• Norman Wohlwend in Schellenberg
    In Schellenberg besteht zwar kein akuter Bedarf an Alterswohnungen, eine entsprechende Bauparzelle ist laut Vorsteher Norman Wohlwend aber bereits vorgesehen.  (Daniel Schwendener)

Schellenberg ist gerüstet

Wo wohnen wir, wenn wir älter werden und Unterstützung brauchen? In Schellenberg bietet die Gemeinde eine Erstberatung und finanzielle Förderungen an. Auch Ideen für Alterswohnungen im Zentrum gibt es.
Schellenberg. 

Ein Leben lang wohnte man im eigenen Zuhause als eigenständiger Mensch. Jeder Handgriff ist vertraut. Den Lebensabend nun im Altersheim verbringen? Auch wenn hierzulande der Standard der Häuser in Bezug auf Bau, Einrichtung, Mahlzeiten und Betreuung ein hohes Niveau aufweist: Die Tatsache, plötzlich Tür an Tür, Tisch an Tisch mit Fremden zu sein, die eine «Wohngruppe» bilden, mit denen man kaum etwas gemein hat ausser der körperlichen Einschränkung, bleibt für viele unvorstellbar. 
In Schellenberg leben über zwei Drittel der knapp 1100 Einwohner im eigenen Haus. Und jeder möchte auch möglichst lange dort bleiben. «In den letzten Jahren zeigte die kontinuierliche Entwicklung, dass die durchschnittliche Verweildauer in Alters- und Pflegeheimen massiv abnimmt. Die Leute kommen erst in der letzten Lebensphase, sprich, wenn sie pflegebedürftig sind», weiss Gemeindevorsteher Norman Wohlwend.

Gemeindebaubüro bietet Erstberatung
Mit dem demografischen Wandel wird die Anzahl älterer Menschen stark ansteigen, Familienstrukturen verändern sich, die Finanzierbarkeit von Betreuung und Pflege im Alter wird ein zentrales Thema werden, was einen veränderten Bedarf an Wohn- und Lebensformen nach sich zieht. 2014 lancierten die Gemeinden Ruggell, Gamprin und Schellenberg das Projekt «Wohnen und Leben im Alter», ausgelegt auf vier Jahre. «Der Einbezug der Bevölkerung, ihrer Wünsche und Vorstellungen, war uns dabei wichtig», so Wohlwend. Anhand von Befragungen und Workshops wurden Massnahmen erarbeitet, 2018 konnten erste Meilensteine gesetzt werden. «Stehen altersbedingt bauliche Massnahmen, die Gestaltung bzw. Anpassung des Wohnumfelds an, bieten wir bei uns in der Gemeindebauverwaltung eine koordinierte Erstberatung an.»  Zusätzlich liegt die Broschüre «Zu Hause älter werden» auf, welche hilfreiche Informationen und Tipps zur Wohnberatung für ein sicheres Zuhause enthält.


Finanzielle Förderung auf  LEA-Label-Basis
Können die Bürger beim altersgerechten Um- und Neubau mit Subventionen rechnen? «Ja. Auch hier bieten wir eine Erstberatung auf Basis des Labels LEA an, welches als Grundlage für die Förderung herangezogen wurde.» LEA (Living Every Age) ist der erste Standard, um hindernisfreie und altersgerechte Bau- und Wohnqualität zu messen. Gemäss der Infobroschüre «Komfortabel und sicher wohnen» bewegen sich die Förderbeiträge bei Neubauten zwischen 10 000 und 25 000 Franken, bei Umbauten zwischen 8000 und 23 000 Franken.  


