wie symphatisch! «Nein, eher peinlich», lacht die Frohnatur. «Aber es passiert auch heute immer mal wieder, dass ich während einer Produktion einen Lachanfall auf der Bühne habe.» Zuletzt war sein Bruder Poldi daran schuld: «Er hätte beim Nachtvolk-Stück seinen rätoromanischen Text aufsagen sollen», erzählt Marco Schädler. Weil er diesen vergessen hatte, brabbelte er einfach etwas vor sich hin. «Mutschgl pfutschgl tutschgl – das war so urkomisch, dass wir drei alle laut loslachen mussten ...» Ohne Humor geht eben gar nichts – und schon gar nicht bei Marco Schädler. 

Kaffee trinken, Gedanken freien Lauf lassen, erfinden
Im Laufe der Jahre kombinierte Marco Schädler seine Musik immer mehr mit dem Theater – und schaffte damit den Sprung auf grosse Bühnen wie in Berlin, Stuttgart und Bremen. Marco Schädler schaffte sogar den Sprung von Europa nach China. Es läuft beim  Musiker und Komponisten: In Zürich und Arosa hat er, zusammen mit einem Schauspieler und zwei Musikern, das Stück über den belgischen Chansonnier Jaques Brel bereits aufgeführt, im Herbst werden sie damit in Chur auf der Bühne stehen. Ebenfalls im Herbst spielt Marco Schädler in einem Händel-Programm. Dabei geht es um eine Begegnung zwischen Georg Friedrich Händel, gespielt von Marco Schädler, und dem österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig, gespielt von Andrea Zogg. Allerdings findet die Begegnung auf irrationaler Ebene statt. 
Langweilig wird es Marco Schädler nicht. Auch wenn sein Terminkalender voll mit Proben- und Auftrittsterminen ist: Der Triesenberger bleibt stets die Ruhe selbst. Möchte er sich mal bewusst entspannen, programmiert er am Computer. Er könne aber auch einfach mal blöd in die Welt hinausschauen und dabei Löcher in die Luft starren – «auch das entspannt!» Eine entspannte Atmosphäre braucht Marco Schädler auch, wenn er Texte schreibt oder Musik komponiert. Sein Lieblingsort dafür war einst das Restaurant Kulm. Seit dem Rauchverbot musste er sich einen neuen Ort suchen. Denn arbeiten ohne Zigaretten geht für Marco Schädler nicht. Den neuen Ort hat er auch schon gefunden: In der Autobahnraststätte zwischen Buchs und Sevelen. Dort verbringt er Stunden mit Komponieren, Schreiben, Überlegen, Kaffeetrinken, den Gedanken freien Lauf lassen, Kaffee trinken, Zigaretten rauchen, Geschichten spinnen, Konzepte auf die Beine stellen, Zigaretten rauchen, Figuren erfinden, Kaffee trinken ...

«Alles was geregelt ist, ist nicht lustig»
Aufgewachsen ist Marco Schädler im Täscherloch, wo er noch heute wohnt. Als Nachzügler hat er vier Geschwister. «Elf Jahre lang haben sich meine Eltern Mühe gegeben – dann war er geboren, der lang ersehnte Musiker!» Marco Schädler lacht. Wer ihn kennt, weiss: Ein Gespräch mit ihm ist ebenso erfrischend wie tiefgründig. Und: Marco Schädler liebt das Chaos. «Alles was geregelt ist, ist nicht lustig.» Entsprechend ist er auch nicht der Typ Triesenberger, dem es ganz flau im Magen wird, sieht er den Zwiebelturm der «Bärger» Kirche nicht mehr. «Ich könnte mir gut vorstellen, woanders zu leben. Sogar in New York.» Wer weiss – schliesslich kommt die Frohnatur gut an. Gekoppelt mit grossem musikalischem Talent, schauspielerischem Können, Humor und Tiefsinn hat Marco Schädler beste Voraussetzungen, auch im Ausland erfolgreich zu wirken.  (bsf)

21. Aug 2018 / 07:00
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