• Ums Egg, Triesen
    Dorfladen / Dorflada „Ums Egg“, Restaurant Linde, Triesen, Bild aufgenommen am 04.12.2018, FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

«Linde»: Eine Triesner Geschichte lebt weiter

Eine Gemeinde wird durch ihre Einwohner und ihre Geschichten zu einem Zuhause. Eine ganz besondere Triesner Geschichte ist die der «Linde» mitten im alten Dorfkern.

Jede Gemeinde hat ihre Geschichte und ihre Besonderheiten, die so gut wie jeder im Ort kennt. Und es gibt einige wenige Dinge, die haben es über die Ortsgrenze hinaus geschafft –Geschichten, die man in Liechtenstein einfach kennt. Eine davon ist die von Luzia Kindle und dem Gasthaus Linde in Triesen. «Die Beiz mit den besten Käsknöpfle», so kannte man die «Linde» im ganzen Land. Luzia war Triesner Urgestein, eigentlich ein Triesner Oberdorf- oder Lindaplatz-Urgestein. Umso trauriger waren viele, als die Gastgeberin 2013 verstarb und die «Linde» geschlossen wurde. Seit 2018 ist das Haus aber wieder geöffnet – die Stammgäste kehrten zurück und heute kommen auch viele junge Leute, die Luzia vielleicht gar nicht kannten, gerne auf ein Bier in die «Linde». 

Ein Mittelpunkt im Dorfleben

Wie lange das Gebäude bereits besteht, ist nicht ganz klar. Erste nachvollziehbare Beweise stammen aus dem Jahr 1809. Auf jeden Fall wurde es in den Jahren danach als Schulgebäude genutzt, ein Lehrer schreibt in seinen Aufzeichnungen vom Unterricht im Haus Nr. 31. Das Gebäude ist altehrwürdig und denkmalschutzwürdig. Es steht aber nicht unter Denkmalschutz. Die privaten Besitzer sind von sich aus aber entschlossen, dass die «Linde» erhalten bleiben soll, so wie sie ist. Das Gasthaus Linde gibt es in diesem Gebäude erst seit 1946 – fünf Jahre später fing Luzia dort als Serviertochter an.

In eine Dorfbeiz sind die Leute früher nicht nur gegangen, um zu essen und zu trinken. Es war ein Treffpunkt für die unterschiedlichsten Gegebenheiten. Dort haben sich die Bewohner informiert, bevor es das Radio oder den Fernseher gab oder bei Wahlen auf die Resultate ge-wartet. Nach Beerdigungen, Messen, Hochzeiten und Gottesdiensten war die Dorfbeiz die erste Adresse. In vielen Fällen haben Beizen auch eine politische Geschichte. So ist beispielsweise die «Linde» in Triesen seit jeher die Stammbeiz der Triesner FBP, während sich die VU im «Schäfle» traf. Die Türe der «Linde» stand aber natürlich immer für jeden offen, egal woher er kommt oder was er wählt. «Hier ist jeder willkommen und jeder gleich viel wert», erklärt ein Stammgast.

Das Quartier wird aufgewertet

Einige Jahre lang war das Triesner Oberdorf ohne Laden und Restaurant, jetzt gibt es beides wieder. Nachdem die «Linde» 2013 geschlossen wurde, konnte Leopold Schurti das Gast-haus Anfang 2018 erwerben und wieder eröffnen. Seither führt sein Bruder Pio das Gasthaus. Während die Beiz zu Beginn besonders am Freitag und Samstag gut besucht war, verteilt es sich heute auf alle Wochentage. «Wir haben 365 Tage im Jahr offen. Einige unserer Gäste kommen bevorzugt am Freitag, andere am Mittwoch. Und manche kommen jeden Tag», freut sich Pio Schurti. Auch der Laden ist seit letzten Dezember wieder geöffnet und bietet neben den Fleisch- und Milchprodukten von Landwirt Leopold Schurti und seiner Sauguat Anstalt alles Notwendige für den täglichen Bedarf. «Der Laden war davor knapp 40 Jahre geschlossen. Ich finde, der Lindenplatz braucht aber ein Geschäft, und ich finde es schön, dass wir ihn wieder öffnen konnten», sagt Pio. Besonders freut ihn aber, dass der Lindenplatz wieder zu einem lebendigen Zentrum wurde. Gäste aus dem ganzen Land gehen wieder ein und aus, kaufen im Laden ein oder trinken auf der Gasthausterrasse einen Kaffee. Eine Speisekarte existiert zwar nicht, aber es gibt doch jeden Tag etwas Warmes zu essen: «Es git was es hät, solang’s hät», lautet das Motto. Und das, was es gibt, gibt es bis in die Nacht hinein und zu einem fairen Preis. Eben so, wie es sich für eine Dorfbeiz gehört.

Ein «Gottesgeschenk» im Oberdorf

Bevor die «Linde» nach mehrjähriger Pause ihren Betrieb wieder aufnehmen konnte, wurden einige Sanierungsarbeiten vorgenommen. Unter anderem wurde die Küche komplett neu gemacht. Im Gastraum beliess man hingegen alles so, wie es ist. Das freut die Gäste sehr. Denn als Teil der Dorfgeschichte hat so mancher eine bestimmte Erinnerung an das Gasthaus oder ein Erlebnis, auf das man zurückblickt – beispielsweise war die «Linde» auch dafür bekannt, dass die Kellnerinnen dort nicht selten ihre grosse Liebe gefunden haben. «Die ‹Linde› ist wie früher. Nur Luzia ist leider nicht mehr hier. Es ist halt anders, aber dennoch genauso gut wie damals», freut sich ein langjähriger Stammgast. Der Stammtisch trifft sich täglich in der «Linde» und das seit etwa 50 Jahren. Die Mitglieder können sich an viele Geschichten erinnern, so auch an den – weltweit gesehen – wohl prominentesten Stammgast der «Linde», an Oskar Werner. Der Schauspieler lebte seit den 50er-Jahren in der Gemeinde und ging in der Linde regelmässig ein und aus. Wenn er nicht gerade bei «Columbo» mitspielte oder einen grossen Film drehte, unterhielt er sich mit den anderen Gästen bei einem Glas Whiskey. Genau solche Dinge machen die «Linde» zu etwas Besonderem. Es sind die speziellen Geschichten, die Erinnerungen und die gemeinsamen Erlebnisse, die das Gasthaus einzigartig machen. Und der ganze Stammtisch ist sich sicher: «A ‹Linda› kasch afach ned ersetza.» (lat)

12. Sep 2019 / 08:35
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