• Pfälzerhütte
    Elfriede Beck holt einen ihrer Kuchen aus dem Ofen, die bei den Wanderern sehr beliebt sind.

Hüttenwirtin auf 2108 Metern über Meer

Seit 17 Jahren sorgt Elfriede Beck dafür, dass Wanderer den Talabstieg von der Pfälzerhütte nicht hungrig antreten müssen oder sie nachts am Berggrat eine Unterkunft finden. Dank einer neuen Photovoltaikanlage blickt sie der neuen Saison zuversichtlich entgegen.

Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung herrscht in der Pfälzerhütte reger Betrieb. Gegen 11 Uhr ist Pächterin Elfriede Beck allein im Einsatz, schenkt Bier und Spezi aus. In der Küche hat sie Rösti in der Pfanne, das selbstgemachte Brot im Ofen. Als einer der Gäste nach ihr ruft, ist Beck sofort wieder vorne. Ob man auch in Euro bezahlen könne, lautet seine Frage. Sie nimmt den grünen Schein entgegen und holt eine weitere braune Flasche aus dem Kühlfach. Der Nächste erkundigt sich nach der Wanderroute über den Augstenberg gen Nenzinger Himmel. Da es auf 2108 Metern über Meer keinen Empfang gibt, möchte derselbe Herr wenig später die Wetterprognosen wissen. «Im Moment sieht es gut aus, aber ich bin kein Wetterfrosch», antwortet die Hüttenwirtin.

Dass Elfriede Beck ihre Kindheit auf einem Hof im Südtiroler Vinschgau verbracht hat, merkt man ihr nicht sofort an. Als sie sich trotz aller Hektik kurz an den Tisch setzt, spricht sie nämlich einen Walser Dialekt, der genauso gut von einer Triesenbergerin sein könnte. Mit 16 Jahren hat sie eine Stelle im Café Sele angetreten. «Im Südtirol hat man damals wenig Möglichkeiten gehabt, um zu arbeiten. Liechtenstein hat hingegen haufenweise Personal gesucht und deshalb habe ich es hier versucht», begründet sie den Weggang aus ihrer Heimat. Vor 37 Jahren hat sie ihren ersten Sommer auf der Pfälzerhütte verbracht. Für Beck war es Liebe auf den ersten Blick, weshalb sie ihrer Vorgängerin sporadisch immer wieder aushalf. Als 2002 eine neue Pächterin gesucht wurde, packte Beck die Gelegenheit sofort beim Schopf.

Am Gebirgsgrat tickt die Welt noch anders

Dieses Jahr geht die Wirtin in ihre 17. Saison auf der Pfälzerhütte. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange bleibe», gesteht Beck. Dabei hat sie vorher das Restaurant Schneeflucht insgesamt 21 Jahre geführt. Was ihr an der Arbeit gefällt, ist sowohl der Kontakt mit neuen Gesichtern als auch mit einheimischen Stammkunden. Zudem versprühe der Steinbau im Bettlerjoch einen besonderen Reiz. «Die Pfälzerhütte ist im Dreiländereck gut gelegen und nicht zu weit weg von Malbun. Trotzdem stellt die Wanderung eine Herausforderung dar.» Die Wanderwege, die zu ihr führen, seien vielfältig und würden Familien bis erfahrenen Bergsteigern das Passende bieten. Im Ziel angekommen, würden sich viele mit einem Kuchen belohnen.

So sehr die Hüttenwirtin das Leben am Gebirgsgrat geniesse: Es bringe auch gewisse Unannehmlichkeiten mit sich. Als sie nach der vergangenen Saison wieder ihr Haus in Triesenberg öffnete, habe sie sich auf folgendes gefreut: «Am Morgen aufwachen zu können und zu wissen, dass alles einwandfrei funktioniert.» In ihrem zweiten Zuhause habe Beck regelmässig mit Strom-, Wasser- und Gasproblemen gekämpft – alles Sachen, die viele für selbstverständlich halten. «Du musst dich in und um das Haus auskennen, sonst bist du verloren.» Auch der heisse Sommer 2018 bereitete ihr Sorgen, beinahe hätte sie Wasser bestellt. Im August habe sich die Quelle jedoch von einem Liter pro Minute auf fünf Liter pro Minute erholt.

Eine weitere mühselige Aufgabe sei das jährliche Schneeräumen, welches die Pfälzerhütte aus ihrem Winterschlaf weckt und dafür sorgt, dass Lebensmittel und weitere Notwendigkeiten mit dem Auto hinauf transportiert werden können – wenn das nicht möglich war, lieferte auch schon der Helikopter. Anfang Mai war die Hütte und die Terrasse noch komplett in Weiss gehüllt, wie Beck berichtet. Auf die Frage, wer für die Räumungsarbeiten verantwortlich sei, lacht sie. Zum Glück würden ihr die Familie und gewisse Freunde, die dann mit ihren Baggern ins Bettlerjoch kommen, dabei helfen.

Pfälzerhütte

Die Pfälzerhütte wurde am 5. August 1928 eröffnet. Die Bauarbeiten dauerten 113 Tage lang und kosteten 93'000 Franken. Seit 1950 gehört sie dem Liechtensteiner Alpenverein.

«Ich hoffe, dass wir bis zum 20. Oktober geöffnet haben»   

Nach zahlreichen Renovationen und anderen Arbeiten hat Elfriede Beck die Saison am 22. Juni offiziell eröffnet. Angesichts der neuen Photovoltaikanlage, die Ende Herbst – sozusagen als Geschenk zum 90. Geburtstag der Pfälzerhütte – fertiggestellt wurde, blickt sie der kommenden Saison zuversichtlich entgegen. «Mit dem zusätzlichen Strom dürfte es um einiges leichter werden. Aber schauen wir erst einmal», meint Beck. Erwartungen an Petrus stelle sie keine mehr. «Das Wetter ist essenziell für den Betrieb. Hier oben kannst du von Null bis Hundert alles haben.» Es sei auch schon vorgekommen, dass ihre Mitarbeiter im September schon Schneemänner gebaut haben, oder es Tage gab, an denen kein einziger Wanderer die Hütte betrat. «Ich hoffe, dass wir bis zum 20. Oktober geöffnet haben.»

Allzu lange hält es Elfriede Beck nicht auf dem Stuhl. Als die Mittagszeit näher rückt, endet das Gespräch. Die beliebten Kuchen sind noch nicht rausgestellt, was sie schnell nachholt. Eine solche Hektik würde man auf 2108 Metern über Meer gar nicht erwarten. Nichtsdestotrotz bereitet ihre Berufung der Hüttenwirtin sichtlich Spass, selbst wenn sie sich gelegentlich eine gewisse Auszeit wünscht. «Wenn ich diese Saison wieder die Zeit für eine Wanderung auf den Naafkopf finde, wäre das grossartig. Vergangenes Jahr hat es sogar zweimal geklappt», erzählt Beck. (gk)

 

24. Jun 2019 / 08:35
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