• Wer würde denken, dass sich unter diesem gigantischen Holzschnitzelhaufen ein Schneedepot befindet?
    Wer würde denken, dass sich unter diesem gigantischen Holzschnitzelhaufen ein Schneedepot befindet?

«Bärger» lancieren erstes Schneedepot

Zum 85-jährigen Jubiläum organisiert der SC Triesenberg ein «Summer-Schnee-Fescht» und präpariert dafür Mitten im Sommer eine Skipiste. Den Schnee dazu nimmt man aus einem Schneedepot in Malbun – eine Neuheit in der Region.
Pionierprojekt. 

Am 23. Dezember 1934 wurde der Skiclub Triesenberg ins Leben gerufen. Der SC Triesenberg war damals erst der zweite Skiclub, welchen es in Liechtenstein gab. Nur der SC Schann, der bereits seit 1931 existierte, kam den «Bärgern» noch zuvor. Und zwei Jahre später waren es genau diese beiden Vereine, die zusammen beschlossen, den Liechtensteiner Skiverband (LSV) zu gründen, um auch an internationalen Skirennen teilnehmen zu können.

In diesem Jahr feiert des SC Triesenberg nun also sein 85-jähriges Bestehen. Und zu diesem Anlass haben sich die Verantwortlichen etwas ganz Spezielles einfallen lassen. Mit dem ersten «Summer-Schnee-Fescht» in Malbun führt man nicht nur zum ersten Mal ein Skirennen in den Sommermonaten durch, sondern beschreitet gemeinsam mit den Bergbahnen Malbun und der Gemeinde Triesenberg ganz neue Wege.

Der Traum vom «Skifahren im Sommer»

Am 7. Juli, dem Tag des Jubiläumsfests, soll in Malbun nämlich eine Skipiste entstehen, auf welcher ein «Gaudirennen» stattfinden soll. Initiator dieser etwas verrückten Idee ist Patrick Eberle. «Ende letzten Winter haben wir uns kurzfristig entschlossen, zum  85-jährigenBestehen des Vereins   ein Fest zu machen. Wobei ich  nicht nur einfach ein Fest wollte, sondern eben zusätzlich das Highlight ‹Skifahren im Sommer›. Da gab es anfangs noch kleine Diskussionen, aber nach kurzer Aufklärung stand der Vorstand dann klar hinter mir und die Planung konnte beginnen», erzählt er.

Für den SC Triesenberg war die Idee eines Skirennens im Sommer keine neue. «Die Idee hatten wir bereits vor zehn Jahren, beim 75-jährigen Jubiläum auf dem Sportplatz Leitawis. Damals haben wir uns jedoch für eine Sommerolympiade mit diversen Spielen entschieden.»

Schneehaufen wird mit Holzschnitzeln zugedeckt

Doch wie kann man mitten im Sommer eine Skipiste in Malbun präparieren? Die Antwort darauf ist simpel: mit einem Schneedepot. Und da haben sich Initiator Patrick Eberle und sein Team vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SFL) in Davos inspirieren lassen. «Die Grundidee, alten Schnee vom Vorjahr zu lagern, um im darauffolgenden Winter so früh als möglich eine Piste zu haben, stammt aus Davos. Da wird jeden Herbst eine fünf Kilometer lange Langlaufloipe präpariert, damit die Spitzensportler so früh wie möglich mit dem Training beginnen können. Das Ganze nennt sich ‹Snowfarming› und ist mittlerweile sehr populär geworden», erklärt Eberle. 

Und so wurde am Ende der Skisaison, in Kooperation mit den Bergbahnen Malbun und zahlreichen Helfern des SC Triesenberg, ein riesiger Schneehaufen zusammengetragen, der anschliessend mit Holzschnitzeln zugedeckt wurde. «Die rund 30 Zentimeter dicke Schicht wirkt wärmeisolierend und hält den Regen davon ab, bis zum Schnee vorzudringen», sagt der Initiator und fügt an: «Die vielen Kubikmeter Holzschnitzel konnten vom Heizwerk Malbun ausgeliehen werden. Die Holzschnitzel spenden im Winter wieder Wärme und haben somit doppelten Nutzen.» Snowfarming ist also eine sehr ökologische Art, Schnee zu «produzieren. Dass dadurch künftig das künstliche Beschneien mit Schneekanonen ersetzt wird, ist allerdings unwahrscheinlich, da das Gelände dafür geeignet sein muss.

Schnee für die Piste genügend dick auftragen

Eine grosse Aufgabe haben die Verantwortlichen des SC Triesenberg allerdings noch vor sich. Denn aus dem Schneehaufen muss erst einmal eine Skipiste entstehen, welche am 7. Juli dann auch noch nicht geschmolzen ist. Daher muss diese kurzfristig präpariert werden. «Den Teil des Schnees, welchen wir benötigen, werden wir am Vortag von den Schnitzeln befreien, zum Schluchertreff transportieren und dort mit Schaufeln verteilen, damit mit ‹Fass-Tuuga› oder einer ‹Riitgeis› Rennen gefahren werden kann.»


Danach wird der Schnee liegen gelassen, bis er schmilzt. Dass dies aber nicht bereits während des Jubiläumsfests passiert, wollen Eberle und sein Team mit dem Schnee nicht sparen. «Wir werden auf sicher gehen und den Schnee für die Piste genügend dick auftragen, damit der Spass möglichst den ganzen Tag erhalten bleibt und bei Jung und Alt für Abkühlung sorgt.»

Grossteil soll für nächsten Winter übrig bleiben

Das vom SC Triesenberg initiierte Snowfarming-Projekt ist jedoch nicht ausschliesslich für das «Summer-Schnee-Fescht» gedacht. Im Gegenteil, denn der Grossteil des Schnees soll für die kommende Skisaison in Malbun aufgespart werden und beim unteren Teil der Piste Täli den Kunstschnee ersetzen. «Der Schneehaufen umfasste anfangs rund 2000 Kubikmeter, wobei davon zwischen 70 und 80 Prozent für den nächsten Winter übrig bleiben sollen. Das hängt aber immer von den sommerlichen Temperaturen und Niederschlägen ab», erklärt Patrick Eberle. Somit nimmt Malbun dank des ersten Snowfarming-Projekts in der Region eine Vorreiterrolle in Sachen ökologischem Skibetrieb ein. (rb)

25. Jun 2019 / 13:34
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