Parzelle böte Platz für 20 Alterswohnungen
Die Befragung im Rahmen des Projekts «Wohnen und Leben im Alter» hat klar gezeigt, dass die Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben möchten. Norman Wohlwend kann sich aber gut vorstellen, dass die Bereitschaft zu einem Umzug eher vorhanden ist, wenn die öffentliche Hand attraktiven, hindernisfreien Wohnraum zur Verfügung stellt. 
Obwohl in Schellenberg derzeit noch kein akuter Bedarf an Alterswohnungen besteht, hat die Gemeinde die Entwicklung eines entsprechenden Projekts federführend in die Hand genommen. «Wir wissen heute, was die Leute wollen, kennen die relevanten Eckpunkte: Alterswohnungen müssen im Zentrum liegen, die Finanzierung ist ein Thema. Einkaufsladen, Kirche und Bushaltestelle sollten sich in der Nähe befinden.» Gemeinsam mit der Bevölkerung wurden diesbezüglich Workshops durchgeführt, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, auf deren Basis das ETH-Wohnforum in Zürich ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet hat. «Dieses haben wir anschliessend der Bevölkerung vorgestellt. Die Rückmeldungen waren sehr positiv», so Norman Wohlwend.
Bereits ist eine geeignete Parzelle festgelegt, die sich gegenüber der Gemeindeverwaltung befindet. Denkbar wäre der Bau von zirka 20 Wohnungen, die etappenweise realisiert werden können. Schellenberg ist also bestens gerüstet. «Wir sind gut vorbereitet. Bis zur Umsetzung ist es aber noch ein weiter Weg, viele Details müssen noch besprochen und abgeklärt werden.»


Orientierungshilfen rund ums Älterwerden
Im pflegerischen Bereich wird in Schellenberg nach wie vor vieles innerhalb der Familie organisiert und auch die Nachbarschaftshilfe funktioniert noch. Bei Bedarf werden Pflegekräfte hinzugezogen, die jedoch aus eigener Tasche finanziert werden müssen. Ein Hinweis am Rande: Skandinavien hat das System umgekrempelt. Dort fliesst der Grossteil des Pflegebudgets in ambulante Pfleger, die ins Haus kommen, sich einen Grossteil des Tages um die Menschen kümmern und die Angehörigen entlasten, die ihrer Arbeit nachgehen können. Trotzdem bleiben in diesem System die Familien zusammen. Je mehr eigentliche Pflegearbeit ihnen abgenommen wird, umso entspannter ist das Zusammenleben, umso weniger Druck ist da, den Ehemann, die Mutter oder den Bruder in ein Heim abgeben zu müssen. 


«Ja, der pflegerische Bereich betrifft wohl alle Gemeinden. Wenn Leute in die Situation kommen, auf Pflege angewiesen zu sein, sind viele Fragen offen. Auch hier versuchen wir, begleitend zu unterstützen, Ratschläge zu geben.» Auch bei allgemeinen Fragen rund ums Älterwerden kann die Gemeindeverwaltung Orientierungshilfe leisten, können Kontakte zu Fachpersonen vermittelt werden, die landesweit zur Verfügung stehen. «Eine weitere Idee ist, Menschen zusammenzubringen, die im Sinne von ‹Senioren für Senioren› einander helfen oder betagten Menschen Hilfe anbieten. Wir sind am Thema dran, sammeln Ideen. Mauren ist diesbezüglich schon sehr weit. Eine intelligente Plattform bzw. Koordinationsstelle im Sinne eines Bürgerservices anzubieten, wo Anbieter und Nutzer zusammengebracht werden, wäre sicher auch in Schellenberg sinnvoll und nützlich.» (ge)
 

17. Mai 2019 / 19:07
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
17. August 2019 / 08:00
17. August 2019 / 18:28
17. August 2019 / 21:20
17. August 2019 / 06:00
Meistkommentiert
25. Juli 2019 / 15:38
01. August 2019 / 09:46
05. August 2019 / 11:36
Aktuell
18. August 2019 / 09:48
18. August 2019 / 07:39
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
eidechsen
Zu gewinnen 3 x 2 Karten , 22.08., 20.30 Uhr
19.07.2019
Facebook
Top